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(c) Pester Lloyd / Nr. 41 - 2007 WIRTSCHAFT 08.10.2007
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STRABAG rüstet sich für Rußlandfeldzug
Der
österreichische Baukonzern STRABAG geht am 19. Oktober an die Börse und wird dort knapp eine Milliarde EUR für weitere Akquisitionen einsammeln. Die Hauptmärkte sind und bleiben,
Deutschland, Österreich und CEE. Gigantisches Potential besteht in Rußland, auch durch den Einstieg des Oligarchen Deripaska. Der Vorstand fürchtet sich indes vor der “Sandwichschlacht” mit
Kleinaktionären - Großaufträge kommen aus Ungarn
Es ist nichts
weniger als die europäische Marktführerschaft, die der Vorstandsvorsitzende Hans-Peter Haselsteiner auf der IPO-Pressekonferenz der STRABAG in Wien am vergangenen Montag als Ziel vorgab. Der
kurzzeitig fragliche Börsengang ist nun für den 19. Oktober fixiert und spült voraussichtlich eine knappe Milliarde frisches Kapital in die Kassen, hauptsächlich für weitere Akquisitionen in
Osteuropa und als Eigenkapitalreserve für die zahlreichen Public Private Partnership-Projekte, die ohne Eigenkapital nicht realisierbar sind. "Ein Baukonzern kann gar nicht über genug
Eigenmittel verfügen." verkündete Haselsteiner etwas unelegant verkürzt die Hauptmotivation für diesen Börsengang.
(Foto: Strabag)
Angst vor der Sandwichschlacht mit Kleinaktionären
Der Ausgabepreis für die ca. 28 Mio Aktien (davon 2/3 aus
Kapitalerhöhung, der Rest von den Altaktionären) wird zwischen 42 und 48 EUR pendeln. Bereits mit dem Börsengang soll die Aufnahme in den
ATX erfolgen. Das Börsenparkett ist sehr sichtbar nicht so die Lieblingsspielwiese des Baumagnaten Haselsteiner, mehrmals muß er vor versammelter Presse bei seinen Anwälten nachfragen, welche
Fragen er wie beantworten darf und den größten Horror scheint er vor Kleinaktionären auf Hauptversammlungen zu haben.
Er fürchtet, daß die zu "einer Mischung aus Cabaret, Beschimpfungen
und Sandwichschlacht ausarten" könnten. Nach dem Börsengang wird die Macht im Hause nach außen geviertelt sein: je 25% + 1 Aktie halten
dann Rasperia (Deripaska), Raiffeisen/Uniqa sowie der Streubesitz bei privaten und institutionellen Anlegern. 25% -3 Aktien verbleiben "noch"
bei Haselsteiner, der Nachfragen über damit einhergehenden Machtverlust mit einem grinsenden Hinweis auf vertragliche Vereinbarungen mit den anderen Hauptaktionären beantwortet. Wenn
sein Anwalt vier Aktien kauft, wäre die Frage ja auch beantwortet.
Stabile Marktführerschaft in CEE
STRABAG sieht sich für seine großen Pläne bestens gerüstet. Mah hat
die Bauleistung innerhalb von 6 Jahren mehr als verdreifacht (natürlich auch durch Firmenzukäufe), beschäftigt mittlerweile um 57.000
Mitarbeiter und kann einen Auftragsbestand von über 10 Mrd EUR vorweisen. In Deutschland, Österreich und Ungarn ist man Marktführer,
in anderen CEE Staaten kurz davor es zu werden. Man sieht die Konzentration auf Europa neben der eigenen Rohstoffbasis mit etlichen
Zementwerken auch als das Haupterfolgsrezept an. "Die Bauwirtschaft ist nicht globalisierungsfähig." beschreibt Haselsteiner den hohen Einfluß lokaler Besonderheiten.
Die Wachstumsraten in der osteuropäischen Bauwirtschaft sind laut
STRABAG rosig. In Polen, Kroatien und der Ukraine geht man jährlich von über 10%igen Zuwächsen aus, Rußland, Bulgarien und Rumänien
schätzt wieht man zwischen 8-9%, Tschechien, Slowakei bei je um 6%, nur Ungarn stagniert etwas bei gerade noch 3,3%. Allerdings sagen
diese Zahlen ja nichts über die Verschiebung von Marktanteilen, so daß der Konzern weiter gegen den Markt wachsen kann. In Ungarn stieg die Bauleistung im Schnitt der letzten 3 Jahre um 14%.
Deripaska und Haselsteiner im April 2007
Die unter charmanter Maske verborgene Gewissenslosigkeit
bei der Wahl ihrer Geschäftspartner ist fraglos eines der Erfolgsgeheimnisse der österreichischen Wirtschaft in Osteuropa
Haselsteiner in Deripaskaland: "Kein Wettbewerb"
Das größte Wachstum, die gigantischsten Projekte und die goldensten
Zukunftsträume verbindet Haselsteiner mit Rußland: "Ein Kapitel für sich selbst". Für eine gute Milliarde EUR stieg im April 2007 der Oligarch
und Aluminiumkönig Oleg Deripaska bei der STRABAG ein und erhielt dafür 30% der Anteile. Damit eröffnet sich dem Konzern der weite,
wilde russische Markt, nebenbei konnte man seine Schulden von ca. 650 Mio EUR bezahlen. Haselsteiner spricht vornehm zurückhaltend von
einem "ungewöhnlichen Marktverhalten". Man nehme in Rußland nicht an Ausschreibungen teil, sondern genieße die Segnungen eines reinen Anbietermarktes.
"Der Bedarf wächst dort viel schneller als es überhaupt technisch
möglich ist, die entsprechenden Bauleistungen zu erbringen. - Daher gibt es in Rußland auch keinen Wettbewerb, weil es auch keine
Ausschreibungen gibt." Sein neuer russischer Mitbesitzer wird auch wissen, wie man ohne Ausschreibungen an die lukrativsten Aufträge
gelangt, schliesslich handelt es sich bei Deripaska um einen derjenigen Oligarchen, die während der Jelzin-Ära mit Geschick und Gewalt das
Land unter sich aufteilten und es bis heute beherrschen. Die unter charmanter Maske verborgene Gewissenslosigkeit bei der Wahl ihrer
Geschäftspartner ist fraglos eines der Erfolgsgeheimnisse der österreichischen Wirtschaft in Osteuropa. Aber ein eigenes Thema.
"Alles was sie hier auf der Karte rechts sehen, also Flughafen, Stadien und so weiter ist Deripaskaland" freut sich Konzernchef Haselsteiner auf
Sotchi zeigend als handelte es sich dabei um ein kleines Einfamilienhaus.
Die Erwartungen sind enorm: offiziell werden 9,4 Mrd. EUR von
öffentlicher Hand bis Olympia 2014 in die Region investiert. Die STRABAG sieht hier insgesamt 25-30 Mrd. in Bewegung, wovon, dank
des hauseigenen Statthalters ein großes Stück abgebissen werden wird. Moskau, St. Petersburg und Jekaterinenburg sind weitere strategische
Zentren der STRABAG-Planung, je mit mehrstelligem Millardenpotenzial. (Autobahn Moskau - St. Petersburg; Moskau - Krasnodar).
Großaufträge in Ungarn
Der Auftrag für das fast 80 Kilometer lange Teilstück der Südautobahn
M6 von Budapest nach Pécs scheint so gut wie gesichert (der Zuschlag erfolgt dieser Tage). Bei der Durchquerung des Mecsek-Hügellandes
werden zudem sieben Tunnel errichtet. Auch hier hat die STRABAG gute Karten diesen 1 Mrd EUR-Auftrag gegen die deutsche Konkurrenz
von Bilfinger Berger mit Porr an Bord an Land zu ziehen. Der Sieger der Ausschreibung soll die Autobahn nicht nur bauen, sondern auch 25 Jahre
lang betreiben und dafür Nutzungsgebühr kassieren können, ähnlich wie es bei der M5 schon geschieht. Für rund 150 Mio EUR bietet die
STRABAG derzeit auch für 10 U-Bahn-Stationen in Budapest und liegt nach ungarischen Quellen mit ihrem Angebot deutlich unter dem der Mitbewerber.
M.S. Wien
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