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Ausgabe 50 / 2008
10. bis 16. Dezember

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(c) Pester Lloyd / Nr. 41 - 2007 WIRTSCHAFT 08.10.2007
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STRABAG rüstet sich für Rußlandfeldzug

Der österreichische Baukonzern STRABAG geht am 19. Oktober an die Börse und wird dort knapp eine Milliarde EUR für weitere Akquisitionen einsammeln. Die Hauptmärkte sind und bleiben,  Deutschland, Österreich und CEE. Gigantisches Potential besteht in Rußland, auch durch den Einstieg des Oligarchen Deripaska. Der Vorstand fürchtet sich indes vor der “Sandwichschlacht” mit Kleinaktionären - Großaufträge kommen aus Ungarn

Es ist nichts weniger als die europäische Marktführerschaft, die der Vorstandsvorsitzende Hans-Peter Haselsteiner auf der IPO-Pressekonferenz der STRABAG in Wien am vergangenen Montag als Ziel vorgab. Der kurzzeitig fragliche Börsengang ist nun für den 19. Oktober fixiert und spült voraussichtlich eine knappe Milliarde frisches Kapital in die Kassen, hauptsächlich für weitere Akquisitionen in Osteuropa und als Eigenkapitalreserve für die zahlreichen Public Private Partnership-Projekte, die ohne Eigenkapital nicht realisierbar sind. "Ein Baukonzern kann gar nicht über genug Eigenmittel verfügen." verkündete Haselsteiner etwas unelegant verkürzt die Hauptmotivation für diesen Börsengang.

(Foto: Strabag)

Angst vor der Sandwichschlacht mit Kleinaktionären

Der Ausgabepreis für die ca. 28 Mio Aktien (davon 2/3 aus Kapitalerhöhung, der Rest von den Altaktionären) wird zwischen 42 und 48 EUR pendeln. Bereits mit dem Börsengang soll die Aufnahme in den ATX erfolgen. Das Börsenparkett ist sehr sichtbar nicht so die Lieblingsspielwiese des Baumagnaten Haselsteiner, mehrmals muß er vor versammelter Presse bei seinen Anwälten nachfragen, welche Fragen er wie beantworten darf und den größten Horror scheint er vor Kleinaktionären auf Hauptversammlungen zu haben.

Er fürchtet, daß die zu "einer Mischung aus Cabaret, Beschimpfungen und Sandwichschlacht ausarten" könnten. Nach dem Börsengang wird die Macht im Hause nach außen geviertelt sein: je 25% + 1 Aktie halten dann Rasperia (Deripaska), Raiffeisen/Uniqa sowie der Streubesitz bei privaten und institutionellen Anlegern. 25% -3 Aktien verbleiben "noch" bei Haselsteiner, der Nachfragen über damit einhergehenden Machtverlust mit einem grinsenden Hinweis auf vertragliche Vereinbarungen mit den anderen Hauptaktionären beantwortet. Wenn sein Anwalt vier Aktien kauft, wäre die Frage ja auch beantwortet.

Stabile Marktführerschaft in CEE

STRABAG sieht sich für seine großen Pläne bestens gerüstet. Mah hat die Bauleistung innerhalb von 6 Jahren mehr als verdreifacht (natürlich auch durch Firmenzukäufe), beschäftigt mittlerweile um 57.000 Mitarbeiter und kann einen Auftragsbestand von über 10 Mrd EUR vorweisen. In Deutschland, Österreich und Ungarn ist man Marktführer, in anderen CEE Staaten kurz davor es zu werden. Man sieht die Konzentration auf Europa neben der eigenen Rohstoffbasis mit etlichen Zementwerken auch als das Haupterfolgsrezept an. "Die Bauwirtschaft ist nicht globalisierungsfähig." beschreibt Haselsteiner den hohen Einfluß lokaler Besonderheiten.

Die Wachstumsraten in der osteuropäischen Bauwirtschaft sind laut STRABAG rosig. In Polen, Kroatien und der Ukraine geht man jährlich von über 10%igen Zuwächsen aus, Rußland, Bulgarien und Rumänien schätzt wieht man zwischen 8-9%, Tschechien, Slowakei bei je um 6%, nur Ungarn stagniert etwas bei gerade noch 3,3%. Allerdings sagen diese Zahlen ja nichts über die Verschiebung von Marktanteilen, so daß der Konzern weiter gegen den Markt wachsen kann. In Ungarn stieg die Bauleistung im Schnitt der letzten 3 Jahre um 14%.
 

Deripaska und Haselsteiner im April 2007

Die unter charmanter Maske verborgene Gewissenslosigkeit
bei der Wahl ihrer Geschäftspartner ist fraglos eines der Erfolgsgeheimnisse der österreichischen Wirtschaft in Osteuropa

Haselsteiner in Deripaskaland: "Kein Wettbewerb"

Das größte Wachstum, die gigantischsten Projekte und die goldensten Zukunftsträume verbindet Haselsteiner mit Rußland: "Ein Kapitel für sich selbst". Für eine gute Milliarde EUR stieg im April 2007 der Oligarch und Aluminiumkönig Oleg Deripaska bei der STRABAG ein und erhielt dafür 30% der Anteile. Damit eröffnet sich dem Konzern der weite, wilde russische Markt, nebenbei konnte man seine Schulden von ca. 650 Mio EUR bezahlen. Haselsteiner spricht vornehm zurückhaltend von einem "ungewöhnlichen Marktverhalten". Man nehme in Rußland nicht an Ausschreibungen teil, sondern genieße die Segnungen eines reinen Anbietermarktes.

"Der Bedarf wächst dort viel schneller als es überhaupt technisch möglich ist, die entsprechenden Bauleistungen zu erbringen. - Daher gibt es in Rußland auch keinen Wettbewerb, weil es auch keine Ausschreibungen gibt." Sein neuer russischer Mitbesitzer wird auch wissen, wie man ohne Ausschreibungen an die lukrativsten Aufträge gelangt, schliesslich handelt es sich bei Deripaska um einen derjenigen Oligarchen, die während der Jelzin-Ära mit Geschick und Gewalt das Land unter sich aufteilten und es bis heute beherrschen. Die unter charmanter Maske verborgene Gewissenslosigkeit bei der Wahl ihrer Geschäftspartner ist fraglos eines der Erfolgsgeheimnisse der österreichischen Wirtschaft in Osteuropa. Aber ein eigenes Thema. "Alles was sie hier auf der Karte rechts sehen, also Flughafen, Stadien und so weiter ist Deripaskaland" freut sich Konzernchef Haselsteiner auf Sotchi zeigend als handelte es sich dabei um ein kleines Einfamilienhaus.

Die Erwartungen sind enorm: offiziell werden 9,4 Mrd. EUR von öffentlicher Hand bis Olympia 2014 in die Region investiert. Die STRABAG sieht hier insgesamt 25-30 Mrd. in Bewegung, wovon, dank des hauseigenen Statthalters ein großes Stück abgebissen werden wird. Moskau, St. Petersburg und Jekaterinenburg sind weitere strategische Zentren der STRABAG-Planung, je mit mehrstelligem Millardenpotenzial. (Autobahn Moskau - St. Petersburg; Moskau - Krasnodar).

Großaufträge in Ungarn

Der Auftrag für das fast 80 Kilometer lange Teilstück der Südautobahn M6 von Budapest nach Pécs scheint so gut wie gesichert (der Zuschlag erfolgt dieser Tage). Bei der Durchquerung des Mecsek-Hügellandes werden zudem sieben Tunnel errichtet. Auch hier hat die STRABAG gute Karten diesen 1 Mrd EUR-Auftrag gegen die deutsche Konkurrenz von Bilfinger Berger mit Porr an Bord an Land zu ziehen. Der Sieger der Ausschreibung soll die Autobahn nicht nur bauen, sondern auch 25 Jahre lang betreiben und dafür Nutzungsgebühr kassieren können, ähnlich wie es bei der M5 schon geschieht. Für rund 150 Mio EUR bietet die STRABAG derzeit auch für 10 U-Bahn-Stationen in Budapest und liegt nach ungarischen Quellen mit ihrem Angebot deutlich unter dem der Mitbewerber.

M.S. Wien

 

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