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Ausgabe 50 / 2008
10. bis 16. Dezember

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(c) Pester Lloyd / Nr. 04 - 2008 KULTUR 21.01.2008
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Humanismus und Aushungern

Mathias Corvinus - ein Ungarnkönig in Wien

Im Jahre 1458 wurde Matthias Corvinus, Sohn des Türkenhelden Johann Hunyady, zum König von Ungarn gewählt, gegen den Widerstand vieler ungarischer Magnaten, die den "Emporkömmling" Matthias Corvinus ablehnten. Sie entschieden sich für den Habsburger Friedrich III., der sich auch den Titel eines Königs von Ungarn anmasste. Das 550jährige Trhonjubiläum Matthias´wird vom ungarischen Kulturministerium und den Toursmusfürsten zum Anlass für die Ausrufung eines Renaissance-Jahres genutzt (auch die Medici-Ausstellung ist ein Teil davon). Das Land will seine humanistischen, europäischen Traditionen zeigen, was nötig scheint, hält die Gegenwart ja wenig Rufförderndes erfreuliches bereit.

Aber auch der Förderer der Künste, Wissenschaft, aufgeklärte Absolutist Matthias Corvinus zieht eine Blutspur hinter sich her - natürlich aus patriotisch hehren Gründen: nach zahlreichen Schlachten in den Sechziger Jahren gegen die Kaiserlichen, eroberte er ab 1477 reihenweise Orte im nördlichen und südlichen Niederösterreich, darunter auch Wiener Neustadt, die Lieblingsresidenz seines Erzfeindes Kaiser Friedrich III. Nach einigen Wochen des humanistischen Aushungerns ergaben sich die Österreicher. Matthias Corvinus war schlau und präsentierte sich als ritterlicher Sieger: er respektierte und vermehrte die Rechte der Bürger und liess weitgehend Milde walten. Fast drei Jahre blieb Corvinus in Wien, wo er - „Matyas az igazsagos“ – Mathias der Gerechte - 1490 starb, damit endete auch die Ungarnherrschaft über Österreich, der Sohn des Kaisers, Maximilian I. nahm ihnen das Land bald wieder ab. Heute herrschen die Ungarn lediglich noch über die Geschäfte der Mariahalifer Strasse. Von seiner Volksnähe zeugt hier u.a. noch die Öffnung des Augartens für die Untertanen.

Die Zeit von Matthias Corvinus bildet ein Schwerpunktthema am Collegium Hungaricum Wien. Am 22. Januar machte ein Vortrag über die Hofkultur den Auftakt. Am 19. Februar steht die höfische und aristokratische Gartenkunst der Spätrenaissance und des Frühbarock (16.-17. Jahrhundert) im Mittelpunkt eines anschaulichen Vortrages, begleitet von den Live-Tönen der "Passagio antico", einer ungarischen Truppe für Renaissancemusik. Am 26. März spielt im Großen Saal das Ensemble Hollóének (Rabengesang) die Musik von Jahrmärkten und Festen des "gemeinen Volkes" von vor 500-600 Jahren.

Marco Schicker

Weitere Infos: www.collegium-hungaricum.at

(c) Pester Lloyd

 

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