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(c) Pester Lloyd / Nr. 11 - 2008 POLITIK 28.03.2008 ______________________________________________________________
Ein Hassprediger
Die Rechte in Ungarn verfügt bedauerlicherweise nicht über allzu viele qualifizierte Publizisten, dafür aber über manchen, der diesen
Beruf eher aufgeben sollte. Einer von ihnen ist Zsolt Bayer.
Der einstige Pressechef und Gründungsmitglied des Fidesz schreibt und
redet in seinen Fernsehprogrammen oft in einem Ton, der an den der Jungkommunisten der Nachkriegszeit erinnert: Brutal aggressiv,
schonungslos und vulgär wettert er gegen die vermeintlichen Erzfeinde der Heimat. Diese sind bei ihm die Linken und die Liberalen.
Grafik: Béla Tettamanti
Dieser Tage ging er noch einen Schritt weiter. In Magyar Hírlap (die
Tageszeitung gehört dem Unternehmer Gábor Széles) meinte er über die Journalisten des anderen politischen Lagers: „Es handelt sich bei ihnen um
‚Zweck-Juden’. Ihre bloße Existenz bestätigt den Antisemitismus. ... Lassen wir sie entschieden nicht in das Bassin der Nation pinkeln, oder hineinschnäuzen.“
Im gleichen Tonfall griff er den bekannten katholischen Schriftsteller und
Antikommunisten der Vorwendezeit, Rudolf Ungváry, an, weil dieser das Wüten des rechtsradikalen Pöbels beim Nationalfeiertag verurteilt hatte.
Das Schreiben Bayers wurde von einer große Zahl von Intellektuellen des
linksliberalen Lagers scharf zurückgewiesen. Sie riefen den Inhaber der Zeitung auf, sich von ihm zu distanzieren. Széles reagierte nicht. Von der
christlich-konservativen Seite meldete sich bisher nur Ibolya Dávid, Vorsitzende des mitterechts-bürgerlichen MDF, zu Wort. Die einstige
Justizministerin der Orbán-Regierung, die in ihrer Amtszeit Stellungnahmen zu antisemitischen Erscheinungen peinlicherweise vermieden hatte, war diesmal eindeutig. In einem „Offenen Brief an
meine jüdischen und nicht-jüdischen Freunde“ bezeichnete sie die Schrift Bayers als „verblüffend, ungeheuerlich, skandalös“ und entschuldigte sich
als Christin anstelle des Autors. Zwar seien die Politiker für einen gemeinsamen Auftritt oft zu feige, doch sei sie, Dávid, überzeugt, dass
sich die Mehrheit der Ungarn, auch die der Oppositionellen, von diesen unakzeptierbaren Äußerungen distanziere.
(c) Pester Lloyd
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