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Ausgabe 50 / 2008
10. bis 16. Dezember

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(c) Pester Lloyd / Nr. 11 - 2008 POLITIK 28.03.2008
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Ein Hassprediger

Die Rechte in Ungarn verfügt bedauerlicherweise nicht über allzu viele qualifizierte Publizisten, dafür aber über manchen, der diesen Beruf eher aufgeben sollte. Einer von ihnen ist Zsolt Bayer.

Der einstige Pressechef und Gründungsmitglied des Fidesz schreibt und redet in seinen Fernsehprogrammen oft in einem Ton, der an den der Jungkommunisten der Nachkriegszeit erinnert: Brutal aggressiv, schonungslos und vulgär wettert er gegen die vermeintlichen Erzfeinde der Heimat. Diese sind bei ihm die Linken und die Liberalen.

Grafik: Béla Tettamanti

Dieser Tage ging er noch einen Schritt weiter. In Magyar Hírlap (die Tageszeitung gehört dem Unternehmer Gábor Széles) meinte er über die Journalisten des anderen politischen Lagers: „Es handelt sich bei ihnen um ‚Zweck-Juden’. Ihre bloße Existenz bestätigt den Antisemitismus. ... Lassen wir sie entschieden nicht in das Bassin der Nation pinkeln, oder hineinschnäuzen.“

Im gleichen Tonfall griff er den bekannten katholischen Schriftsteller und Antikommunisten der Vorwendezeit, Rudolf Ungváry, an, weil dieser das Wüten des rechtsradikalen Pöbels beim Nationalfeiertag verurteilt hatte.

Das Schreiben Bayers wurde von einer große Zahl von Intellektuellen des linksliberalen Lagers scharf zurückgewiesen. Sie riefen den Inhaber der Zeitung auf, sich von ihm zu distanzieren. Széles reagierte nicht. Von der christlich-konservativen Seite meldete sich bisher nur Ibolya Dávid, Vorsitzende des mitterechts-bürgerlichen MDF, zu Wort. Die einstige Justizministerin der Orbán-Regierung, die in ihrer Amtszeit Stellungnahmen zu antisemitischen Erscheinungen peinlicherweise vermieden hatte, war diesmal eindeutig. In einem „Offenen Brief an meine jüdischen und nicht-jüdischen Freunde“ bezeichnete sie die Schrift Bayers als „verblüffend, ungeheuerlich, skandalös“ und entschuldigte sich als Christin anstelle des Autors. Zwar seien die Politiker für einen gemeinsamen Auftritt oft zu feige, doch sei sie, Dávid, überzeugt, dass sich die Mehrheit der Ungarn, auch die der Oppositionellen, von diesen unakzeptierbaren Äußerungen distanziere.

 

(c) Pester Lloyd

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