Gegründet 1854

Nachrichten aus Budapest und Ungarn

kontakt suche
e-paper
abo

Abonnieren Sie einen Informationsvorsprung auf den Märkten Mittelosteuropas / 50 Ausgaben (1Jahr) nur 110 EUR incl. Versand HIER

Ausgabe 14 / 2008
2. bis 8. April  2008

POLITIK
WIRTSCHAFT
FEUILLETON
BUDAPEST
OSTEUROPA
WIEN
BEILAGEN
ANNONCEN
PRINTABO
e-paper
ANZEIGEN
Anzeigen
online
Bücher
PL-Chronik

über uns 

english 

magyar

gästebuch
chat

IMPRESSUM

 impressum

 

 

(c) Pester Lloyd / Nr. 15 - 2008 POLITIK 07.04.2008
______________________________________________________________
 

Szenarien für Ungarn

Vorgezogene Wahlen oder Minderheitsregierung

Die ungarische Verfassung schränkt die Möglichkeiten vorgezogener Wahlen beträchtlich ein. Die nächsten Parlamentswahlen sollten nach dem regulären Ende der gegenwärtigen Legislaturperiode im Frühjahr 2010 stattfinden. Nun gib es angesichts der aktuellen innenpolitischen Situation mehrere Optionen: Falls sich der Ministerpräsident zurückzieht, tritt zunächst der Staatschef in Aktion. Er beauftragt einen Kandidaten seiner Wahl mit der Bildung eines neuen Kabinetts. Ist das Parlament innerhalb von 40 Tagen nicht imstande, einen neuen Premier zu wählen, kann der Staatspräsident das Hohe Haus auflösen und Neuwahlen ausschreiben. Ein ähnliches Verfahren ist zu erwarten, falls der Ministerpräsident eine Vertrauensabstimmung verliert. Dann kommt das Staatsoberhaupt wie beschrieben zum Zuge.

Eine Rettung für die Mehrheitspartei bedeutet der „konstruktive Misstrauensantrag“. In diesem Fall nennen die Initiatoren einen Nachfolger für den Ministerpräsidenten, den sie ablösen wollen. Erhält der Antrag die einfache Mehrheit, übernimmt der neue Regierungschef die Führung und Neuwahlen werden hinfällig.

Aktuell steht Ungarn wahrscheinlich eine Minderheitsregierung ins Haus. Deren Arbeit ist – zumindest arithmetisch betrachtet – kein unüberwindliches Problem: Die MSZP verfügt im 386-köpfigen Parlament über 188 Abgeordnete. Eigentlich sind es sogar 190, doch ist Ex-Premier Gyula Horn schwer erkrankt und der Pécser Bürgermeister Toller liegt nach einem Unfall im Koma. Bereits ein Teil der 20 Mandatsträger der Liberalen würde bereits zur Sicherung der einfachen Mehrheit ausreichen. Nicht auszuschließen ist, dass gelegentlich sogar Abgeordnete des mitterechts-bürgerlichen MDF manche Gesetzesvorschläge der MSZP unterstützten. Das MDF liegt bekanntlich im politischen Clinch mit dem Fidesz. Es gibt auch einen unabhängigen Abgeordneten, der eher der MSZP als der Opposition nahe steht. Übrigens haben die Fraktionen des Fidesz und der mit ihm eng verbundenen Christdemokraten insgesamt 164 Mandate, das MDF elf.

Darüber hinaus können weniger gewichtige Gesetze durch die einfache Mehrheit der anwesenden Abgeordneten verabschiedet werden. So könnte also das Zusammentreffen von Fraktionsdisziplin bei der Linken mit einer Grippewelle durchaus hilfreich für die Regierenden sein. Doch haben Verfassungsjuristen hier vorrausschauend gehandelt: Wesentliche Gesetze müssen durch die Mehrheit aller Abgeordneten angenommen werden. Für die Verabschiedung von Schlüsselgesetzen wird eine Zweidrittelmehrheit benötigt.

(c) Pester Lloyd

 

IHRE MEINUNG IST GEFRAGT - KOMMENTAR ABGEBEN

______________________________________________________________

 

Ihre Anzeige hier?

 

Ein perfektes Wochenende

 

Probeabo Süddeutsche Zeitung

 

:

 

 


Klingeltoene