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(c) Pester Lloyd / Nr. 17 - 2008 WIRTSCHAFT 26.04.2008 ______________________________________________________________
MOL-OMV I
Laues Lüftchen in Budapest
Das Management der Mol wird dem österreichischen Publikum nicht eben wegen seiner Freundlichkeit in Erinnerung bleiben. Es zeigt sich mal selbstsicher-arrogant, mal ironisierend, wenn es
um Stellungnahmen zu den Umarmungsversuchen der OMV gebeten wird. Budapest verzeiht dem Konkurrenten nicht, im Vorjahr mit der Tür ins Haus gefallen zu sein.
Selbst Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány entrüstete sich damals
über das Vorgehen der Nachbarn, die ihre Anteile an der ungarischen Öl- und Gasgesellschaft klammheimlich auf 20% verdoppelt hatten
und wie aus heiterem Himmel einen Fusionsanspruch anmeldeten - mit einer kaum in Abrede gestellten Führerschaft der Wiener Zentrale. Zweihundertfünfzig Kilometer weiter ostwärts wird dem
uncharmanten Bewerber dafür die kalte Schulter gezeigt. Auf der Jahreshauptversammlung der Mol vergangene Woche redete man nicht nur wegen der Zweisprachigkeit aneinander vorbei: Die
selbstgerechten Österreicher versuchten es in einem gekünstelten Englisch, die Ungarn verwiesen auf die Amtssprache des Aktionärstreffens, die in diesem Lande nicht erst seit gestern
Ungarisch sei, und betrachteten die vorgetragene Wunschliste des größten Teilhabers im Übrigen bestenfalls als amüsante Einlage.
Was nicht passt, wird passend gemacht? Foto: OMV
Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus, warnt uns ein altes
deutsches Sprichwort, das dem OMV-Management in seinem Globalisierungsrausch entfallen sein muss. Im vergangenen Jahr gingen die Österreicher in einem bis dahin von ihnen nicht
gewohnten, aggressiven Stil an die Verwirklichung der neuen Konzeption, die ungarische Mol zu schlucken, die man seit der Jahrtausendwende als gute Finanzanlage betrachtet hatte. Die
eigenen Anteile wurden emsig auf 20% verdoppelt und dann jene merkwürdige „Offerte“ über 32.000 Ft herausposaunt, mit der ein
Übernahmestreich eigentlich nur gelingen konnte. Dass die Aktionäre nicht reihenweise in Ohnmacht fielen, erklärt sich aus einem etwas anderen Sinn für die Realitäten.
Der österreichische Mineralölkonzern braucht für die Umsetzung
seiner Strategie juristische Schützenhilfe aus Brüssel - u. a. muss die 10%-Stimmrechtsbarriere bei Mol gekippt werden. Auf diesem
Spielfeld wird eine Entscheidung erst später erwartet, dass die Aktionäre momentan aber auf die Wertschöpfungsstrategie des Budapester Managements setzen, dokumentierten die
Abstimmungsverhältnisse auf der Jahreshauptversammlung vorige Woche eindrucksvoll: Der Vorstand um Zsolt Hernádi konnte selbst
Vorlagen wie die Anhebung des Aktienanteils im Eigenbesitz von 10 auf 25% durchdrücken, die eine qualifizierte Dreiviertelmehrheit
benötigen. Warum stellten sich die Aktionäre - neben gut 40% des Mol-„Lagers“ und 20% bei OMV befinden sich immerhin 37% im internationalen Streubesitz - hinter ein Management, das nach
Wiener Darstellung mit einer langen Reihe von Transaktionen nur Werte vernichtet?
Egal ob es um den Einstieg der tschechischen CEZ, der OOC aus dem
Oman, die Abtretung von großen Aktienpaketen an die Banken OTP, BNP und MFB geht, vermauere das Management der Mol mit destruktiven Schritten die Zukunft. Der Aktienkurs ist seit dem
Ausbruch des OMV-Fiebers von damals 30.000 Ft auf 23.000 Ft zurückgefallen, da müssten die Inhaber der Papiere doch geradezu leidenschaftlich auf den Geldgeber OMV zugehen. Vermutlich sorgen
sie sich aber doch um die Zukunftsaussichten einer vereinten mitteleuropäischen Ölgesellschaft, und zwar nicht nur wegen der
deutlich schwächeren Rentabilitätskennziffern der in diesem Verbund dank ihrer Größe dominanten Österreicher.
Es bestehen auch klare wettbewerbsrechtliche Bedenken, gleichwohl
OMV diese vom Tisch zu wischen pflegt. Drei Raffinerien (Schwechat, Százhalombatta und Bratislava) bräuchte der regionale Ölriese nimmer, und mit dem Einkauf der italienischen Raffinerie in
Mantua oder dem Aufbau von Tankstellenketten in Slowenien und Österreich liefert das Mol-Management in der Zwischenzeit zusätzliche Bausteine, um die Kartellbehörden auf den Plan zu rufen.
Diese Expansionsstrategie wird jedenfalls so geschickt vorgetragen, dass sich die Aktionäre derzeit lieber hinter der bewährten Riege scharen, so dass Generaldirektor György Mosonyi von einer
„positiven Beurteilung“ seiner Tätigkeit sprechen darf.
Abseits vom Kommunikationslärm ist klar, dass Mol noch immer auf
die eigene Wachstumsstrategie vertraut und dafür Partner sucht, deren Betätigungsfelder keine geographische Überlappung verursachen. OMV wartet weiter auf das Verdikt aus Brüssel, um
dann mit „scharfer Munition“ transparent gemachte Strukturen bei Mol für den eigenen Fortschritt umzupolen. Der entsprechende Rückenwind könnte Zsolt Hernádi & Co. fortblasen, vergangene
Woche wehte in Budapest aber nur ein laues Lüftchen.
Rainer Ackermann
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