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Ausgabe 19 / 2008
7. bis 13. Mai 2008

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(c) Pester Lloyd /
Nr. 19 - 2008 WIRTSCHAFT 07.05.2008
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Innere Reserven aufgebraucht

Der Staat belastet die Wirtschaft in Ungarn immer mehr.

Diese wenig erfreuliche und wohl auch nicht sehr originelle Feststellung wurde im Jahresbericht von Political Capital in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsmagazin Figyelö über die politischen und wirtschaftlichen Landesrisiken Ungarns 2007 getroffen. Natürlich gehören die politischen Risiken in den vorderen Teil dieses Blatts, wo wir sie auch gebührend reflektieren, leider aber ist der Übergang „fließend“, weil sich die Politik mit der allgegenwärtigen Korruption oder einem Steuersystem, das geradeheraus zu Steuerbetrug einlädt, aber auch mit dem erschöpften Reformschwung auf die Wirtschaft legt. Unter diesen Umständen hätte uns nicht verwundert, wenn der sogenannte Eco-Risk im vergangenen Jahr gesunken wäre – aber genau das trat nicht ein.

Da hilft der schönste Chart nichts mehr - Ungarn hat ein,
nein, mehrere Problem. Foto: blog.mszp

Es gab schließlich auch Faktoren, die für sich genommen einen deutlich verbesserten Risikowert herbeigeführt hätten. So sorgte für eine markante Stabilisierung der Kapitalmärkte, dass es gelang, das Defizit des Staatshaushaltes um nahezu vier Prozentpunkte am BIP zu reduzieren. Mit dem „Gnadenzustand“ an den internationalen Finanzmärkten war es zur Jahreswende aber endgültig vorbei; dieser wurde von extrem hohen Volatilitäten abgelöst, begleitet von einem „extremen Anstieg des Risikoaufpreises bei der Schuldenfinanzierung“, den der Analyst Péter Duronelly von der Fondsverwaltung der Budapest Bank auf bis zu 2% ansetzte (gegenüber gewöhnlich 0,2-0,3%), wofür es nach seiner Darstellung seit der Wende kein Beispiel gab. Dennoch hält er die vermehrt zu vernehmenden Krisenszenarien für überzogen, so tief abrutschen könnte das Land vielleicht in 10-15 Jahren, und auch nur, wenn alles so weitergeht wie bisher.

Die internationalen Finanzmärkte tun Ungarn also nicht länger den Gefallen, den Reform-Widerwillen zu kaschieren – der verteuerte Schuldendienst wird allein in diesem Jahr mehrere 10 Mrd. Ft zusätzlich verschlingen. Aus insgesamt vier Teilindizes wird der Eco-Risk berechnet, der Finanz- Teilindex wird demnach 2008 kaum zur Besserung der Lage beitragen. Hingegen dürfte bei der Messung der Konjunkturzahlen das Jammertal durchschritten worden sein; dieser Teilindex sackte binnen eines Jahres um knapp zehn Punkte auf 39,9 Punkte und damit in den Bereich des „hohen Risikos“ ab.

Dafür gab es seit 2001 kein Beispiel, merkte der Chefanalyst der Raiffeisen Bank Zrt., Zoltán Török, an, obendrein brockten uns damals äußere Einflüsse die Suppe ein, im Gegensatz zu den hausgemachten innenpolitischen und wirtschaftlichen Problemen des Jahrgangs 2007.

Auch hier zeigte sich jedoch ein widersprüchliches Bild: Die Binnennachfrage brach im Vorjahr praktisch vollkommen zusammen, während die Industrie nicht länger warten konnte und wollte, ausgerechnet in diesem hierzulande dünnen, aber in Hinblick auf die Weltkonjunktur noch ansprechenden Jahr lange vor sich her geschobene Investitionen in Maschinen tätigte. Der Experte sieht für 2008 eingetrübte Exportaussichten, nachdem die US-Rezession etwa ein Jahr zeitverzögert in der EU wirksam wird.

Ungarn besitzt da noch eine Chance, weil die heimischen Unternehmen ihre Exportstrukturen von einer extremen West-Lastigkeit in den jüngsten Jahren spürbar auf den neuen Wachstumsraum Mittelosteuropa verlagerten.

Dabei sind die „inneren Reserven“ für eine stabilisierte Gleichgewichtslage aufgebraucht; das Land wird selbst deutlich geringere Budgetdefizite als aus den Zeiten sozialistisch-liberaler Regierungen gewohnt nicht mehr aus dem Kapitalzufluss decken können, warnte Attila Bartha von Kopint-Tárki.

Die ungarischen Unternehmen investierten mittlerweile 2,7 Mrd. EUR im Ausland, gemessen an 4,2 Mrd. EUR FDI-Zufluss, der sich aber schon allein durch einen Negativsaldo der Portfolioinvestitionen von 5,4 Mrd. EUR in nichts auflöste. Und noch eine „Reserve“ ist erschöpft, jene des Arbeitsmarktes. Dort hatte der Wirtschaftsforscher zwar schon für das Vorjahr einen „Sturm“ angekündigt, die insbesondere im Haushaltssektor vorgenommenen Maßnahmen eines massiven Stellenabbaus fanden in den Statistiken aber erst Anfang 2008 ihren Niederschlag.

Der wenig stabil erscheinenden sozialistischen Minderheitsregierung bleiben nun acht Monate, um beim Eco-Risk für dieses Jahr noch eine sensationelle Wende herbeizuführen. Wenn es nach den von Political Capital und Figyelô beauftragten Wirtschaftsexperten ginge, sollte die extreme Belastung der Arbeit mit Steuern und Abgaben markant reduziert, die Qualität des Bildungswesens verbessert und im Staatshaushalt der Anteil an Sozialausgaben spürbar gesenkt werden. Damit würde zugleich eine Deckung für die gewünschte Steuersenkung geschaffen. Mit Ferenc Gyurcsány wird dieser Schritt gewiss nicht machbar sein, dafür ist er politisch längst ausgehöhlt.

Rainer Ackermann

Prognose für Ungarns Wirtschaft 2008 >>>

(c) Pester Lloyd

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