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(c) Pester Lloyd / Nr. 20 - 2008 WIRTSCHAFT 19.05.2008
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Essen auf Rädern
Ungarn verdreifacht seine Bioethanolkapazität
Während Europa und die Welt allmählich den Irrwitz einer extensiven
Bioethanolproduktion erkennen und sich Gedanken über ressourcen- und umweltschonende Alternativen machen, geht man in Ungarn offenbar den entgegengesetzten Weg. Die Eigentümer des größten
europäischen Maisverarbeiters, der ungarischne Hungrana, werden bis zu 100 Mio EUR in eine Verdreifachung der Bioethanolkapazitäten stecken.
Attila Lengyel, Generaldirektor des Werkes in Szabadegyház teilt mit,
dass die erweiterte Kapazität von 150.000 Tonnen ausreichen werde, die EU-Vorgabe eines 10% Anteils an Bioethanol an der gesamten Kraftstoffmenge zu erreichen. Zudem plant das
Unternehmen eine Erweiterung seiner Aktivitäten zur Aufbereitung von Materialien und Abwasser für die Biogasproduktion. Nach ersten Berechnungen könnte ein
hauseigenes Biogaskraftwerk bis zu 30% des Energiebedarfs des Unternehmens abdecken.
Hungrana vertreibt bereits über die MOL sein "GreenPower E85",
dass nur noch zu rund 15% aus herkömmlichem Treibstoff, zu 85% aber aus Bioethanol besteht, dass aus Getreide hergestellt wurde. Fünzehn Tankstellen verkaufen das Produkt bisher, binnen eines
Jahres soll es an 100-150 Tankstellen erhältlich sein. Die Hungrana ist zu jeweils 50% in Besitz der österreichsichen Agrana International
und einem Joint venture namens Eaststarch, bestehend aus Archer Daniels Midland sowie Tate % Lyle, britischen bzw. amerikanischen
Getreideveredlern und global Playern auf dem Rohstoff- und damit heute auch Treibstoffmarkt. Hergestellt werden in Ungarn vor allem Stärken, Glucose, Isoglucose und Alkohol.
Die Herstellung von Bioethanol galt zunächst als großartige
Alternative zu herkömmlichen Treibstoffen, die vielen hochsubventionierten Brachen in Europa schienen bestens dazu geeignet, ein gutes und zudem noch der Umwelt dienliches Geschäft
zu machen. Viele Bauern stellten und stellen daher ihre Produktion immer mehr auf den Anbau der lukrativen "Energiepflanzen" um, die
EU überlegt nun schon, die Brachensubventionierung gänzlich einstellen zu können.
Die Nachteile sind aber sicht- und spürbar: die Preise für
Nahrungsmittelpflanzen, besonders Getreide, aber auch Tierfutter explodierten und die Energiebilanz ist keineswegs so umweltfreundlich wie es zuerst scheint. Pflanzen wie Raps, Mais,
aber auch der Anbau von konventionellen Getreiden in Monokultur laugen die Böden stark aus, worauf mit großen Mengen Dünger nachgeholfen werden muss, dessen Herstellung wiederum Unmengen
Energie verschlingt. Brasilien, dass in der Herstellung von Bioethanol weltweit führend ist und bereits massenhaft Autos mit Hybridmotoren verkauft, steht in der Kritik, weil durch die
Erweiterung von Anbauflächen wieder einmal der Regenwald leidet. Zudem sei es angesichts des weltweiten Hungers und Elends eine
nicht vertretbare Schande, Anbauflächen für unsere Mobilität statt für die Ernährung der Menschheit zu nutzen. Solang die EU jedoch
keine klare politische Umkehr vornimmt, gelten die festgesetzten Ziele.
(c) Pester Lloyd
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