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(c) Pester Lloyd / Nr. 21 - 2008 GESELLSCHAFT 17.05.2008 ______________________________________________________________
Glosse
Burgerbewegung
20 Jahre McDonalds in Ungarn
Die Mauer war vor 20 Jahren noch nicht gefallen, doch Mc Donalds
war schon da. Schneller ist sonst nur manchmal das US-Militär, jedoch lange nicht so erfolgreich. Militär war hier nicht von Nöten,
bereitwillig gab sich die schon alternde gulaschkommunistische Hure ihrem barzahlenden westlichen (Be)Freier hin. In der Régiposta utca,
unweit der Váci utca öffnete Ende Mai 1988 die erste Mc Donalds-Filiale in Budapest und Ungarn.
Heute sind es landesweit 94 Zweigestellen, die, laut
Unternehmensangaben, über 5.000 Menschen "beschäftigen". Von "ernähren" spricht man lieber nicht. Zu Recht. Besonders stolz ist das
Unternehmen auf die "most unique" Filiale am Westbahnhof, wo man sich rühmt, das vom Büro Eiffel geschaffene Industriedesgin vom
Anfang des 20. Jh. zu "reflektieren". Manche ideologisch verblendete Spassbremsen meinen, der Einfall der rot-gelben Markenterroristen
sei der ultimative Kniefall ungarischer Traditionen vor westlichem Kapital, Ausdruck des merkantilen Sündenfalls schlechtihn. Andere
sagen, ohne McDonalds wäre doch alles nur verfallen und es sei ohnehin geschmackvoll renoviert. Nun, es soll ja auch Leute geben,
die geschmackvoll finden was man dort als Nahrung bezeichnet und anbietet. "Aber es ist so schnell und praktisch". Sicher. Das ist ein
Uhu-Klebestift auch, aber muss ich ihn deswegen essen? - Die meisten gehen ja nur wegen der sauberen Toiletten dahin. Stimmts?
Doch das ist vorbei, schon muss man sich dafür einen vierstelligen Pin(kel)-Code geben lassen.
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“Die Welt verändert sich, - der Big Mac bleibt, wie er ist.”
Reklame in Moskau...
Man kann es Kult oder Sucht oder verwirrten Zeitgeist oder
Generation Fun nennen, wenn zum 20jährigen Jubiläum Schlangen von 150 Meter Länge vor den Filialen in Budapest entstehen. Ich
nenne es Burgerbewegung. Ein Wunder ist der Andrang jedenfalls nicht, bot man doch den Big Mac zum selben Preis an wie damals,
1988. Für: 43 Forint oder 0,17 Euro oder 0,27 Dollar. Solange der Vorrat reicht, versteht sich. Sonst kostet der Big Mac heute 650
Forint, das ist das Fünfzehnfache. Das sind nach Kurs vom letzten Donnerstag exakt 2.667 Euro. In Wien kostet der gleiche Klumpen
2.65 EUR. Warum sind dann aber die Stundenlöhne bei McDonalds in Budapest um so vieles niedriger als in Wien, wo sie auch schon niedrig sind?
Die "most unique" Filiale am Budapester Westbahnhof
Darüber und über ähnliches könnten die Bürger in der Burgerschlange
mal nachdenken. Z.B. warum sie hier, mitten in Europa, vor einer amerikanischen Junkfoodkette Schlange stehen, während der vielleicht nächste US-Präsident mit Vornamen wie eine ungarische
Aprikose - Barack heisst. Das klingt vielleicht abwegig, aber sowas fällt einem halt ein, wenn man eine Stunde auf eine Burger warten
soll. Außerdem ist das ein Megabrüller, den ich woanders nicht unterzubringen wusste. - Wissen die Ungarn eigentlich, dass die
sogenannte Sauce des BigMac auf einem "russischen Rezept" beruht? Das steht so tatsächlich auf der offiziellen Firmenwebseite. Muss
man denn einen Gegner, der schon am Boden liegt, noch treten?
AFP, die berühmte Nachrichtenagentur,
zitiert einen Sándor Demeter, nachdem er 45 Minuten in der Schlange stand, mit den Worten: "Ich komme zweimal im Jahr hierher, häufiger kann ich mir
das einfach nicht leisten." - Da möchte man dem Mann eigentlich gratulieren. Doch fügte er noch hinzu, dass er schon ein Big Mac-Fan ist, solang er denken
kann. Da fügen wir hinzu: das kann ja dann noch nicht so lange her sein, Sándor. Demeter ist übrigens die Göttin der Saat, des Getreides und der Fruchtbarkeit der Erde. Naja.
Roadshow zum 20jährigen Jubiläum, Reisende soll man nicht aufhalten...
Radek Janalik ist der sehr smarte "Head of McDonalds Hungary". Er
sieht ein bisschen so aus, wie einer von jenen, denen wir früher auf dem Schulhof immer das Pausenbrot weggenommen haben. Heute
zahlen wir Radek die Pausenbrote. Und er zahlt´s uns zurück. Jeder Biss ein Schlag in die Magengrube. Radek sagt, er "hätte nicht erwartet, dass so viele Leute kommen". Wir schon.
Marco Schicker
Fotos: McDonalds Hungary, Archiv, Privat
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