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Ausgabe 18 / 2009
29. April - 5. Mai

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(c) Pester Lloyd /
Nr. 38 - 2008 NACHRICHTEN 15.09.2008
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Goliath gegen Dávid

Ein Spionageskandal erschüttert Ungarn

Ein privates Sicherheitsunternehmen hackt den Server des Ungarischen Inlandsgeheimdienstes, um an belastendes Material gegen die Vorsitzende der kleinen bürgerlichen Partei MDF, Ibolya Dávid, zu kommen. Sie sollte gestürzt werden, ein V-Mann des Fidesz sie ersetzen, um die Hegemonie der Rechten zu vollenden. Ein Telefongespräch zeigt Verquickungen bis in die Fidesz-Spitze und in höchste Wirtschaftskreise.

Das Amt für Nationale Sicherheit leitete Untersuchungen gegen ein privates Unternehmen ein, das beschuldigt wird, unbefugt auf den Server des Amtes zugegriffen und als geheim eingestufte Informationen über die Parteivorsitzende des MDF (Magyar Demokráta Fórum) gesammelt zu haben. Gleichzeitig belegte Ibolya Dávid mit dem Mitschnitt eines Telefonates, dass das verdächtigte Unternehmen geplant hatte, sie von ihrem Posten zu entfernen. Als Hintermänner und Nutzniesser einer solchen Aktion gelten die größte Oppsotionspartei, der nationalkonservative Fidesz, bzw. ihr nahestehende Personen. Der Fidesz, als auch alle anderen Involvierten, dementieren alles kategorisch und glauben, dass es sich um eine Intrige der aufgrund desaströser Umfragewerte verzweifelten Linksregierung handele.

“Für ein normales Ungarn” plakatierten das MDF und seine Vorsitzende.
Aber was ist schon normal... Foto:
www.mdf.hu

Auftrag kam direkt aus der Fidesz-Spitze

Als gesichertes Material kann bisher nur die Tonbandaufnahme gelten. Darin wurde ein Telefongespräch zwischen dem zweiten Chef der beschuldigten Sicherheitsfirma (UD Rt.) und Sándor Csányi, Vorstandschef einer der größten Banken Ungarns, der OTP festgehalten. Erstgenannter informierte den Bankchef, dessen Haus auch zu den Kunden der UD zählt, über einen neuen Auftrag. Danach sollte die UD belastende Informationen über die MDF-Vorsitzende Ibolya Dávid sammeln, um dadurch ihre Ablöse und die Wahl eines neuen Vorsitzenden, namentlich von Kornél Almássy zu ermöglichen. Den Auftrag dazu soll der Generaldirektor von UD, József Horváth, direkt von András Tombor, dem einstigen außenpolitischen Chefberater des ehemaligen Regierungschefs und heutigem Oppsitionschef Viktor Orbán erhalten haben. Auch wurde Csányi im Gespräch informiert, dass István Stumpf, einst Orbáns Kanzleramtsminister hinter Almássy stehe – auch finanziell.

Die Angelegenheit gewinnt an enormer Brisanz, wenn man weiss, das der Chef von UD, Horváth ein pensionierter Polizeigeneral, in der Zeit der Orbán-Regierung einen der Spitzenposten in eben jenem Nationalen Sicherheitsamt (also dem Inlandsgeheimdienst) bekleidete. So erschienen nun Beamte seines ehemaligen Amtes in der Firmenzentrale des Ex-Chefs um Rechner und andere Datenträger zu beschlagnahmen. Laut Informationen der Tageszeitung Népszabadság soll die Firma bei ihren Hacker-Aktionen durch Sympathisanten bei der Polizei und im Sicherheitsamt unterstützt wordem sein. (Es ist allgemein bekannt, dass ein wesentlicher Teil der Sicherheitsbeamten schon vor der Wende Dienst versah, darunter auch zahlreiche Führungskräfte, die dann jeweils jäh vom einen bzw. anderen politischen Lager bei Regierungswechseln abgelöst, bzw. eingesetzt wurden und werden).

Rache für die Wahlniederlage von 2006?

Die erste Runde der bizarren Affäre wurde zunächst durch Ibolya Dávid gewonnen. Ihr Herausforderer für die Parteiführung, Almássy leugnete zwar, gegen sie konspiriert zu haben, trat jedoch umgehend von seiner Kandidatur zum Parteivorsitzenden zurück und sprach sich zudem sehr eilfertig für die Neuwahl von Dávid aus. Die weiteren 17 Mitglieder des Parteivorstandes, die ihn unterstützt hatten, stellten ihre Posten zur Verfügung, doch blieben auch Almássy, wie andere Dávid-Feinde in der Parlamentsfraktion.

Unter der nun wiedergewählten Parteivorsitzenden bleibt das MDF weiterhin auf Distanz zu der anderen, doch viel größeren bürgerlichen Partei Fidesz. Zwar war Dávid seinerzeit Ministerin in der Orbán-Regierung, doch war sie nach 2002 nicht bereit, dem Beispiel der Christdemokraten und der Kleinlandwirte zu folgen und ihre Partei in den Fidesz zu integrieren. Das kostete 2006 den Bürgerlichen den Wahlsieg. Noch vor dieser Wahl wurde die Mehrheit der MDF-Abgeordneten vom Fidesz abgeworben.

Die Partei verfügt über 11 Abgeordnete, ihr Schicksal nach den nächsten Wahlen ist jedoch ungewiß. Derzeit würden Sie die 5%-Prozent-Hürde nicht schaffen. Die Abgeordneten des MDF könnten zu Jahresende jedoch noch einmal eine Schlüsselrolle spielen: das Budget und die Steuerpläne der Regierung können nur angenommen werden, wenn neben den Sozialisten auch einige andere Abgeordneten dafür stimmen. Da auch die Liberalen aus wahltaktischen Überlegungen dabei als Wackelkandidaten gelten, könnten die MDFler das Zünglein an der Waag sein. Ferenc Gyurcsány hat sein politisches Schicksal mit dem Erfolg dieser Abstimmung verknüpft...

(c) Pester Lloyd
 

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