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(c) Pester Lloyd / Nr. 41 - 2008 WIRTSCHAFT 06.10.2008 _______________________________________________________
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MOL-Chef schulmeistert in Wien
Ob MOL-Chef György Mosonyi zu lange an seinen eigenen Produkten geschnüffelt hat, wissen wir nicht, seine Äußerungen auf einer
Investorentagung für Mittel- und Osteuropa vergangene Woche in Wien liessen die Zuhörer jedoch in einiger Verwunderung zurück.
Der CEO konnte es, sozusagen in der Höhle des Löwen, nämlich nicht lassen,
sich am gescheiterten Übernahmeversuch der OMV nochmals gründlich zu weiden und schulmeisterte seinen Kollegen eine Lektion: Drei große Fehler
habe die OMV gemacht, schwadronierte der Manager, dessen Unternehmen gerade eine 23 Mio EUR-Strafe wegen Kartellabsprachen kassierte (siehe
unsere Meldung) und dessen Aktienkurs einen recht konstanten Rutsch hinlegt. Zuerst habe man die Haltung der EU zu regionalem Wettbewerb falsch
eingeschätzt, dann die "kulturellen Unterschiede" zwischen beiden Unternehmen nicht beachtet. Schliesslich scheiterten manchmal, so Mosonyi,
sogar freundliche Übernahmen, aber solche rabiaten Versuche wie der der OMV tun dies fast immer. Und außerdem habe sich die OMV weder um die
nationalen Interessen Ungarns noch um die öffentliche Meinung geschert.
Mosonyi war einer der "Key Speaker" auf dem von der Financial Times
organisierten Meeting. Er meinte auch, dass die Konsolidierung auf dem Öl- und Gasmarkt ein nicht zu ignorierender Fakt sei, liess aber keinen Zweifel
daran, dass sein Konzern, zumindest was CEE/SEE betrifft, dabei eine nicht unwesentliche Rolle zu spielen gedenkt. Das Problem sein momentan, dass die
Staaten die Frage der strategischen Teilhabe an Energieunternehmen nur sehr zögerlich zu Privatisierungen bereit seien, was einem freien Spiel der
Marktkräfte zuwiderlaufe. Zukünftig wolle man sich neben der Stärkung der eigenen Position mehr um strategische Partnerschaften, denn in erster Linie um Übernahmen kümmern.
Das Ziel, binnen Jahresfrist 100 MOL-Tankstellen auf österreichischem Boden
zu führen, wurde bekräftigt. Fortschritte machen auch die Expansionspläne in Kroatien. Zuerst wollte der Kroatische Verband der Kriegsveteranen von dem
Übernahmeangebot der MOL für ihr 7%-Paket der kroatischen INA nichts wissen. Mit viel patriotischem Tamtam und ordentlich Kriegsgeheul suchten die
Interessenvertreter der Altkämpfer den Preis nach oben zu treiben. Als aber endlich das O.K. aus Brüssel kam und auch der Staat ein weiteres 2,6%-Paket
an die MOL freigab, gab es doch noch ein Einlenken. Die MOL hält nach einigen weiteren kleinen Zukäufen bei rund 35% der Anteile an ihrem kroatischen
Pendant und steuert nun die baldige Übernahme der Mehrheit an, am Montag war man noch rund 5% davon entfernt.
(c) Pester Lloyd
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