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(c) Pester Lloyd / Nr. 41 - 2008 WIRTSCHAFT 06.10.2008 _______________________________________________________
Der Preis der Gier
Eine ziemlich deftige Kartellstrafe muss die sogenannte "Paraffin-Mafia" abdrücken. Mit 676 Mio EUR wurde die vierthöchste jemals verhängte
Strafe nach dem Europäischen Antikartellgesetz ausgesprochen. Auch die MOL wurde bestraft.
Die EU-Kommission sieht es als erwiesen an, dass rund ein Dutzend
Unternehmen, die rund 75% des Marktes für Paraffin beherrschen, über mindestens 13 Jahre illegale Preisabsprachen trafen und ein Geschäftsmodell á
la Corleone praktizierten. Die Strafe reflektiere daher beides, die Dauer des Frevels wie auch den Umfang der Absprachen, die einen Markt von jährlich
rund 500 Mio EUR betrafen. Wie kaum anders zu erwarten, hat auch die ungarische MOL ihr Schärflein zu der Angelegenheit beigetragen und darf daher
23,7 Mio EUR zur Gesamtstraflast beitragen. MOL bat sich Bedenkzeit aus, ob man in eine weitere Instanz marschiert oder murrend den Preis der Gier begleichen wird.
Paraffin (auch Ceresin) ist einer der wichtigsten Grundstoffe der chemischen
Industrie und findet in fast jedem produzierenden Unternehmen und privaten Haushalten Anwendung, u.a. in Kosmetik, Reifen, Kerzen, als Brennstoff etc.
Ins Rollen brachte die Sache Royal Dutch Shell. In einer Art Kronzeugenregelung kam die Weltfirma mit nur 96 Mio EUR davon, sagte Neelie Kroes, der
Wettbewerbskommissar der EU. Am heftigsten erwischte es den südafrikanischen Konzern Sasol, der als Initiator und Pate des "Klubs zum
Blauen Salon" gilt, wie die Gruppe nach ihrem Treffpunkt in der Bar eines namhaften Hamburger Hotels genannt wurde. Sasol trägt mit 318 Mio EUR die
Hauptlast. Weitere Sünder: Repsol, Spanien mit 20 Mio, Exxon Mobile, 83 Mio EUR, obwohl beide noch einen 25%igen Kooperationsrabatt erhielten. Die zwei
deutschen Unternehmen Tudapetrol und Hansen und Rosenthal werden mit 12 bzw. 24 Mio EUR empfindlich zur Kasse gebeten. Auch die RWE darf 37 Mio
löhnen, Frankreichs Total, wen wunderts, ist ebenso dabei (128 Mio) wie auch die MOL mit vergleichsweise portohaften 23 Mio.
(c) Pester Lloyd
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