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(c) Pester Lloyd / Nr. 45 - 2008 WIRTSCHAFT 03.11.2008 _______________________________________________________
Gläserner Bankkunde?
Die Regierung in Ungarn will eine Kreditdatenbank für "gute" und "schlechte" Kunden
Eine Folge der Finanzkrise ist die Erhöhung der Restriktionen gegenüber
Kreditnehmern. Diese machen zwar einen Großteil des Geschäftes der Finanzinstitute aus, müssen aber in Zeiten der Geldverknappung aufgrund von
Vertrauensverlusten der Banken untereinander die Zeche in Form von höheren Zinsen und Sicherheiten zahlen. Besonders für Selbständige, Kleinunternehmer
und Mittelständler wird die Geldbeschaffung immer mehr zum Spiessroutenlauf.
Die Regierung plant nun eine Kreditdatenbank einzurichten und
gesetzlich ab 1. Mai 2009 zu verankern, die nicht nur - wie in der EU üblich - faule Kredite und insolvente Kunden verzeichnet, sondern alle Kreditnehmer
auflistet. Diese Datenbank soll, nach den Worten von Regierungssprecherin Bernadett Budai das bisherige Zentrale Kreditregister (KHR) ergänzen. Bisher werden im KHR nur die Namen und
Kreditgeschichte von Schuldnern vermerkt, die ihren Verpflichtungen länger als 90 Tage nicht nachgekommen sind. Nun soll in einer Art "positiven
Kreditnehmerliste" alle Kreditnehmer, dazu die Stammdaten, die Höhe der Kredite und der Rückzahlungsraten verzeichnet werden. "Damit sollen Banken
auch die Möglichkeit bekommen, ihre Kunden rechtzeitig vor einer Überschuldung zu warnen.", meinte Budai. Außerdem würde die Vergabe von
Krediten - für Solvente und sog. "gute Schuldner" deutlich verkürzt und vereinfacht werden.", fügte sie hinzu.
Datenschutzbedenken liess sie nicht gelten, es soll die Möglichkeit der
Freiwilligkeit gegeben sein. D.h. Bankkunden können, wenn sie keine Informationen preisgeben wollten, einen Eintrag in die Liste verhindern,
müssten dann aber evtl. mit Ristriktionen bei erneuten Kreditvergaben rechnen, da die Transparenz für die Banken nicht so gegeben sei, wie bei
Kunden in der Datenbank. Pläne für eine solche Überwachungsdatenbank gibt es bereits seit vier Jahren, doch führten Uneinigkeiten mit der Bankwirtschaft
und datenrechtliche Bedenken bisher zu keinem Ergebnis.
(c) Pester Lloyd
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