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(c) Pester Lloyd / Nr. 04 - 2009 KULTUR 18.01.2009 _______________________________________________________
“Akademie” des guten Geschmacks
Noblesse und Dichte: St. Martin in the Fields unter Marriner mit Janine Jansen im MüPa Budapest
Trotz des antiquiert klingenden Namens ist der aus einer kammermusikalischen
Vereinigung hervorgegangene Klangkörper erst 50 Jahre jung. Kein seltenes Alter, gab es doch nach dem II. Weltkrieg mit den wiedererwachenden
Lebensgeistern in allen Ländern einen kulturellen Aufbruch und Austausch künstlerischer Erfahrungen dann auch endlich über Ländergrenzen hinweg.
Die Academie of St. Martin in the Fields
ist inzwischen eines der zehn weltberühmten Orchester (auch das Budapester Festivalorchester gehört zu diesen zehn!), die sich mit atemberaubenden Einspielungen
insbesondere barocker und klassischer Werke hervortun. Der etwas lange Name mit seinem Heiligenschein transportiert Klänge, die wirklich aus anderen Sphären
zu stammen scheinen. Da herrscht höchste Präzision, was bei guten Orchestern auch hierzulande als selbstverständlich gilt, aber gepaart ist mit dem
besonderen Klang, den stets höchst konzentriert spielende Musiker erzeugen. Da agiert Chefdirigent Sir Neville Marriner, der das Besondere zu gestalten
weiß und damit Stil prägend über lange Zeit wirkte.
Im Nationalen Konzertsaal war dann auch am 13. Januar jene besondere
Noblesse zu genießen. Ein ganz und gar deutsches Programm erwartete den ausverkauften Palast der Künste: Joseph Haydn mit seiner „Londoner Sinfonie“
in C-Dur, Mendelssohn-Bartholdys Violinkonzert in e-Moll und Beethovens I. Sinfonie. Allesamt also Werke von Komponisten, die diese gerade in ihrer
Öffnung gen Europa zeigen. Haydns Reife und sein international umjubeltes Schaffen im „demokratischen“ England, nachdem er am ungarischen
Esterházy-Hof 30 Jahre lang unter Einschränkungen zu leiden hatte, trägt nun endlich Früchte.
Mendelssohns langes Wirken in seiner zweiten Heimat England nach seinen
Großtaten in Leipzig und Berlin: das Werk Bachs rettend! Und schließlich Beethoven mit seinem Aufbruch in die große Form – bewusst anschließend an Haydn und Mozart und doch schon ganz eigen.
Dem Orchester gelang eine sehr dichte Interpretation der Werke, die zu
seinem Grundrepertoire gehören. Der Glanz entstand durch entschiedene Gestaltung der musikalischen Motive als prägnante Figuren – im Großen wie im
Kleinen. Die einzelnen Phrasen erlangen stets Bedeutung; einmal durch Brillanz der Tongebung der Instrumente und Mut zum Absetzen einer Bewegung von
der anderen, zum anderen durch elegante Mini-Pausen und ungeheure Dynamik innerhalb der Auf- und Abstriche der Streicher.
Der fast 85-jährige Sir Neville Marriner ist eine Meister des Rationalen, kein
Darsteller mehr. Man ist auf einander eingespielt. Fast hat man bedauert, dass die attraktive und noch junge Janian Jansen mit ihrem enormen Können die
herrlichen Motive des Mendelssohn Violin-Konzertes so überzeugend gestaltete, dass man das Orchester nur als Einheit mit ihr wahrnahm. Das ungarische
Publikum dankte mit begeisterten Ovationen, auch für die Zugabe der Chaconne von Bach durch die Solistin, und dem herausragendem Klangkörper
für ein besonderes, nachhaltiges musikalisches Erlebnis.
Eveline Figura
(c) Pester Lloyd
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