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(c) Pester Lloyd / Nr. 06 - 2009 KULTUR 04.02.2009 _______________________________________________________
Ein Meister der Masken
Die Budapester Nationalgalerie widmet Lajos Vajda zu dessen 100. Geburtstag eine Sonderaustellung
Sicherlich ist Lajos Vajda nicht der schillerndste Stern am ungarischen
Kunsthimmel, dennoch gilt der am 6. September 1908 in Zalaegerszég geborene Maler vielen Experten als Instanz von Weltbedeutung in Sachen Avantgarde. Zu
Beginn seines Schaffens beschäftigte sich Lajos Vajda hauptsächlich mit konservativen Darstellungen. Meist handelt es sich dabei um Stillleben oder
Körperstudien in Kohle oder Tusche. In der Ausstellung wird darauf hingewiesen, dass dies hauptsächlich den konservativen Verhältnissen, aus denen Vajda
stammte, zuzuschreiben ist. Aus Briefen gehe aber auch hervor, dass sich der Maler in der serbischen Provinz – im Jahre 1916 war die Familie nach Vajlevo
emigriert – künstlerisch eingeengt fühlte.
Es folgte ein Studium an der Hungarian National Jewish
Cultural Society und später an der Budapester Akademie der Schönen Künste, wo er unter anderem auf seinen Lehrmeister István Csók traf. In dieser Zeit wird Vajda in den Lajos Kassák
Arbeitskreis aufgenommen. Die vormals klaren Formen in seinen Bildern beginnen zunehmend zu verschwimmen. Dieses konstruktivistische Element, das nun in seinen Werken Einzug
hält, bringt Vajda viel Kritik aus konservativen Künstlerkreisen ein, die im Ungarn der 1920er Jahre weitgehend den Diskurs bestimmten.
Neue Einflüsse in Paris
Nach anhaltenden künstlerischen Dissensen mit seinem Lehrmeister István Csók
wurde Lajos Vajda aus der Akademie der Schönen Künste ausgeschlossen. Daraufhin zog es den Ungarn nach Paris, wo er mit gleichgesinnten Künstlern wie
Pablo Picasso oder Kasimir Malevich zusammentraf. Neben seinem Wohnort ändert er auch die Zusammensetzung seiner Werke. Fotocollagen bestimmen von
nun an die Arbeit des Künstlers. In diesen Jahren – 1930 bis 1934 – entstanden sicherlich die interessantesten seiner Werke. Diese sind hauptsächlich von krassen
Gegensätzen des Abgebildeten geprägt.
Das „Szentendre-Programm“
Zurück in der Provinz – Vajda pflegte diesen Ausdruck in seinen Briefen zu
benutzen – änderten sich seine Arbeiten ein weiteres Mal. Zunächst widmete sich Vajda, der zu diesem Zeitpunkt eng mit seinem Freund und Künstlerkollegen
Korniss Dezsô zusammenarbeitete, der Zeichnung architektonischer Details. Als Inspiration und Vorlage dienten die Häuser seines Wohnorts Szentendre und
dessen Umgebung. Zu dieser Zeit treibt den Künstler auch die Frage der Identität des Menschen und dem Verhältnis des Einzelnen zu seiner Umgebung um. Den
Selbstportraits, auf denen die Gesichtszüge meist nur schemenhaft zu erkennen sind, und die von zahlreichen anderen Elementen – zum Beispiel Häuserfronten,
Gegenständen oder ganzen Landschaften – überlagert sind, wird in der Ausstellung ein ganzer Raum gewidmet.
Zwei Ereignisse bestimmen das Spätwerk des Künstlers, der nur 33 Jahre alt
wurde: die Trennung von seinem kongenialen Partner Dezsô Korniss und die zunehmenden Gewalttaten des Stalinismus erschütterten Vajdas glauben an den
Kommunismus nachhaltig. Hinzu kommt sein sich rapide verschlechternder Gesundheitszustand aufgrund einer bereits 1926 erlittenen Tuberkulosekrankheit.
Beides führt dazu, dass seine Bilder zunehmend düster werden. So zeigen die letzten beiden Räume der Ausstellung vornehmlich Kohlezeichnungen von Masken
und Monstern. Auch zahlreiche Ikonendarstellungen sind hier zu finden.
Zum Ende der Ausstellung ändert sich der Fokus noch ein letztes Mal. Anstelle des
Maskenmotivs widmet sich Vajda nun düsteren Phantasielandschaften, deren Bedrohlichkeit sich häufig mehr aus der Art der Darstellung, denn aus dem
Dargestellten selbst ergibt. Oftmals sind nur einzelne Elemente der Darstellung klar zu erkennen. Aufgrund der verzerrten Linien und der dunklen Farben – seit
1937 dominierte das Schwarz, zum Ende hin verzichtet Vajda auf jegliche anderen Farben – wirken selbst harmlose Motive wie das 1938 entstandene
„Schmetterling mit Band“ aggressiv und verstörend.
Michael Richmann
(c) Pester Lloyd
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