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(c) Pester Lloyd / 07 - 2009 NACHRICHTEN 11.02.2009 _______________________________________________________
Meinungsfreiheit oder Diffamierung?
Weil ein Redakteur der ungarischen Zeitung “Magyar Hírlap” Roma als “Tiere” bezeichnete, versucht der Ministerpräsident des Landes die Zeitung zu vernichten.
In einem Kommentar der Montagsausgabe der Tageszeitung "Magyar Hírlap" ließ
sich Redakteur Zsolt Bayer über die "Zigeuner" aus. Anlaß war die Messerstecherei in dem Veszprémer Nachtklub vom Sonntag, bei dem ein prominenter
Handballspieler getötet, zwei weitere schwer verletzt wurden. Der Autor beschrieb die Kriminellen als "mörderische Tiere" und dass ein Großteil der
Zigeuner das Zusammenleben und die Menschlichkeit aufgegeben hätten. Dabei schrieb er u.a. wörtlich: "sie sind keine Menschen, sondern Tiere".
Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány wies daraufhin staatliche Behörden und
Institutionen an, Abonnements der Tageszeitung "Magyar Hírlap" zu kündigen und keine Anzeigen mehr in dem Blatt zu schalten. Der größte Anzeigenkunde der
Zeitung ist das Staatsfernsehen MTV mit einem Volumen von ca. 16 Mio HUF (ca. 60.000 EUR).
Die Regierungssprecherin Bernadett Budai teilte mit, daß zudem Justizminister
Tibor Draskovics eingeschaltet worden sei, um zu prüfen, ob juristische Mittel gegen den Autor und die Zeitung eingeleitet werden könnten und sollten. (Anm.:
Es gibt die Möglichkeit einer Anzeige wegen Beleidigung und Volksverhetzung gegen den Autor und den Herausgeber. Alle weiteren Maßnahmen gegen die
Zeitung sind jedoch ungesetzlich und undemokratisch.)
Die Zeitung stellte sich derweil demonstrativ hinter den Autor und bezichtigte
Gyurcsány der Repression, Zensur und Einschränkung der Pressefreiheit wie unter Rákosi und Kádár. Der streitbare Eigner des Blattes, der Unternehmer Gábor
Széles, legte noch nach und meinte, dass sich Gyurcsány damit auch in der westlichen Welt diskreditiert habe und seine Auswechslung durch diese Geschichte
nur befördert werde. Die Magyar Hírlap galt einst als liberales Blatt, hat sich unter ihrem neuen Besitzer jedoch zu einem offen nationalistischen Blatt gewandelt.
Die Zeitung ruft zu einer Solidarisierungsdemonstration für Freitag 14.00 Uhr auf
dem Kossuth Platz auf.
Abfällige und rassistische Bemerkungen gegen die Zigeuner in Ungarn sind an der
Tagesordnung, neu ist jedoch gewesen, dass sich ein namhafter Journalist eines traditionsreichen Blattes auf das Niveau der rechtsextremen Krawallmacher begeben hat. Durch die Straftat in Veszprém und diverse andere ungeklärte Verbrechen von und an Zigeunern, den Streit um die Absetzung und Wiedereinsetzung des Polizeichefs von Miskolc wegen romafeindlicher Äußerungen wird die ohnehin schon aufgeheizte Stimmung im Land weiter gegen die Roma geschürt.
Weitere Beiträge zu diesem Thema:
Im Pester Lloyd vor 100 Jahren:
Zigeunerstempeln Brepohl vs. Bársony: Eine Debatte von gestern und heute
...man möchte doch den Zigeunern alle Wagen und Pferde
abnehmen, um sie dadurch zum Aufgeben des Nomadenlebens zu zwingen. Auch sollen ihnen alle Waffen und Messer abgenommen werden, ferner solle man jedem
Zigeuner an einem sichtbaren Teile des Körpers eine Nummer abstempeln, um so eine Kontrolle derselben zu ermöglichen...
Zum Beitrag
Europas unbekannte Minderheit Viele Initiativen für Roma in Ungarn - doch von Ergebnissen redet man noch nicht
„Roma“, „Zigeuner“, „Gypsies“, „Cigány“ – die
Angehörigen der unter solchen Sammelbegriffen bekannten Großgruppe sind in jüngerer Vergangenheit insbesondere durch Medienberichte über Verarmung und
unmenschliche Lebensbedingungen in Südosteuropa in den Blickpunkt der westlichen Öffentlichkeit geraten.
ZUM BEITRAG
(c) Pester Lloyd
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