|
(c) Pester Lloyd / 09 - 2009 WIRTSCHAFT 24.02.2009
_______________________________________________________
Flugangst schon vor dem Start
Neuer Airport am Balaton geplant
Es ist beschlossene Sache: Der ehemalige Militärflughafen am östlichen Rand des
Balatons wird von einer privaten Investorengruppe ausgebaut. Unter großen Bürgerprotesten wurden die Pläne während einer öffentlichen Anhörung in Balatonalmádi verteidigt.
„Über neunzig Prozent der Ängste der Anwohner sind unbegründet“, versucht
Csaba Ciráki, Vorstandsmitglied der BudaWest Airport Ltd. zu beschwichtigen. Doch das Vorhaben ist gewaltig und den Worten von Herrn Ciráki wird vor Ort wenig Glauben geschenkt.
Wer soll das aushalten? - fragen die Annwohner des westlichen Balaton
Foto: Pester Lloyd
Denn außer dem Flughafen für Personen- und Luftfracht, dessen Eröffnung schon
im nächsten Jahr geplant ist, soll das komplette Areal um Szentkirályszabadja ausgestaltet werden. Neben einem Hotel und einem Konferenzzentrum ist ein
Logistikpark angedacht und der Bau der Autobahn M8 soll vorankommen.
Die Pläne reichen bis ins Jahr 2023
So entsteht rund 100 km von Budapest entfernt ein ernstzunehmender
Konkurrent für den Hauptstadtflughafen. Dort wird noch gelassen reagiert. Touristen flögen lieber direkt nach Budapest, als dass sie einen Umweg in Kauf
nähmen, ist zu vernehmen. Doch die Investorengruppe aus England, den USA und Ungarn hat auch die Billigflieger Ryanair und Wizz Air im Visier. Diese spekulieren
auf eine günstige Landeerlaubnis und signalisieren Interesse für einen Wechsel des Standortes. Schließlich befinden sich ihre Verbindungsflughäfen auch außerhalb der großen Städte.
Die Anwohner von Balatonalmádi fürchten neben Lärm und Umweltschäden vor
allem das hohe Verkehrsaufkommen durch endlose Baumaßnahmen und die Auswirkungen der avisierten 10.000 Tonnen Warenverkehr pro Jahr. Die
AirportCity Buda- West – so der trendige Name – soll nämlich auch ein Umschlagplatz für Luftfracht werden.
Verdrießlich stimmt vor allem die Tatsache, dass die Schneise für Landeanflug
und Start der Maschinen direkt über dem Ferienort und somit über dem nur fünf Kilometer entfernt liegenden See in Nord-Süd-Richtung verläuft. Gut hörbar also
für alle. Positive Impulse für Tourismus sehen anders aus.
Der Investor indes freut sich, durch die Kombination von Luftfracht, Touristen
und Standortvorteilen endlich einen Schlüssel zur dauerhaften Etablierung eines Balatonflughafens gefunden zu haben. Die Einstellung des regulären Flugbetriebes
im bisherigen, nahe Hévíz gelegenen Airports, kommt ihm da gerade recht.
Sandra Kern
(c) Pester Lloyd
IHRE MEINUNG IST GEFRAGT - KOMMENTAR ABGEBEN
|