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Ausgabe 18 / 2009
29. April - 5. Mai

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(c) Pester Lloyd / 10 - 2009 WIRTSCHAFT 01.03.2009
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Sternschnuppe?

Thüringer Wald statt ungarische Puszta: Kecskemét in Ungarn steht als neuer Daimler-Standort auf der Kippe

Manager und Gutachter der Daimlergruppe sollen sich das Opel-Werk in Eisenach schon angesehen haben. Offiziell ist aber noch nichts. Kaufmännisch wäre es logisch, statt einer 800 Mio EUR Investition in der mittelungarischen Puszta ein bereits bestehendes, durchaus noch modernes Autowerk aus der Quasi-Konkursmasse eines anerkannten Herstellers zu sichern. Zeit und Geld sparte man ein und dem Zeitgeist huldigte man ebenso, schließlich würde sich die Standortentscheidung pro Deutschland und die mittelbare Unterstützung Opels ganz erheblich auf das Image in der Heimat auswirken: die Stunde der (sparsamen) Patrioten.

In Eisenach werden derzeit rund 1.900 Menschen beschäftigt, das ist eigentliche Kapital des Werkes, dass Daimler interessieren dürfte. Hier wird u.a. der Corsa produziert. Daimler sucht nach Kapazitäten für seine neue A- und B-Klasse ab 2011 und könnte die Mitarbeiter dafür also bestens gebrauchen und schnell umschulen. Sparen muss in der Krise sogar ein Premiumriese wie Mercedes. Die Umstrukturierung wird zwangsläufig zur Stillegung kostenintensiver Fabriken und auch zu Entlassungen führen. Mercedes hat sich bisher offiziell noch nicht zur Frage nach dem Opelwerk geäußert (wir bleiben dran). Vor einiger Zeit wurde die Investitionsentscheidung für Ungarn eher lauwarm bekräftigt und auch irgendein Papier unterschrieben, um gegenteiligen Spekulationen ein Ende zu bereiten. Doch wird es für die Verfechter der Ungarnlinie im Konzern fast unmöglich sein, ausreichend schlagende Argumente gegen den Gang zur Wartburg zu liefern.

Das Opel-Werk in Eisenach


Nur der Schnaps bleibt Premium

Für Ungarn wäre diese Entscheidung eine mittlere Katastrophe. Angesichts der dutzendweise großen Katastrophen also fiele sie kaum noch ins Gewicht. Betriebsschließungen und Investitionsabsagen schaffen es heute nicht einmal mehr auf die vorderen Seiten der ungarischen Medien. Entlassungen sind so ziemlich das einzige, was das Land seit Monaten noch am Fließband produziert. Angst hat man nur vor der Signalwirkung, es könnte etwas faul sein im Staate, wenn Daimler sich abwendet.

In der Region von Kecskemét, etwa 100km südlich von Budapest, wuchsen bisher die Marillen und Birnen für den Obstbrand des Landes, den Pálinka. Im letzten Jahr waren auch Blütenträume dabei von einer großen Zukunft für die, bisher nur von der Sonne verwöhnte, ganze Gegend. Das tourstische Kunsthandwerk hatte mit bestickten Tischtüchern, Show-Csárdás-Lokalen und Pusztaromantik bisher alles im Griff. Die Stadt hat ein kleines, zerfranstes historisches Zentrum und einen großén Busbahnhof, Zoltán Kodály als größten Sohn und ein wenig profanen Jugendstil zu bieten. Nun hoffte man auf die sozialen und infrastrukturellen Errungenschaften einer Weltmarke, viele auf einen sicheren und guten Arbeitsplatz, manche Pensionenbetreiber, Gastronomen, Lokalpolitiker und Grundstückseigentümer vielleicht auch auf das ganz große Geschäft.

Am Ende könnte es sein, dass alles bleibt wie es war und die einzige Premiummarke am Ort ein Schnaps sein wird. Die Idee, dass eine Firma wie Daimler ausgerechnet in diesem sympathisch verschlafenen Winkel ein Werk errichten wollte, wird den Kecskemétern dann wie der Flug einer Sternschnuppe vorkommen, hübsch anzusehen, aber unwirklich weit weg.

MS

 

(c) Pester Lloyd

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