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(c) Pester Lloyd / 10 - 2009 WIRTSCHAFT 06.03.2009
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Börse Budapest und Forint weiter auf Talfahrt

Über historische Tiefststände zu berichten, ist heute Tagesgeschäft. Und jedes Rekordminus am Tag danach schon überholt, bzw. unterboten. Das gilt für den Forint, der im Wochenverlauf unter 317 tauchte ebenso wie für den Aktienindex BUX, der am Donnerstag ein 5-Jahres-Tief erreicht und nun für eine Weile die 10.000-Punkte-Marke von unten sieht.

Vor allem die Blue-Chip-Schwergewichte OTP, Magyar Telekom und MOL, die Dreifaltigkeit ungarischer Wirtschaftskraft also, zogen den Index allein am Donnerstag 4,4% nach unten, auch am Freitag ging es ein halbes Prozentpuntk weiter abwärts. Auch der Mittelstandsindex BUMIX gab um 3,34% nach.

Die OTP Bank, ob nun durch ungerechte Berichte zusätzlich geprügelt oder nicht, befindet sich einfach in der Geiselhaft der unzurechnungsfähigen ungarischen Politik und zahlt indirekt den Preis des Parteienzanks. Mit einem Verlust von allein 8,8% am Donnerstag steht die Bank so tief wie zuletzt 2001. Zu Börsenschluss wurde der Handel derart hektisch, dass man die Aktie eine Viertelstunde vor Börsenschluß aus dem Markt nehmen musste, weil sie innerhalb kürzester Zeit über 10% verlor,  - so retten vielleicht die Spielregeln das Unternehmen bzw. seinen Aktienkurs vor einem Megacrash. Die ungarische Telekom verlor rund 6, MOL ca. 5% an Wert.

Es ist genauso schlimm wie berichtet

Analysten machten gar nicht so sehr das ungarische Chaos für den erneuten Verlust der großen Player verantwortlich, sondern den - wie es immer so unschön heißt - allgemeinen Trend in der Region. Sie liegen falsch, denn Prag und Warschau kamen mit 1-2%-Abstrichen davon. Man sollte natürlich nicht außer acht lassen, dass die Fitch-Abwertung Ungarns von stabil auf negativ, der aus CEE-Sicht gescheiterte Sonderfinanzgipfel der EU, das Hickhack um die verschiedenen Reformpakete der Regierung bzw. von Expertenkreisen sowie das ewige Mauern der Opposition mittlerweile zu allgemeinem Kopfschütteln der Anleger führt, wenn es darum geht Aktien in Budapest zu kaufen oder wenigstens zu halten.

Da nutzen auch die blumigen Statements und die Medienschelte der Nationalbanken nichts mehr. Die Aussichten sind einfach schlecht und die Daten konkret: wieder 23% Industrieproduktionsrückgang (Januar-Januar) sprechen für sich, das hat mit Panikmache nichts mehr zu tun. Auch die unangenehmen Nachrichten der großen Abnehmerländer, u.a. die Einzelhandeslzahlen aus Deutschland, verheißen für diese Exportländer nichts gutes.

Billiger Forint kommt Ungarn teuer

Dass der Forint weiter absacken würde, war abzusehen, doch überrascht die Geschwindigkeit der Abwertung immer noch. Waren wir vor 6 Wochen noch als mutig bezeichnet worden, als wir eine Etablierung der ungarischen Währung jenseits der 300 für sehr wahrscheinlich hielten, warten wir nun schon täglich auf den Durchbruch der 320er Marke. Seit Donnerstag pendelt der Forint nun um die 315-317. Der historische Tiefststand des Forint wird den Staat einige hundert Milliarden an Forint kosten, muss er ja seine Auslandsverbindlichkeiten immer teurer bezahlen. Nach Angaben der Nationalbank stehen die Auslandsschulden Ungarns derzeit bei 7,7-8 Billionen Forint. Allein durch die Kursveränderung seit Sommer (von 258 zu 312 zum EUR) verteuert sich die Rückzahlung um sagenhafte 855 Mrd. HUF. Ein wenig relativiert wird die Angelegenheit nur durch vorhandene Euroreserven sowie die Hilfskredite von IWF etc. in Euro.

Gäbe es noch Exportmärkte, wäre immerhin dieser Bereich mit gewissen Preisvorteilen gesegnet. Man hört, dass die Amerikaner immerhin wieder mehr Wintersalami von Pick geordert haben. Hoffentlich, weil sie gut und - aufgrund des Wechselkurses - billig ist, und nicht, weil man sich mit Dauerwürsten nun auf das allerschlimmste vorbereitet. Investieren Sie also in Salami, die können Sie ja in ihre ehemaligen Wert-Papiere einwickeln.

 

(c) Pester Lloyd

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