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(c) Pester Lloyd / 14 - 2009 WIRTSCHAFT 03.04.2009
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Die Russen wollen an die Tanke
Hinter den Kulissen eines Deals: MOL - Surgutneftegas
Die ungarische Regierung sah sich genötigt Einmischungsversuche beim kürzlichen
MOL-Deal der russischen Surgutneftegas zu dementieren. Auch das MOL-Management zeigte sich irritiert, dabei dürften die Interessen klar wie
Tankstellenbenzin sein. Der sibirische Öl- und Gasförderer hatte die 21,2% Aktienanteil der OMV an der MOL für 1,4 Milliarden EUR übernommen. Damit
endete eine heftige Übernahmeschlacht zwischen OMV und MOL, die auch bilaterale Kollateralschäden zeitigte.
Dávid Daroczi, Sprecher der derzeitigen
ungarischen, nunja, Regierung, sagte in einer Aussendung, dass es zwar im ungarischen Interesse sei, die nationale Öl- und Gasunternehmung möglichst unabhängig (will heißen in ungarischer
Hand, regional aufgestellt) agieren zu sehen, man sich aber in einer Marktwirtschaft nicht in Deals einmischen werde, wenn sie den Regularien entsprechen. Man habe nicht
einmal informelle Gespräche darüber geführt. Diese Äußerung hat Comedy-Potential, wenn man bedenkt, dass die Regierung lauthals eine eigene Lex-MOL auf den Weg brachte, um die
Übernahme durch die OMV zu verhindern und dies mit der strategischen Bedeutung des Unternehmens für Ungarns Energiesicherheit begründete.
Für die ungarische Opposition, vornehmlich den Fidesz, ist der MOL-Deal indessen
ein weiterer Beleg für die Verantwortungslosigkeit der moskaufreundlichen Linken, die strategische Industrien aus der Hand gibt und damit, so tönt es,
Ungarns Souveränität aufs Spiel setzt. Außerdem könnte die weitere Anlehnung an russische Partner auch Projekte wie Nabucco gefährden, meint die
Opposition, dabei auf Beifall aus Brüssel hoffend.
Die MOL, die allen Ernstes so tat, als habe sie aus den Medien von der
Übernahme erfahren, stellt, gespielt neutral, die Russen erst einmal als normalen Finanzinvestor hin, der sich der grundsätzlichen Strategie des Unternehmens
anzuschließen hat. Allzu viel Angst vor einem neuerlichen feindlichen Übernahmeversuch braucht MOL auch nicht haben, immerhin kontrolliert man
weit über 40% der Aktien durch "befreundete Dritte". Hauptstoßrichtung der MOL ist "die Stärkung der Partnerschaft mit der (kroatischen) INA", hieß es aus der
Zentrale. Es gebe bisher keinerlei strategische oder operative Beziehungen zwischen Surgutneftegas und MOL. "Daher sind die Absichten von Surgutneftegas,
wie sie in deren Statement formuliert werden, nicht klar", lautete es etwas pikiert. Zsolt Hernádi wird mit den Worten zitiert: "ein freundlicher Akt sieht anders aus."
Neue Geschäftsfelder wollen erschlossen sein, wenn Gasfelder weniger hergeben
Die Reaktionen in russischen Medien sind da vielleicht aufschlussreicher für die
zeitungsbegeisterten MOL-Manager. Der Schritt von Surgutneftegas wird als einer von vielen gewertet, den russische Unternehmen in letzter Zeit gehen, um sich
breiter im europäischen Verteilernetz aufzustellen und sich an der Wertschöpfungskette über die Verarbeitungsindustrie und den Vertrieb näher an
die Endkunden zu hangeln. Mit der MOL hätte man Zutritt zu Ungarn, der Slowakei und Kroatien, ein wenig auch zu Österreich, wo sich MOL Stück für
Stück ein Tankstellennetz von vorerst bis zu 100 Standorten zusammensucht.
Gerade unterschrieb die MOL ein Joint venture mit Gazprom über einen South
Stream-Abschnitt und die Errichtung eines riesigen Erdgasspeichers, da ist es fast auszuschließen, dass Regierung und Management über den Schritt eines anderen
staatsnahen Konzerns so gar nichts im Vorfeld zu Ohren gekommen sein soll. Gazprom hat die erwarteten Fördermengen für dieses Jahr gerade um rund ein
Drittel nach unten revidiert, neue Geschäftsfelder müssen erschlossen werden, wenn die Gasfelder weniger hergeben.
Im „Kommersant“ lesen wir: Am Ende des dritten Quartals 2008 verfügte
Surgutneftegas insgesamt über 15 Milliarden US-Dollar. Surgutneftegas war außerdem der einzige russische Erdölkonzern, der jahrelang einen Sparkurs
verfolgte und keine Bankkredite aufnahm und sich bisher aus Auslandsakquisitionen herausgehalten hat. Da die Verarbeitungskapzität in der
eigenen Raffinerie nahe St. Petersburg gerade 22% der Fördermenge erreichen, dürften die Gründe für Zukäufe auf der Hand liegen. Und weiter wird
gemutmaßt: "Der ungarische Mineralölkonzern hat zudem ein aus 1069 Tankstellen bestehendes Netz in Ost- und Mitteleuropa. Im Moment werde noch
kein russisches Rohöl an die MOL-Raffinerien geliefert, die Verhandlungen darüber stünden noch bevor..." zitiert man den Analysten Valeri Nesterow. Blöd
ist es da nur, dass der ungarische Staat ein Gesetz geschaffen hat, welches die Stimmrechte eines Aktionärs, unabhängig von der Größe seines Aktienpaketes
auf 10% beschränkt. Aber alles hat wohl (s)einen Preis.
MS, Wien
(c) Pester Lloyd
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