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(c) Pester Lloyd / 15 - 2009 WIRTSCHAFT 10.04.2009
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MOL kämpft wieder gegen den Rest der Welt
Hinter den Kulissen eines Deals, MOL - Surgutneftegas, Teil 2
Nachdem sich der ungarische Öl- und Gaskonzern erfolgreich mit Händen, Füßen, Tricks und vor allem auch staatlichem Beistand gegen die
Übernahme durch den österreichischen Konkurrenten OMV gewehrt hat, beginnen die Manager nun einen erneuten Abwehrkampf gegen "die
Russen", wahrscheinlich sogar gegen Putin persönlich.
Wie bereits ausführlich analysiert, hatte die sibirische halbstaatliche
Surgutneftegas das 21,2% MOL-Aktienpaket von der OMV "überraschend" übernommen, was in Ungarn zunehmend als feindlicher Akt gewertet wird. (hier der Bericht über die Hintergründe des Deals)
Nun hat das Management angekündigt,
in diesem Jahr keine Dividende zahlen zu wollen, um mehr Mittel für die Abwehr feindlicher Aggressoren flüssig zu haben. Diese an sich aktionärsfeindliche
Maßnahme soll die Aktionäre schützen, denn eine Komplettübernahme durch russische Unternehmen stünde nicht nur den strategischen Interessen Ungarns entgegen, sondern würde auch die
Unternehmensstrategie unterlaufen, was letztlich dem Aktienwert langfristig schadet, so argumentiert die MOL.
Aber es geht noch weiter, Aktionäre
haben vor der nächsten Hauptversammlung in einer eidesstattlichen Erklärung darzulegen, wer der "letztlich Begünstigte" aus dem Aktienbesitz sei (die österreichische
Vertragssprache kennt dafür das archaische Wort "Fruchtgenussberechtigter"). Mit der Maßnahme wolle man etwaige Strohmänner ausschalten und wissen, wem
die Firma eigentlich gehört. Witzig nur, dass die MOL selbst bis zu geschätzten 45% über Dritte halten läßt. Hier heißen sie freilich "befreundete Unternehmen".
Durch die Lex MOL werden die Stimmrechte eines Einzelaktionärs auf maximal
10% begrenzt, egal wie groß sein Aktienpaket ist. Diese rechtlich immernoch zweifelhafte Regelung kann also durch die Bündelung vieler Einzelaktionäre mit
gleichen Interessen unterlaufen werden.
Als zusätzliche Abwehrmaßnahme will sich der MOL-Vorstand die Möglichkeit einer
überproportionalen Kapitalerhöhung genehmigen lassen. Man könnte so im Notfall, die Anteile der anderen Aktionäre durch Eigenkäufe oder "befreundete"
Dritte auf einen Schlag verringern, auch wenn diese ihre Aktien nicht verkaufen wollten.
Derweil machen Gerüchte über die Besitzverhältnisse beim neuen Großaktionär
Surgutneftegas die Runde. Das Unternehmen, dass in Zeiten des Rohstoffbooms Millarden angespart hat (siehe unseren Bericht) gibt wenig über seine Teilhaber
preis. Angeblich, so heißt es mutmaßlich, gehörten 37% des Konzerns Herrn Putin höchstpersönlich, was natürlich, sollte es stimmen, ein dankbares Feindbild im Land der Russenhasser abgäbe.
Deren Präsident, László Solyóm, ausgestattet ungefähr mit der Machtfülle eines
Goldfisches, zeigte sich auch "besorgt" über den Kauf seitens der Surgutneftegas. Er wird die Regierung auffordern, den Deal unter dem Gesichtspunkt der
Energieliefersicherheit zu überprüfen. Vorher hatte sich MOL-Chef Zsolt Hernádi persönlich beim Präsidenten ausgeweint. Was gibt das nur für ein Bild ab: ein
Konzernchef rennt zum Präsidenten, weil er mit einem geschäftlichen Vorgang nicht klarkommt. Was soll der ihm sagen? Ich schicke Luftunterstützung?
Viele Offizielle der Regierung, die Opposition sowieso, Wirtschaftsleute udn sogar
EU-Kreise schlossen sich den kritischen Tönen an. Bisher konnte aber niemand so recht begründen warum, denn schließlich haben die Russen einfach nur legal
erworben, was auf dem Markt war. Vielleicht sollte man sich lieber bei der OMV beschweren, dass sie so "mirnichtsdirnichts" ungarische “Nationalwerte” nach Russland verscherbeln...
MS, Wien
Die Russen wollen an die Tanke
(c) Pester Lloyd
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