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Ausgabe 18 / 2009
29. April - 5. Mai

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(c) Pester Lloyd / 17 - 2009 WIRTSCHAFT 24.04.2009
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MOL-Parteitag

Die Aktionäre folgten dem Vorstand wie Schafe dem Schäfer, denn die Wölfe sind nah... -  Hauptversammlung und Schlagabtausch mit Surgutneftegas - Hinter den Kulissen eines Deals, Teil 3

Die Hauptversammlung der MOL, immer ein Höhepunkt der ungarischen Karnevalssaison, wäre in diesem Jahr beinahe sehr frühzeitig beendet worden, weil sich bis zu ersten Abstimmung nur 43% des stimmberechtigten Kapitals über persönliche Vertreter zum Versammlungsort bequemten. Das ist bemerkenswert, sollen ja bereits weit über 45% der Aktien in Besitz "befreundeter Unternehmen" sein. Eine träge Freunschaft, wie es scheint.

Die Hernádi-Show mit DDR-würdigen 99%

Schon vor Tagen verkündete der verängstigt spielende Vorstand, dass man den neuen Großaktionär Surgutneftegas (der die 21,2% von der OMV erwarb, wie wir schon berichteten), von der Jubelfeier ausschließen werde, weil diese ihre Erwerbung nicht rechtzeitig an die Energieaufsicht gemeldet hatten. Hatten sie aber, wie die Aufsicht selber zugeben musste, und zwar bis 9. April. Allerdings seien noch Fragen offen geblieben, daher Ausschluss. Das Demokratieverständnis der MOL, mit eigens nach ihm benannten Gesetz, der LEX MOL im Rücken, dass die Stimmrechte von Aktionären auf 10% unabhängig von der Höhe ihres Besitzanteils beschränkt, wurde auch durch den Umstand illustriert, dass man sämtliche Vorstandsanträge mit DDR-würdigen 99% absegnete. Dazu gehört unter anderem die Ausweitung der Befugnisse des obersten Ölprinzen, CEO Zsolt Hernádi und die Bestätigung des OTP-Chefs, Sándor Csányi, als stellv. Aufsichtsratschefs.
 

MOL-Chef Zsolt Hernádi, hier mit weniger Berührungsängsten bei
der Vertragsunterzeichnung über zwei wichtige Kooperationsprojekte
mit der Gazprom. Dahinter: Ex-Premier Gyurcsány und Ministerpräsident
Putin als “Paten” der Aktion

Weiterhin das Durchwinken der 2008er Bilanz und der sonstigen Kontrollberichte. Außerdem verzichteten die Aktionäre auf die Zahlung einer Dividende, um das flüssige Kapital des Unternehmens zu erhöhen und ermächtigten das Management zu außerplanmäßigen und überproportionalen Kapitalerhöhungen, wenn denn zur Abwehr einer feindlichen Übernahmen nötig. Kurz gesagt, die Aktionäre verzichten auf ihr Geld und jedweden Einfluss, wenn, ja wenn die MOL nur ungarisch bleibt, was immer das in Zukunft bedeuten soll.

Hinter den Kulissen eines Deals, Teil 1
Hinter den Kulissen eines Deals, Teil 2

Der finanzielle Hintergrund des Unternehmens sei stark und stabil, man werde Marktchancen ergreifen und sich für die Zeit nach der Rezession rüsten, verkündet György Mosonyi, Finanzchef der MOL. Für die Jahre 2010 und 2011 wird Stagnation bzw. nur leichtes Wachstum erwartet, der Ölpreis sollte sich in einem Band zwischen 40-80 USD bewegen, mehr jedoch in Richtung 80, so die Prognose, die nicht unbedeutend hinsichtlich der Gewinnmargen ist. Das Raffineriegeschäft ist derzeit europaweit ein Zuschussposten. Bis es sich wieder rechnet, werden Investitionen, so möglich, verschoben. Das Unternehmen verfügt über geschätzte Barreserven von 130 Milliarden Forint (ca 450 Mio EUR) und eine abrufbare Kreditlinie von bis zu 1,5 Milliarden EUR. In den kommenden Jahren wolle man aber wieder rund 40% der Gewinne an die Aktionäre ausschütten, hieß es tröstend.

Niemand hat die Absicht, eine ... -
Hinter den Kulissen eines Deals, Teil 3

Sergej Shmatko, der russische Energieminister äußerte sich persönlich zu dem Deal und bestritt jeden Kremleinfluß. Ein Dementi, dass den Ungarn Sorgen bereitet, heißt es doch in Tacheles, dass der Kreml ganz gewiss Einfluss genommen hat, sonst bräuchte er ja nicht dementieren. "Niemand hat die Absicht einer feindlichen Übernahme...", sagte der Minister und es klang 1:1 wie Walter Ulbrichts legendärer Mauerspruch. Reuters zitierte weiter, dass Surgut mit 21% ohnehin nicht in der Lage sei, MOL´s Nabucco-Ambitionen zu bekämpfen. Aha, da sieht man also, wohin der Hase läuft. Lediglich die Erhöhung der Raffineriekapazitäten stünden für Surgut an.

Das Unternehmen selbst, von dem auch behauptet wird, es sei bis zu 37% in persönlicher Kontrolle Putins wandte sich einen Tag vor der Hauptversammlung in einem Brief an die MOL-Aktionäre. Generaldirektor Wladimir Bogdanow erläutert, dass man eine langfristige Partnerschaft zum beiderseitigen Nutzen anstrebe und vorerst nichts weiter als den Dialog mit der MOL-Führung suche, eine Bitte die traurigerweise bisher ignoriert wurde und im "nicht nachvollziehbaren" Auschluss von der Hauptversammlung gipfelte. MOL kanzelt das Thema vollständig damit ab, dass man nicht beabsichtige seine Förder- oder Produktionskapazitäten in Russland zu erhöhen, somit sei Surgut zwar kein Feind, aber auch kein Partner, sondern nur ein Investor, den man in seine Schranken zu verweisen gedenke.

Nach außen also spielt man sich als marktwirtschaftlich agierender Großkonzern auf, nach innen schottet man sich mit Hilfe massivster staatlicher Protektion ab wie Nordkorea, oder eben wie Russland, denn bitte was unterscheidet die MOL von der Gazprom? Die Größe, die Sprache und der Umstand, dass die MOL immer noch so tut als wäre es ein normales Unternehmen. Diese für die postgulaschkommunistische Wirtschaftselite typische Attitüde ist kein ungarisches Spezifikum, wird hier aber in besonders dreister Weise gepflegt. Die "Experten" der neuen Regierung und ihre Berater entstammen fast alle dieser zweifelhaften Lebensschule. Das schmerzhafte Zwielicht von Politik und Wirtschaft beleuchtet ein ganzes Land.

Hinter den Kulissen eines Deals, Teil 1
Hinter den Kulissen eines Deals, Teil 2

ms

 

(c) Pester Lloyd

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