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(c) Pester Lloyd / 22 - 2009 WIRTSCHAFT 25.05.2009
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Kraftmaschinen im Stand by

Im Gespräch mit Henning Putzke, Chef von BMW Ungarn

Generaldirektor Henning Putzke ist optimistisch und glaubt fest daran, dass es auch ein „Nach der Krise“ geben wird. Er weiß aber auch, dass derzeit die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Ungarn nicht günstig sind, „um es vorsichtig auszudrücken!“

Henning Putzke (39) ist seit Beginn diesen Jahres der neue Generaldirektor von BMW Magyarország. In dieser Position hat er das langjährige Vorstandsmitglied Tilo von Harling abgelöst, der über 40 Jahre zum Konzern gehörte und jetzt in den Ruhestand gegangen ist. Auch Henning Putzke ist BMWler bereits nach Abschluss seines Studiums als Wirtschaftsingenieur in Hamburg. Dort begann der in Friesland geborene auch 1993 als Händler, bevor er 1996 in dieser Funktion nach Bayern wechselte. Bereits im Jahre 1995 führte er ein Fahrtechnik-Training ein, das er auch her in Ungarn wieder aufleben lies. „Sicherheit ist eine wichtige Komponente, wenn sich junge Leute in unsere Autos setzen“ meint Puztke bei unserem Gespräch. „Schließlich sind die BMW-Modelle Kraftmaschinen, die leider nicht immer sicher beherrscht werden“.

Von 2002 bis 2006 war er als Verkaufsdirektor von BMW in Mexiko tätig. Dort wurde dann auch 2005 sein Sohn von seiner ungarischen Frau geboren. Ihr kam vermutlich das Angebot an ihren Mann ganz recht, 2006 mit der Familie in ihr Heimatland gehen zu können, denn Henning Putzke (Foto) konnte hier erst als Verkaufsdirektor, dann als Marketingdirektor und nun als Generaldirektor wirken. Auf unsere Frage, wie die allgemeine Krise in seinem Bereich wirkt meint er, dass im ersten Quartal 2009 die Folgen der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise zu erheblichen Belastungen für die gesamte BMW Group geführt habe. Neben Absatzeinbrüchen auf wichtigen Märkten beeinträchtigten auch anhaltend hohe Refinanzierungskosten die Geschäftsentwicklung der BMW Group. „Hier in Ungarn bekommt man das auch zu spüren, obwohl auch ein Ausweichen auf die oberen Preissegmente zu verzeichnen ist, so dass zwar von einem Rückgang in den Verkaufszahlen gesprochen werden kann, aber noch nicht bei den Einnahmen“.

Die Auswirkungen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise haben aber im ersten Quartal 2009 dazu geführt, dass der Automobilabsatz der BMW Group weltweit deutlich unter dem Vergleichswert des Vorjahres liegt, somit also auch hierzulande. Obwohl dies in Ungarn vielleicht noch nicht so spürbar ist, stellt sich das aber beim Konzernumsatz insgesamt im ersten Quartal 2009 als rückläufig dar. Mit 11.509 Mio. Euro blieb der Umsatz der BMW Group um 13,4 % unter dem Vorjahresniveau. Währungsbereinigt wäre der Konzernumsatz in den ersten drei Monaten um 14,6 % gesunken, wie der Zentrale Finanzbericht vom 31. März 2009 aussagt.

Dort heißt es u.a. weiter „Die negativen Auswirkungen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung spiegeln sich auch im Ergebnis der BMW Group wider. So lagen im ersten Quartal 2009 sowohl das Ergebnis vor Finanzergebnis mit - 55 Mio. Euro als auch das Ergebnis vor Steuern mit - 198 Mio. Euro unter den Vergleichswerten des Vorjahres. Im ersten Quartal 2009 lag der Fehlbetrag der BMW Group bei 152 Mio. Euro.“ So wird auch in Ungarn längerfristig die zunehmende Zahl von Unternehmensinsolvenzen und die damit einhergehende steigende Arbeitslosigkeit als Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise Probleme schaffen und eine erhebliche Unsicherheit über die weitere gesamtwirtschaftliche Entwicklung auslösen.

Neue Impulse einer beliebten Marke

Um der Situation positiv zu begegnen und der Nachfrage nach den höheren Preissegmenten auch hier in Ungarn gerecht zu werden, gibt es auf der Absatzseite im Jahr 2009 doch einige zusätzliche Impulse: So wird der neue BMW 7er und die Langversion des 7er weltweit in die Märkte eingeführt. Seit März ist das neue MINI Cabrio verfügbar und seit Mai ist der neue BMW Z4 an die ersten Kunden übergeben worden. Im weiteren Verlauf des Jahres 2009 wird die BMW Group die X-Modellfamilie ergänzen und den BMW X1 einführen. Mit dem BMW 5er Gran Turismo, dessen Konzeptstudie auf der Messe in Genf vorgestellt wurde, erweitert die BMW Group in der zweiten Jahreshälfte ihr Portfolio. Es muss allerdings noch geprüft werde, welches dieser Modelle für den ungarischen Markt geeignet sein wird.

Generaldirektor Henning Putzke ist optimistisch und glaubt fest daran, dass es auch ein „Nach der Krise“ geben wird. Er weiß, dass die Konzernleitung alles dafür tun wird, um die Profitabilitätsziele für 2012 halten zu können. Er weiß aber auch, dass derzeit die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Ungarn nicht günstig sind, „um es vorsichtig auszudrücken!“

Und so wie Putzke keine langfristigen Ergebnisaussagen für Ungarn treffen kann, so gibt sich auch der Konzern relativ ratlos-optimstisch, wenn er im Finanzbericht zum ersten Quartal schreibt: „Vor dem Hintergrund der beschriebenen Rahmenbedingungen sind darüber hinaus keine quantitativen Ergebnisaussagen möglich. Die im Rahmen der Strategie Number ONE formulierten Profitabilitätsziele für 2012 bleiben jedoch bestehen. Die BMW Group will durch die Beschleunigung der Maßnahmen zur Kostensenkung und Effizienzverbesserung den Strategiepfad halten und beabsichtigt weiterhin, im Automobilsegment eine Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) von mehr als 26 % sowie eine EBIT-Marge von 8 % bis 10 % zu erzielen.“

Für den neuen Generaldirektor Putzke in Ungarn ist eine solche Vorgabe mit enormen Anstrengungen vor Ort verbunden. Da bleibt wenig Zeit für seine Sportinteressen, für seine Fotographierlust, für gelegentliche Opernbesuche..., aber hoffentlich ein wenig für seine multikulturelle Familie.

Pester Lloyd

www.bmw.hu

 

(c) Pester Lloyd

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