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(c) Pester Lloyd / 22 - 2009
EUROPAWAHL 2009 25.05.2009
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Wort und Totschlag
Ungarns Parteien zur Europawahl 2009 - Teil 7: Jobbik
Nazis oder "normale Rechte"? Jobbik, die "Bewegung
für ein besseres Ungarn" beschreibt sich selbst als "prinzipentreu, konservativ, radikal patriotisch, christlich" und will "ungarische Werte und Interessen"
schützen. Sie ist der Aufsteiger der Saison, mit einem uralten Drehbuch und sonderbarem Personal. Sie hat beste Chancen zur drittstärksten politischen Kraft in Ungarn zu werden.
Man soll versuchen, sich dieser Partei zu nähern wie
einer "ganz normalen Rechtspartei". Aber wer will das schon? Der Sehende erkennt auch von Ferne, was dort gespielt wird. Fairness und Ausgewogenheit fordert diese Partei immer lautstark von
den Medien. Das steht ihr zu. Untersuchen wir also die Fairness von Jobbik-"Die Bewegung für ein besseres Ungarn" und wiegen wir aus, wie "normal rechts" und
keineswegs nazistisch diese Partei wirklich ist. Aber was ist so ein Urteil wert? Haben nicht auch schon Parteien der Mitte Nazis zur Macht verholfen, koalierte nicht
auch die SPÖ auf Landesebene mit FPÖ und BZÖ? Ist Bischof Williamson nicht Priester der römisch-katholischen Kirche? Aber zurück ins tiefste Ungarn.
Chancen:
Jobbik startete als wüstes Bündnis wüster Leute, konnte sich aber in den letzten
Jahren unter Führung des sehr motiviert dreinschauenden Gábor Vona straffer organisieren und verfügt mittlerweile über eine landesweit funktionierende
Parteistruktur. Als Spitzenkandidatin hat man Rechtsanwältin Krisztina Morvai, eine "Menschenrechtsexpertin", aufgebaut, die es, als blonde, gestylte Businessmami ganz
gut schafft, von vielen Dumpfbacken in den eng geschlossenen Reihen abzulenken. Mitterweile werden der Partei gute Chancen gegeben die 5%-Hürde zu überwinden,
sogar ein Ausrutscher nach oben würde nur noch Naivlinge überraschen. Die Zustimmungsrate für "Ungarische Garde" und Jobbik steigt proportional mit der
Ablehnungsrate für die Roma. Hier steht es mittlerweile ca. 20:70. Da die Lösung des "Zigeunerproblems" Lichtjahre entfernt scheint und die Auswirkungen der Krisen
"das" Volk missmutig genug hält, dass es gern auf jeden ihr vorgesetzten Sündenbock dreinschlägt, dürften der Partei große Jahre bevorstehen. Siehe dazu:
Jobbiks große Töne - "2/3 der Ungarn sind für uns".
Jobbik und das "Zigeunerproblem"
Das "Romaproblem" wird als ethnisches Problem dargestellt ("Ungarn den Ungarn"),
nicht als die soziale Katastrophe einer Ethnie, die systematisch asozialisiert wurde, weil ihre, von "uns Weißen" verordnete, Lebensweise, samt der "archaischen"
Sozialstrukturen, einfach nicht in unsere Welt zu passen scheinen. Wer nicht passt, wird passend gemacht oder an den Rand gedrängt, das war bisher politische Praxis
in weiten Teilen Europas. In Ungarn betrifft das fast eine halbe Millionen Menschen. Völlig hilf- und nutzlos gebärdet sich da das herrschende Bürgertum, dass sich müht,
"nur" Kriminelle mit ungarischem oder rumänischem oder slowakischem Pass zu sehen. Diese "politisch korrekte" Dummheit, die aus einer pathologischen Angst vor
Fehlern und Verantwortung jede strukturierte Lösung verhindert, führt "das Volk" in die ausgestreckten Arme von Jobbik und "Garde". Wenn dazu noch der Präsident des
Landes, Jobbik und "Garde" als "mediale Übergröße", also ein Produkt publizitärer Hyperventilation darstellt und den Organisatoren attestiert, sie wären ja bisher nur
verbal ausfällig geworden und hätte noch nie nachweislich "physische Gewalt" angewandt, dann braucht diese Partei bald keine Werbung mehr machen, dann läuft alles von ganz allein. Siehe dazu: Verniedlichung von Übergrößen - der Präsident und die
Garde.
In der "ungarischen Gesellschaft" rennt Jobbik mit ihrer Spezialisierung auf Roma
offene, wenn auch schon morsche Türen ein und bedient sich vieler Komplexe von Minderwertigkeit bis Größenwahn, begleitet von der trianesischen Orgel. "Der" Ungar
verteufelt das Zigeunerpackpack und liebt die Musik des Primás als "seine Volksmusik". Das versteht zwar keiner, aber in solch trüben Tümpeln lässt sich´s vortrefflich fischen.
Jobbik und die "Ungarische Garde"
Die Partei Jobbik ist der politische (ausgestreckte) Arm der "Ungarischen Garde",
einer rechtsextremen, martialisch auftretende Bande, die sich zum "Schutz des Ungarntums" rekrutierte und in der sich brave Schwiegersöhne in Uniformen der
Pfeilkreuzler (die damals die ungarischen Juden an die Nazis auslieferten, bzw. selbst umbrachten) als Bürgersoldaten für Recht und Ordnung aufspielen, beklatscht
von ihren Mamis am Straßenrand. Sie marschieren am liebsten durch Orte, in denen die "Zigeunerquote" besonders hoch liegt, ergo auch Diebstähle, Vandalismus und
Raufereien bedrohliche Ausmaße angenommen haben. Manchmal sterben, Wochen, Monate danach, eben in einem solchen Dorf ein, zwei Roma im Feuer und an
Kugeln, freilich gesandt von Todesengeln der eigenen Mafiaclans, die sich gegenseitig erpressen und ausquetschen. So heißt es.
Eine Polizeigewerkschaft hat ein "Sicherheitsabkommen" mit Jobbik geschlossen,
sollten also jemals rechte Recken hinter den Anschlägen stecken, wird man das ja dank dieses Abkommens umgehend erfahren. Wenn dann die durch Jobbik
gewünschte Gendarmerie wieder funktioniert, ist das Roma-Problem zu lösen, meint Jobbik, nicht ohne zu behaupten, man wolle ja auch den willigen Teil der Roma gerne integrieren, irgendwie. Siehe dazu: Sicherheitspack - Ungarns Polizei als "Freund und
Helfer" von Nazis? Ein vorläufiges Verbotsurteil des "Vereines zum Schutz und der
Förderung ungarischer Kultur", wie die "Garde" angemeldet ist, konnte ihr bisher nichts anhaben, im Gegenteil.
Programmatik zur Europawahl:
Die Partei beschreibt sich selbst als eine "prinzipentreue, konservative, radikal
patriotische, christliche Partei, deren fundamentales Ziel der Schutz ungarischer Werte und Interessen" ist. Die Partei befürwortet nach eigenen Worten "europäische
Kooperation", nicht aber die derzeitige politische Union als "zentralistische, bürokratische Staatenallianz". Man pocht auf die kulturelle Eigenständigkeit der
Ungarn und will verhindern, dass das Land der Arpaden endgültig zu einer Provinz des Brüsseler Imperiums verkommt. Die Partei hofft, nach erfolgreichen Wahlen,
gemeinsam mit anderen nationalen Gruppen, eine Bewegung in Gang zu setzen, welche die bisherige EU durch "eine andere Art" von Bündnis ersetzt.
In einem Interview, dass Parteichef Vona sich
gegeben hat, läßt er fragen "Wie die Partei Jobbik oder die Ungarische Garde zum Lissabonner Vertrag der EU stehen?" Vona: "Die Ungarische Garde ist keine politische Organisation, deswegen
hat sie auch keine Meinung zu dieser politischen Frage. Aber Jobbik als eine EU-kritische Partei lehnt natürlich auch den Lissabonner Vertrag ab, da darin ja noch einmal die Tendenz deutlich wird,
die europäischen Nationen, ähnlich wie die USA zu einer einzigen Nation, zu einem »Imperium« zu »vereinigen« und so die Souveränität der Völker Europas zu zerstören. Wir hingegen glauben an ein
Europa der selbstbestimmten Nationen – die natürlich zusammenarbeiten können und sollen." (Quelle: jobbik.hu) In gleichem Interview wird klargestellt, dass die Juden selbst schon erklärt
hätten, dass sie Ungarn und Polen gekauft haben und wird anhand einer Karte anschaulich gemacht wo in diesem Jahr "Angriffe" von Roma auf Ungarn "stattgefunden haben".
Dann folgen die üblichen Schläge auf die gleichgeschaltete Politikerkaste und ihrer
links-liberalen (früher hieß das mal jüdisch-bolschewistische) Erfüllungsgehilfen in den Medien. Diese haben natürlich alle Angst vor einer "neuen, sauberen,
unbelasteten" Partei, welche die "Interessen der geopferten und unterdrückten" ungarischen Gesellschaft wahrnehmen will. Dafür werde man ihnen auch die Morde
an den Angehörigen "dieser ethnischen Minderheiten" in die Schuhe schieben, womit man natürlich nur vom eigenen Versagen abzulenken gedenkt. Man beschwert sich
darüber, dass der "monolithische Block" emotionale Seiten spielt, um Jobbik zu diskreditieren. Willkommen in der neuen Sachlichkeit.
Nazis oder nicht?
Die Spitzenkandidatin, Dr. Krisztina Morvai, sagt über sich selbst: "Ich bin eine
gemäßigte Politikerin und Mutter von drei Kindern, die im Westen als Nazi und Faschist dargestellt wird." "Glaubt nicht, dass ihr das ewig so machen könnt.",
drohte sie dem Telegraph aus London als der sie interviewen wollte. In letzter Minute sagte sie ab. In einem wirklich unfairen, typisch angelsächsischen Portrait
hauen dann die (sicher jüdischen) Reporter mehrmals auf die "lippstick"-gestylte Kampfwalküre drauf, dass es kracht. Macht man nicht sowas. Jobbik hatte sich doch
erst kürzlich von Holocaustleugnern unter ihren Anhängern distanziert, die vor der deutschen Botschaft in Budapest eine Demonstration abgehalten hatten. Siehe dazu: Ungarns Schande. Jobbik nannte die Shoah daraufhin ein "tragisches Ereignis, aus dem
Lehren zu ziehen seien", sagte aber glücklicherweise nicht, welche. Gleichzeitig schwadroniert Vona in (s)einem Interview darüber, wie das Weltjudentum Ungarn
gekauft habe. (bzw. wie das ein ehem. israelischer Präsident selbst so eingestanden habe.)
Wir sehen also, Jobbik und "Garde" sind keine Nazis. Warum reden sie dann wie
welche, warum sehen die "Gardisten" aus wie welche? Erinnert irgendwie an den Wolf bei Rotkäppchen. "Aber Großmutter, warum hast du denn so ein furchtbar
großes Maul...?" Was dann kommt, weiß jedes Kind. Wort und Totschlag sind bei Jobbik vielleicht noch fein säuberlich getrennt, doch das eine produziert bereits das
andere. Daher sind sie keine Nazis, nur ganz normale ungarische Faschisten, die auf ihre Chance warten. Sie liegt vor allem auch in ihrer Verharmlosung und in der
Naivität des Bürgers. Es ist nicht wichtig, sie als Nazis zu titulieren. Es ist wichtig ihnen den Boden zu entziehen, den sie vergiften wollen. Ihr Erfolg ist das Versagen
der Menschenfreunde, erst recht jener, denen die ungarische Erde heilig ist.
M.S.
Webseite der Partei: www.jobbik.hu
(c) Pester Lloyd
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