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(c) Pester Lloyd / 23 - 2009
FORSCHUNG 02.06.2009 _______________________________________________________
Ein Neutron Hoffnung
Das europäische Milliardenprojekt ESS geht an Schweden. Ungarn will das noch nicht wahr haben.
Ungarn gibt die Hoffnung nicht auf, Debrecen doch noch als Standort für das
Großforschungsprojekt der EU, das Neutronenforschungszentrum ESS (European Spallation Source) durchzusetzen. Dabei steht Lund in Südschweden praktisch fest.
Der zuständige ungarische Regierungskommissar Géza Egyed beweist in diesem Zusammenhang stoische Realitätsverweigerung.
Auf einer Arbeitssitzung am 29. Mai haben sich
die entscheidenden EU-Staaten wie Frankreich, Deutschland und Italien unmissverständlich für den schwedischen Standort in Lund ausgesprochen, doch geht es nach dem
ungarischen Regierungsbeauftragten für das Projekt, ist die Entscheidung längst noch nicht endgültig. Neben dem südschwedischen Lund und Debrecen hatte sich auch Bilbao in Spanien
um das Projekt beworben. In den kommenden Wochen werden weitere "schriftliche Statusberichte" an die tschechische
EU-Präsidentschaft gegeben, so Egyed, auf deren Grundlage erst eine Entscheidung fallen soll. Ungarn argumentiert unter anderem damit, dass ein Bau der Einrichtung
in Ungarn bis zu 200 Mio EUR billiger käme, was auch den Europäern Geld sparen könnte.
Lund ist fix, ein Quantum Trost für Bilbao
Für fast alle Beobachter ist das Rennen aber
längst zu Gunsten der Schweden gelaufen. Die Medien des Landes feiern schon den Sieg für den Standort und überlegen, wie eine Kleinstadt wie Lund (im Foto die Universität) ein solches
Megaprojekt verkraften wird und vergleichen den Aufwand mit dem Bau der Öresund-Brücke. Die großen Geldgeber haben sich entschieden
und niemand sieht Argumente, die sie noch umstimmen könnten. Das Svenska Dagbladet spricht zwar von einer "harten Schlacht", die sich die drei Beweber
geliefert haben, aber bei der Sitzung am letzten Donnerstag hätten sich sieben der elf Geberländer für Lund ausgesprochen, darunter auch alle wichtigen
Schwergewichte. Forschungsminister Lars Leijonborg freute sich: "Ja, wir sind zu Hause." Sogar die Basken freuen sich verhalten, nach unbestätigten Berichten
bekommen sie, als Quantum Trost", eine Entwicklungswerkstatt und ein paar nachgeordnete Stellen des ESS und werden somit zum zweiten Standort.
Ungarn hatte schlechte Karten
Das European Spallation Source wird Grundlagenforschung und praktische
Entwicklungsarbeit vor allem auf dem Gebiet der Materialforschung erbringen. Ab 2011 gehts los. Das neue Institut sollte, nach ungarischem Wunsch, in Debrecen
gebaut werden, was eine enorme Aufwertung für Ungarns zweitgrößte Stadt bedeutet hätte. Debrecen ist zwar eine traditionsreiche Universitätsstadt, liegt aber
sonst in einer eher schwach strukturierten Region. Die Kosten für die Errichtung des Gesamtprojektes werden mit bis zu 1,1 Milliarden Euro angegeben. Der ungarische
Staat würde rund 320 Mio EUR davon übernehmen. Zu den rund 600 erhofften festen Arbeitsplätzen (in Schweden spricht man von über 1000) würden jährlich
weitere 4.000-5.000 international besetzte Forschungsplätze kommen, die enormes Know how ins Land brächten und auch einen nicht unbedeutenden Wirtschaftsfaktor darstellen.
Ungarn wurde erst im Vorjahr zum Standort für das EIT, das europäische
Forschungsnetzwerk auserwählt. Diese Einrichtung kümmert sich vor allem um die Vernetzung von Forschungseinrichtungen untereinander und mit der Industrie, hat
aber nur einen Bruchteil des Budgets vom ESS. Aufgrund dieser Entscheidung für Ungarn 2008, standen die Chancen für das Land ohnehin nicht sonderlich gut einen
erneuten Zuschlag zu erhalten. Auch die witschaftliche wackelige Situation und die in ganz Europa Besorgnis erregenden Vorkommnisse um das "Romaproblem" und die
neue Rechte sprechen derzeit Ungarn als weltoffenen Forschungsstandort.
ESS - Hungary Zehn (offizielle) Argumente für Ungarn als ESS-Standort
"Lund wird Europas größtes Forschungszentrum" - Svenska Dagbladet
(c) Pester Lloyd
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