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(c) Pester Lloyd / 25 - 2009
KULTUR 15.06.2009
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Theatersprache Deutsch
PASCH: Junges Theater aus Osteuropa in deutscher Sprache
Sprachschülern- und studenten stehen zahlreiche gleichberechtigte Methoden zur
Verfügung, um eine Fremdsprache zu erlernen. Eine in vielerlei Hinsicht besonders erfolgreiche scheint das Theaterspielen zu sein. Das hat sich mittlerweile schon bis
nach Budapest herumgesprochen, wo sowohl im Rahmen der Partnerschulinitiative PASCH als auch am Germanistik-Institut der ELTE-Universität die deutsche Sprache dramatisch in Szene gesetzt wird.
Fotos: Dóra Horniák, David Völker
Das PASCH-Theaterprojekt „Unser täglich Drama“ fand in diesem Jahr bereits über
drei Monate verteilt in der Region Mittelosteuropa statt. Schülergruppen von drei ungarischen, zwei slowakischen und einer tschechischen Partnerschule nahmen daran
teil. Die 85 Schülerinnen und Schüler, die erst seit wenigen Monaten die deutsche Sprache erlernen, wurden von 12 an Theaterarbeit interessierten Lehrkräften
begleitet und von den drei Berliner Theaterpädagogen Jörg Isermeyer, Jens Neumann, Birgit Oehlschläger professionell unterstützt. Ziel des Workshops ist es,
deutschsprachige Theatergruppen in den Partnerschulen aufzubauen und diese in den Ländern Mittelosteuropas miteinander zu vernetzen.
Das Theaterprojekt bietet den TeilnehmerInnen die Möglichkeit, die im
Schulunterricht erworbenen Fremdsprachenkenntnisse in konkreten so genannten „Sprachverwendungssituationen“ anzuwenden und auf diesem Wege eine aktive
Sprachbeherrschung zu erlangen. Sie erproben und trainieren praktisches Sprechhandeln, indem sie sich emotional beteiligen, sich mit der Sprache
identifizieren und einen persönlichen sowie kreativen Bezug zur deutschen Sprache erhalten.
Junge Schauspieler schreiben ihre eigenen Stücke
Das erste Mal trafen sich die sechs Theatergruppen vom 12. bis 15. März an der
Partnerschule in Břeclav (Tschechische Republik). Hier wurden die Grundlagen des szenischen Spiels in gemischten Arbeitsgruppen erarbeitet. Die Schülerinnen und
Schüler machten sich mit Sprech- und Atemübungen vertraut und lernten Inszenierungs- und Schreibtechniken kennen. Aus körperbetonten Spielen,
Rollenspielen und Improvisationsübungen entstanden erste kleine Theaterszenen. Schließlich präsentierten sich die jungen SchauspielerInnen gegenseitig ihre Arbeitsergebnisse.
Wieder zurück in der Heimat entwickelten sie mit der Unterstützung ihrer
Lehrerinnen, die vor Projektbeginn an zwei Theaterfortbildungen teilgenommen hatten, die Ansätze ihrer Theaterstücke weiter. Auf dem vom 23. bis 26. April im
slowakischen Ružomberok stattgefundenen zweiten Workshop wurden in einzelnen Theatergruppen szenische Aufgaben umgesetzt. Die Akteure inszenierten, schrieben
eigene Texte und Musikstücke zum Projektthema und bauten mit Hilfe der Theaterpädagogen ihre szenischen Entwürfe zu kleinen Theaterstücken aus.
Kulturaustausch für Schüler- und LehrerInnen
Der dritte Workshop sowie die Abschlussveranstaltung fanden vom 21. bis 24. Mai im
katholischen Patrona-Gymnasium in Budapest statt. Hier erhielten die einzelnen Theaterstücke ihren letzten Schliff, bevor sie mit großem Engagement, sichtbarer
Spielfreude und sprühender Kreativität einer unabhängigen Jury bestehend aus Vertretern des Goethe-Instituts, der Deutschen Botschaft, des Germanistik-Instituts
der ELTE-Universität und dem Nationaltheater von Budapest präsentiert wurden.
Wie Michael Hauke, Projektleiter vom Goethe-Institut in Budapest, bestätigte,
konnte man allen Produktionen deutlich anmerken, dass sie wirklich den Köpfen der Schülerinnen und Schülern und nicht denen der Lehrer entsprungen waren. Dieses
war zum einen an den jugendspezifischen Sujets wie Schulstress, Liebe, Familienprobleme und Sorgen um die Zukunft festzustellen, zum anderen aber auch
an der zugleich spannungsvollen wie gelösten Ausstrahlung, die von allen Beteiligten ausging. Hauke betonte, dass dieser internationale Theateraustausch nicht nur für
die jungen SchauspielerInnen ein Zugewinn an interkulturellen Kompetenzen darstelle. Auch die Lehrerinnen konnten ihre Kolleginnen aus den Nachbarländern
besser kennen lernen und bestehende Vorurteile abbauen.
Gewinner reisen nach Berlin
Die glücklichen Gewinnerensembles – die Theatergruppen aus dem tschechischen
Břeclav-Gymnasium aus der gleichnamigen Stadt, dem slowakischen Hviezdoslava-Gymnasium aus Dolný Kubin und dem ungarischen SZTE Ságvári Endre
Gyarkoló-Gymnasium aus Szeged –dürfen vom 26. bis 30. Oktober zu einem einwöchigen „Workshop und PASCH-Theaterfestival“ ins JugendKulturZentrum
PUMPE in die deutsche Hauptstadt reisen, wo sie auch mit einer Schülergruppe aus der Türkei gemeinsam Theater spielen und viel neue Eindrücke sammeln werden.
„8 Frauen und 1 Herr“ für Schauspielanfänger
Auch die erste Theaterproduktion des
Germanistik-Instituts der ELTE-Universität „8 Frauen und ein Herr“ ist aus einem Grundlagen-Workshop hervorgegangen, den die DAAD-Sprachassistentin Ivana Basic den Studierenden gegen Ende des vergangenen
Wintersemesters angeboten hatte. Das Interesse, eine institutseigene Theatergruppe zu gründen, war so groß, dass sich innerhalb kürzester Zeit acht weibliche und ein männlicher Schauspieler
versammelten, sich demokratisch auf ein Stück einigten und die Rollenverteilungen – passend zu Charakter und Fähigkeiten der Akteure – vornahmen.
Dabei haben sich die Beteiligten zwar kein
deutsches Stück ausgesucht, sondern eines vom mittlerweile berühmten und vielfach ausgezeichnete französischen Regisseur und Dramaturgen François Ozon. Allerdings standen weder die Herkunft noch die
literarische Klassizität des Stücks im Vordergrund, sondern vielmehr die Spielbarkeit für Schauspielanfänger.
Nachdem das Stück feststand, haben wir die Vorlage, die uns freundlicherweise von
Maria und Hermann Eiken zur Verfügung gestellt wurde, zum Stück umgeschrieben und auf unsere Bedürfnisse angepasst.“ berichtet Basic. Innerhalb der
3,5-monatigen Probenzeit in den Institutsräumlichkeiten probten sie insgesamt an die 50 Stunden, 3 Stunden in der Woche. Sogar 10 Stunden Einzelproben waren notwendig, um bestimmte Szenen einzustudieren.
Bühnenpräsenz und der Rhythmus des Deutschen
Von Beginn an wurde der Identifikationsprozess der SchauspielerInnen mit der zu
verkörpernden Rolle gefördert. Auf- und Abgänge wurden ebenso gezielt geprobt, um das notwendige Gefühl für die Bühnenpräsenz zu entwickeln, wie der spielerische
Umgang mit der deutschen Sprache. Dabei kam es für die Germanistik-StudentInnen im Rahmen von Sprach- und Stimmübungen insbesondere auf die richtige
Verwendung von Betonung und Rhythmus des Deutschen an. Interessant ist, hört man die Akteure außerhalb des Stücks deutsch sprechen, so kann man feststellen,
dass sich die einstudierte Sprache positiv von der nicht einstudierten unterscheidet.
Eine Entwicklung der schauspielerischen wie sprachlichen Fähigkeiten der jungen
Spielwütigen, die mit wenigen Ausnahmen das erste Mal auf der Bühne stehen, war laut Basic deutlich erkennbar. Diese positive Entwicklung ist vor dem Hintergrund zu
sehen, dass die meisten zum Projektbeginn noch StudienanfängerInnen waren. Deren Motivation sei stetig gewachsen und so habe sich vor allem das selbstbewusste Auftreten auf der Bühne rasch entwickelt.
Perspektivenwechsel: sich in der Fremdsprache ausdrücken können
Die graduierte Romanistin und DAF-Lehrerin betont: „Sprachlich – so sagen sie selbst
– haben sie aus diesem Projekt einen großen Nutzen gezogen. Durch das Stück hat sich nicht nur ihr Vokabular vergrößert, sondern vor allem durch die szenische und
spielerische Anwendung wie Umsetzung der deutschen Sprache haben sich ihre sprachlichen Fähigkeiten stark verbessert. Sie fühlen sich sicherer im Umgang mit
der deutschen Sprache, sie scherzen auf Deutsch, vor allem aber hat sich die Perspektive verändert: Vom Deutschen als Fach oder als Unterrichtssprache“ hin zu
einer Sprache, mit der sie sich ausdrücken können! Laut Basic, die nur wenig Ungarisch spricht, wurde dieser Prozess durch die Tatsache verstärkt, dass „wir uns
immer nur auf Deutsch verständigen, auch bei den Besprechungen oder bei der Email-Korrespondenz, wenn es um Organisatorisches geht.“
Ivana Basic, die in ihrer Arbeit nicht nur vom gesamten Lehrkörper des
Germanistik-Instituts, sondern auch von HÖK, der Studentenvereinigung des Instituts, mit Rat und Tat sowie finanziell unterstützt wird, hebt hervor, selber eine
Menge gelernt zu haben. Dieses Theaterprojekt mit nicht-deutschen Muttersprachlern sei für sie eine „lebensnahe und kulturelle Fortbildung“, die für sie
nicht nur fachlich, sondern insbesondere persönlich eine große Bereicherung bedeute.
David Völker
„8 Frauen und 1 Herr“ Kriminal-Komödie nach Robert Thomas und François Ozon Premiere: 16. Juni 2009 um 17.30 Uhr Weitere Aufführungen: 18. / 19. Juni um 18 Uhr
Ort: 1088 Budapest, Trefort utca 8, Trefort Ágoston Gymnasium (2. Stock, Aula) Eintritt frei (freiWILLIGE Spende willkommen) Kartenreservierung: theatergruppe.germanistik@gmail.com
(c) Pester Lloyd
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