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(c) Pester Lloyd / 25 - 2009
WIRTSCHAFT 19.06.2009 _______________________________________________________
Langsam und lasch
Der Chef der Finanzaufsicht in Ungarn wurde gegangen
István Farkas, Chef der Ungarischen Finanzaufsichtsbehörde (PSZÁF), ist am Donnerstag zurückgetreten. Offiziell geht es um "unlösbare Differenzen" mit
dem Finanzministerium bei organisatorischen Abläufen in der Behörde. Doch hinter den Kulissen wird von entscheidenden Fehlern der PSZÁF und einem
Machtkampf gesprochen, der zum kompletten Umbau der Finanzmarktaufsicht führen könnte, denn auch Zentralbankchef Simor ist angeschlagen.
Die Mitte der Krise ist sicher keiner günstiger Zeitpunkt um einen Wechsel an
der Spitze der staatlichen Finanzmarktaufsicht vorzunehmen und es ist schon gar kein Vertrauen erweckendes Zeichen an die Wetfinanz. Der Forint schlingert, der nächste
Absturz ist nur eine Frage der Zeit. Die Kreditsituation im Land ist nah an der Katastrophe, die Ausfallquoten sind weiter auf dem Weg nach oben, Kleinunternehmer sitzen auf dem
Trockenen, die Banken horten ihr Geld und leihen es sich lieber bei der EBRD als im eigenen Land oder gar von anderen Privatbanken. Die Krise ist nur beruhigt, lange noch nicht gelöst. Neue Regeln
müssen her und umgesetzt werden. Zu all dem ist die derzeitige Struktur und Schlagkraft der ungarischen Finanzaufsicht nicht mehr geeignet.
Schon seit einiger Zeit wird darüber spekuliert, wann die Kontrollbehörde in die
Zentralbank eingegliedert wird, die letztlich oberster Aufpasser der Finanzwirtschaft sein sollte, so wie es in den meisten europäischen Ländern der Fall ist. Als
Wirtschaftsprüfer traut man dem neuen Finanzminister, Péter Oszkó, (er arbeitete vor seinem Ministeramt bei Deloitte Ungarn), eine Einschätzung von Risiken im
Finanzgeschäft durchaus zu. Aus seiner und der Sicht von Experten hat die Finanzaufsicht unter Farkas, zu spät und zu lasch vor allem bei der Einschränkung der Risiken von Fremdwährungskrediten gewirkt.
Diese Schuldzuweiseung klingt zwar etwas billig, weil sowohl
Finanzexperten als auch die vorige Regierung selbst entsprechende Warnungen hätte geben müssen. Aber die Finanzwirtschaft, die eigentlich wusste worauf sie sich und
ihre Kunden einläßt, verdiente eine Weile prächtigst an der Kreditvermittlung und innerhalb der Gyurcsány-Regierung hatte, so wie im Rest der Welt auch niemand mit einer Krise gerechnet hat.
Das Gebäude der PSZÁF und ihr Ex-Chef István Farkas, Fotos: PSZÁF
Kritisiert wird auch das Management seit der Krise. Farkas´
Behörde, geführt fast ausnahmslos von ehemaligen Bankern, die also bei aller vorausgesetzten Professionalität letztlich doch biographisch und emotional tief im
System verwurzelt sind, wird vorgeworfen, die von der Regierung aufgelegten Pakete zur Aufrechterhaltung des Kreditflusses, dem Schutz von unschuldig in Not
geratenen Schuldnern etc. zu zögerlich und zu bankenseitig umgesetzt zu haben. Wenn Strafen, z.B. wegen irreführender Werbung, gegen Banken verhängt wurden,
waren diese stets sehr milde, das System selbst wurde nie umgestaltet, immer nur an ihm herumgedoktort. Die meisten Strafen bewegeten sich in Bereichen zwischen
2-6 Mio. HUF (7-20.000 EUR), nur einmal verlangte man mehr als 10 Mio EUR. Summen, die Banken nicht einmal als Peanuts wahrnehmen. Die Aufsichtsbehörde,
der Regulator, hatte also seinen Einfluss auf die Banken nicht zum Wohle von Staat und Bürgern geltend gemacht. Sie hat also versagt. Wenn man alle Chefs der
Institutionen in Ungarn, die so versagt haben, wegschickte, dann wäre das Land bald kopflos.
Dennoch ist der Abgang von Farkas kein Bauernopfer, sondern der Auftakt zum
kompletten Umbau der Finanzmarktaufsicht in Ungarn. Der Zeitpunkt ist günstig, die PSZÁF nun mit der Nationalbank zu fusionieren, denn auch deren Chef, András
Simor, ist seit seiner Offshore-Affäre deutlich angeschlagen und teilentmachtet. Selbst die Sozialisten, die ihn einst installierten, sägen schon eifrig an seinem Stuhl,
die Opposition fordert schon lange seinen Kopf.
red.
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