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(c) Pester Lloyd / 25 - 2009
WIRTSCHAFT 19.06.2009 _______________________________________________________
Einfallslos durch die Krise?
Ungarns Supermärkte im Test - Teil 4
Dafür, dass Krise ist, lassen sich Ungarns Super- und Hypermärkte erstaunlich wenig einfallen. Ein kleiner Rundgang durch die Mühen der Ebene: Halbwegs gepflegte
Langeweile bei Lidl - Luftgetrocknetes im CBA - Matsch im Match - Der Kochclown im Zirkus METRO und warum die Riesen bald verschwinden werden.
Halbwegs gepflegte Langeweile bei Lidl
Lidl wirbt mit dem Slogan: „Lidl kann alles sein, nur nicht teuer!” Stimmt so nicht,
erweitert werden müsst diese Aussage mit dem Satz „Zum Gähnen langweilig!”. Der berühmte Wiedererkennungseffekt, bei dem man genau weiß, wo was liegt, wirkt nämlich
dann bremsend, wenn immer nur die gleichen Produkte dort zu finden sind. Die kreativen Käufer wollen aber Beides: Das Gewohnte finden und durch Neues überrascht werden! Der
neue Lidl gegenüber von Csillágvár, im 3. Bezirk, jedenfalls hatte nichts Neues zu bieten: beim Gebäck zwar positiv die Angebote vom deutschen Bäcker aus Solymár, aber bei den
Fertigbackwaren nicht mal Mandelhörnchen oder Elisen aus Österreich/Deutschland. Bei Lidl in Szentendre lagen wochenlang einige bröckelige Restbestände dieser Backwaren -
wahrscheinlich als Beratungsmodell – in den Regalecken herum. In den Kühltruhen fehlen seit Wochen die leckeren abgepackten Lamm-, Rind-, Straußensteaks, auch die Meeresfrüchte
wie z.B. Garnelen zu 999 HUF oder Scampispieße kommen nur gelegentlich vorbei. Gähnende Langeweile in den meterlangen Truhen voller Tiefkühlpaniertem und solala Pizzas.
Lob aber für die Grünwaren - frisch und vielfältig, die abgepackten Salate allerdings oft schon weg oder welk.
Luftgetrocknetes im CBA
Renoviert und verkleinert der CBA-Markt im Souterrain vom Csillágvár, Csillághegy. Dies
scheint derzeit ein rationelleres Konzept, auch Muster für andere zu sein. Alles ordentlicher, gute Backwarenabteilung ebenfalls vom deutschen Bäcker. Ansonsten ist alles, was nicht in
Ungarn produziert wird, teilweise maßlos überteuert (z.B. Butter aus Bayern: doppelt so teuer wie die französische oder die deutsche Bergbutter in der METRO). Der
Grünwarenstand biete keine durchgängige Qualität, viel Fleckiges. Die verpackten Wurstwaren liegen zu lange, um Vertrauen zu erwecken. Was so aussieht wie
Schwarzwälder Schinken, hat oft zu viel versteckte Fettstreifen und das „Frischfleisch“ nicht selten eingetrocknete Ränder. Und zu oft ist nur eine Kasse besetzt, was so manchen
Kunden verärgert den Einkauf abbrechen läßt.
Supermärkte in Ungarn Wo kaufen Sie in Ungarn am liebsten ein? Wo haben Sie insgesamt die besten Erfahrungen gemacht? Wo stimmen Vielfalt, Preis-Leistung, Frische, Freundlichkeit am meisten?
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Matsch im Match
Der Match-Markt in Békásmegyer existiert wahrscheinlich nur wegen seine Nähe zum
hiesigen Wochenmarkt. Für den Schnelleinkauf von Kleinigkeiten dort bestens geeignet, bietet er allerdings nicht die Spur von Verkaufskultur. Beim Brot nachmittags leere Regale.
Kaum, aber meist kein braunes oder Körnerbrot. Wurst kennt man hier hauptsächlich nur als die ewige Salami (was ist eigentlich „Touristensalami”?) oder Párizsi (Gut, dass das die
Pariser nicht wissen, - oder kommt der Name vielleicht doch von der undurchlässigen Schutzhaut...?). Fleisch gibt es hier nur abgepackt. Es passiert schon mal, dass am
Wurstpult ein ungeübter Kollege 20 dk Majoranleberwurst als verquetschtes Etwas verkauft, weil das stumpfe Messer nicht durch die Zipfel kam.
Matsch im Match. Vor der einzig betriebenen Kasse warf kürzlich ein Sicherheitsfritze
jedem Kunden zwei Wabbeltüten Milch, die „weg muss!”, in die Einkaufskörbe. Die stellte sich dann auf dem Kassenbon als teurer heraus als die Polizei erlaubt. Überhaupt lassen sich
die Verkäuferinnen beim geruhsamen Einräumen von Zigaretteregale oder beim Schwätzchen mit der Nachbarkassiererin, dem Sicherheitsmann oder einer Bekannten aus
der Hausgemeinschaft an der Kasse nicht stören, selbst dann nicht, wenn zehn Kunden warten sollten. Nach solchen Erlebnissen bei Match besucht man dann nächstens doch lieber
die Marktstände vor der Halle.
Der Kochclown im Zirkus METRO
Aber nun doch noch ein Ausflug in die große METRO: In den Europa-Nachrichten war zu
hören, dass sich der METRO-Konzern für insolvente deutsche Warenhausketten interessiert! „Bloß nicht”, möchte man angesichts der gebotenen METRO-Qualität z.B. in Budakalász vor
Augen hat. Aber in Deutschland solls ja besser sein. Gegenwärtig wird mal wieder alles umgestellt. Seit Kurzem gibt es keine Frischfleischtheke mehr. In dem Falle eine gute
Entscheidung, den die Fleischer hatten keine Ahnung im Umgang mit den Produkten und deren Präsentation, weil keine berufliche Peilung da ist, was für ein Ver- oder Einkaufgefühl
eine gute Fleischtheke bringen kann – siehe z.B. in Old-Europe!
Der Kühlraum mit frisch abgepackten Fleischsorten ist nach wie vor relativ gut bestückt,
wenn auch noch immer kein wirklich abgehangenes Rind zu haben ist! Der Fischstand sah am (18.Juni) mal wieder sehr gut aus! Davor ein Bratstand, an dem kürzlich Slapstick pur
geboten wurde: Kam doch irgend ein Kollege (der vermutlich den Laci-Koch im MTV gesehen haben muss) neulich auf die Idee, Victoria-Barsch öffentlich vor dem Fischstand zu
braten, um die Kundschaft in Extase zu versetzen, ja Kaufrausch zu erzeugen. Der bullige Jungkoch warf den Fisch auf die überhitzte Platte und fuhrwerkte mit einem Fischheber so
darauf und drin herum, bis er einen Rekord im Atomisieren des Fisches erreicht hat, warf dann seine Kreation auf einen Pappteller und gab den Kunden eine Plaste-Gabel, durch die
die Fisch-Atome durch fielen. Verkaufseffekte wurden zwar nicht erzielt, aber der Unterhaltungswert war ungeheuer(lich)!
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Zum Thema:
Masse vor Klasse
Supermärkte in und um Budapest im Test
Ein Besuch bei den wichtigsten Lebensmittel-Ketten im Großraum Budapest bringt ernüchternde
Ergebnisse: Es herrscht Selbstzufriedenheit, man gibt sich mit Masse statt Klasse zufrieden und unterschätzt 19 Jahre nach der Öffnung des Landes immer noch das
Qualitätsbewusstsein der Ungarn und der hier lebenden Ausländer. Testsieger: ALDI
ZUM BEITRAG
Na also, es geht doch!
Supermärkte in Ungarn im Test - Teil 3
Dass es von Super- und Hypermärkten auch einmal Positives zu berichten gibt, erfuhr unsere Testerin diese
Woche bei den Märkten der SPAR-Gruppe. Auch Tchibo hat sich unsere Kritik zu Herzen genommen und den Service verbessert. Die nächste Runde unserer Supermarkttests...
ZUM BEITRAG
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Doch zurück zum Angebot: Der Frischfisch ist nur zum Teil ansehnlich. Pangasius und Lachs sind meist frisch,
aber Teufelsfischfilet sucht man hier neuerdings vergebens. In den Kühlregalen die Alternativen: Räucherlachs in verschiedenen Packungen, manchmal auch Räucherheilbutt. Ansonsten tiefgekühlt
verschieden preisgünstige Fische. Beim Tiefkühl-Fleisch fallen auch hier die dominante Panaden-Meter auf, die selbst von genussresistenten Ungarn kaum noch gekauft werden. Allerlei Wild,
gelichtete Bestände, im Frühjahr und Sommer? - Naja, wer es außerhalb der Saison mag, die METRO machts möglich. Und was fehlt? Auch hier, wie bei Lidl, die bereits einmal vorhandenen sowie sehr guten
und gern gekauften, weil nämlich gut abgehangenen Steaks vom Lamm, Schwein, Rind oder Strauß für 1.900 HUF die Packung. Wenige Packungen lagen schon zu lange ohne konkretes Datum herum...
Der Brotstand kommt immer noch penetrant
ungarisch daher, nur weißes, aufgeblasenes Zeug. Ein paar verschämte Schwarzbrotscheiben liegen wochenlang in ihrem Schlafanzug. Sehr gut ist dagegen die Weinabteilung sortiert: repräsentativ,
vielfältig - ungarisch und international. Besser geworden die Abteilung Obst und Gemüse. Das Kühlregal ist immerhin mit feinem Zartgemüse bestückt, auch Ingwer und Limetten und somit besser
als das Angebot im Cora.
Das Ende der Riesen kommt bestimmt
Ein Kurzbesuch im großen Auchan Újpest, bestätigt
die Überzeugung, was auch für die weiteren über 80 Hypermarkets Ungarns zutreffen dürfte: Die Zeit der Kaufhallen-Riesen geht zu Ende! Es sind helle Köpfe und flinke „Zwerge” gefragt, zumal in der Krise.
Langjährige Lichtblicke sind Kaisers und City SPAR; die kleinen Plus Märkte haben Potential, aber das Fleischsegment geht oft gar nicht. Die Präsentation neuer oder besonderer Produkte muss gelehrt und
gelernt werden. Die ausländischen Betreiber sollten ihre Märkte nicht unkontrolliert ungarischen Mitarbeitern überlassen, die keine internationale Erfahrungen haben. Das führt zu garantiertem
Qualitätsabfall. Und die willigen Kollegen wissen nicht mal, warum man sie kritisiert…
Die Riesenhallen sind nur vor Feiertagen praktisch,
ansonsten für Nichts richtig gut. Immer mehr werden sie unrentabler, wie die immer häufiger anzutreffende gähnende Leere an den
Wochentagen deutlich macht. Aber warum müssen wir uns diese Gedanken eigentlich machen und nicht die, die dafür mitunter hoch bezahlt werden?! Aber vielleicht hat unsere
Leserschaft ganz andere oder ähnlich Erfahrungen beim Einkaufen in Ungarn gemacht? Durch eigene Beiträge oder einen Eintrag ins Gästebuch unserer Homepage können wir
unsere Freuden und Sorgen darüber nicht nur austauschen, sondern auch etwas Einfluss auf die Verkaufskultur in diesem Land nehmen, wie uns das da und dort nicht nur einmal gelungen ist.
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E.F.
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