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(c) Pester Lloyd / 25 - 2009 GESELLSCHAFT 17.06.2009
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Glosse

Zurück in die “lustigste Baracke”?

Die Hälfte von Ungarns Jugend findet den "Gulaschkommunismus" besser als die Suppe, die sie heute löffeln soll

Da können noch so viele Steinmeiers kommen und sich für die Grenzöffnung vor 20 Jahren bedanken, gegen die Macht von Umfragen kommt kein Politiker an. Was hat man da in zwanzig Jahren nur groß gezogen? Glaubt man der Umfrage, dann einen Haufen politisch apathischer Anpassler, die genauso jammern wie ihre Eltern...

Die Népszabadásg, Ungarns führende Tageszeitung, hat zusammen mit einem Institut für Sozial- und Arbeitsforschung einiges herausgefunden, von dem man sich fragt, wessen zittrige Hand hierzu die Fragen diktiert hat. Die Hälfte der befragten jungen Menschen findet demnach, dass das frühere politische System des "Gulaschkommunismus" unter János Kádár besser war, als das was man sich heute so bieten lassen muss. Dabei spielt natürlich eine Rolle, welch katastrophale Leistung die derzeitig maßgeblichen Politiker des Landes seit Jahren abliefern, aber auch manch verklärende Erzählung der Eltern hat einen Einfluss auf dieses Ergebnis. Optimisten könnten ja sagen, dass immerhin die Hälfte der Jugendlichen das heutige System akzeptiert. Aber selbst von denen sagten die meisten, dass das Sozialsystem damals besser war und auch die Arbeitsplatzsituation vorteilhafter für die Mehrheit der Bevölkerung.

Tatsächlich alarmierend ist die Aussage von 80% (!) der Befragten, dass sich ihr Lebensstandard in den letzten Jahren verschlechtert hat, 2004 sagten das "nur" 55%. Nun ist es also auch empirisch belegt, dass dieses System nur einer Minderheit zu spürbarem Wohlstand verholfen hat, während es im vorigen offenbar den meisten gleich mies bis mäßig gut ging. Das sind Wahrnehmungen, die jenseits jeder ideologischen Verdächtigung zur Kenntniss zu nehmen sind. Auch, weil man im Westen mit pauschaldemokratischen Jubelparolen allzu schnell über die Bedürfnisse und die speziellen Probleme in den "neuen Demokratien" drübergefahren ist, ohne sie zu kennen. Das Motto: Hauptsache Freiheit, Brot kommt später. Brecht wusste zwar, dass "erst das Fressen, dann die Moral" kommt, aber der war eh Kommunist, kann also gar nicht Recht haben.

Was hat man da in zwanzig Jahren nur groß gezogen? Glaubt man der Umfrage, dann einen Haufen politisch apathischer Anpassler. 60% gaben an, sich absolut nicht für Politik zu interessieren. Na gut, hier hat man schon Anschluss an den Westen gefunden. 21% der Jugendlichen bezeichnen sich als politisch rechtsstehend, nur 8% möchten sich als Linke bezeichnen. 53% sind nicht etwa gemäßigt konservativ, sozialdemokratisch oder grün, nein, sie kreuzten: "neutral" an.

Man stelle sich einmal vor, 70% der jungen Menschen in Deutschland geben an, politisch zu einer Mischung aus CSU, Vertriebenenverbänden, Blockwarten und Schützenbrüdern zu tendieren. In Ungarn ist das so, denn diejenigen, die vorgaben eine politische Meinung zu haben, unterstützen zu 70% den nationalkonservativen Fidesz und liegen damit noch über dem Bevölkerungsschnitt, 16% trauen sich noch die MSZP zu unterstützen, lediglich 5% gaben an für Jobbik zu sein. Aber man weiß, dass diese Angaben locker mehr als verdoppelt werden müssen, um der Wahrheit näher zu kommen.

Als größte Belastungstest für die ungarische Gesellschaft gaben die meisten die politische Spaltung des Landes und den Konflikt zwischen "Zigeunern und Mehrheitsgesellschaft", schreibt die Zeitung, wobei letzteres sicher auch ein Ergebnis von Ersterem ist, aber das schreiben Zeitungen in Ungarn immer seltener. Auch ein Grund warum aus der morschen, aber "lustigsten Baracke des Sozialismus" eine traurig-armselige Hütte geworden ist, mit zwei getrennten Eingängen und einem verdreckten Hinterhof, obwohl sie das Zeug zu einem prächtigen, bunten Anwesen hätte.

M.S.

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(c) Pester Lloyd

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