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(c) Pester Lloyd / 26 - 2009 POLITIK 22.06.2009 _______________________________________________________
MSZP: Auch Ungarns Zentralbankchef soll gehen
In Ungarns höchsten Gremien rumort es. Am Donnerstag trat der Chef der
ungarischen Finanzaufsichtsbehörde (PSZÁF) auf Drängen des Finanzministers zurück, einen Tag später erhob ein Abgeordneter der Regierungspartei MSZP eine
offene Rücktrittsforderung an den Zentralbankpräsidenten. József Tobiás sagte im ungarischen Staatsfernsehen, dass Nationalbankchef Simor nicht die moralischen
Kriterien erfüllt, die dieses Amt erfordern. Er fügte zwar hinzu, dass dies nur seine persönliche Meinung sei, aber schon seit Tagen gibt es Gerüchte, dass auch Premier
Bajnai Simor bald fallen lassen könnte.
Die Opposition ergänzte, dass freilich auch Bajnai und Oszkó in dieselbe Kategorie
wie Simor fielen, gratulierte Tobiás aber zu seiner Erkenntnis mit den Worten, "allmählich verstehen auch Sozialisten das Grundproblem.” Für die Sozialisten könnte
Simor ein interessantes Bauernopfer sein, um den Volkszorn von der Partei abzulenken. Bei der derzeitigen Stimmung könnte diese Wirkung allerdings minimal
sein. Andere Beobachter vermuten einen Deal zwischen Staatspräsident und Premier. Zieht letzterer Simor ab, könnte ersterer den Sozialisten endlich einen passenden
Kandidaten für die seit über einem Jahr unbesetzte Stelle des Höchstrichters nominieren.
Der Zentralbankchef wurde im Europawahlkampf von der Opposition heftigst
attackiert, weil er ein Teils seines Vermögens in eine Off-shore-Company gesteckt haben soll und somit - als Präsident der Zentralbank - Steuern hinterzieht. Simor gab
zu, dass er Geld in ein Unternehmen in Zypern investiert habe, das aber ein EU-Land sei, daher sei alles legal. Die Gegenseite wies dies als faule Ausrede zurück. Seine
Firma Trevisol Management existierte bereits vor Zyperns EU-Beitritt und allen sei bekannt, dass man in Zypern sehr wohl viel bessere Steuerkonditionen erreichn
könne als hierzulande. Einfachen Bürgern stünde diese Möglichkeit ohnehin nicht offen, sie müssten ihre Steuern zahlen, während der oberste Finanzwächter des
Landes sein Geld aus dem Land schaffe. Er sei als "Offshore-Ritter" moralisch schlicht untragbar. Oppositionsführer Orbán hatte, angeblich während eines
Gespräches mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, auch Premier Bajnai und Finanzminister Oszkó so bezeichnet.
Zum Thema:
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(c) Pester Lloyd
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