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(c) Pester Lloyd / 27 - 2009 NACHRICHTEN 04.07.2009
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"Gardisten" demonstrieren trotz Verbots

Ungarn - Mehrere Verletzte bei Ausschreitungen in Budapest

Die "Ungarische Garde" will sich offensichtlich nicht mit dem Verbot, dass durch einen Beschluss des Berufungsgerichtes vorgestern rechtskräftig wurde, abfinden und spielte am Samstag mit der Polizei eine Art Katz und Maus-Spiel quer durch das Stadtzentrum. Bis zum frühen Abend gab es bereits mehrere Verletzte Polizisten und Demonstranten, aber auch Sympathiebekundungen durch Polizisten und Schaulustige.

Nachdem bereits am Freitag eine geplante Demonstration auf dem Szabadság tér (Freiheitsplatz) verboten wurde, auf dem neben dem Gebäude der US-Botschaft auch jenes des ungarischen Staatsfernsehens sowie das mehrfach geschändete Denkmal für die im Kampf um Budapest gefallenen Sowjetsoldaten steht, versammelten sich am Nachmittag, zuerst in Parlamentsnähe, rund 200 uniformierte "Gardisten".

Diese protestieren nicht nur gegen das Verbot ihres "Vereins", sondern auch für die Freilassung des Extremisten György Budaházy, dem Verwicklungen in Brand- und Sprengstoffanschläge vorgeworfen werden. Bei den Randalierern handelt es sich  zum Teil um Mitglieder der "echten" "Ungarischen Garde", einige waren auch einfach Angehörige der rechten Gewaltszene.

Die Polizei forderte die Demonstranten mehrfach auf, die nicht genehmigte Versammlung aufzulösen. Es wurde bereits im Vorfeld klargestellt, dass das Tragen von Uniformen einer verbotenen Organisation einen Rechtsbruch darstellt, der nicht geduldet werden wird. Daraufhin zogen die "Gardisten" weiter Richtung Erzébet Platz und begannen mit Bierflaschen und Dosen nach Polizisten zu werfen. Daraufhin setzten einige bedrängte Polizisten Tränengasspray ein, ein Mann wurde dabei verletzt und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Gegen 18.00 kamen weitere gewaltbereite Sympathisanten hinzu, im Gebiet um die Bajcsy-Zsilinszky Straße (unweit der Andrássy út) kam es seit dem zu einem Hin und Her zwischen Demonstranten und Polizisten.


szólj hozzá: Tüntetés a Gárdáért

 

Gegen 18:30 eskalierten die Zusammenstösse kurz, die Menge der Demonstranten und Randalierer hatte sich auf mehrere hundert vergrößert, einige versuchten Barrikaden zu errichten, die Polizei setzte stärker Gummiknüppel und Tränengasspray ein. Viele große Plätze wurden abgesperrt, die Innenstadt gleicht teilweise einer einzigen Sperrzone. Der Nachrichtensender Hír TV berichtet davon, dass einer seiner Kameraleute krankenhausreif geprügelt wurde.

Gegen 19:30 beruhigte sich die Lage ein wenig, einige Dutzend Demonstranten, “Gardisten”, darunter auch der Parteichef von Jobbik, Gábor Vona, veranstalteten unweit des zentral gelegenen Deák tér eine Art “sit in” und sangen diverse Hymnen und Parolen (siehe oberes Video). Hunderte, größtenteils sympathisierende Schaulustige säumten den Platz. Die Polizei sperrte ab und hielt die Menge in Schach, am Rande kam es auch zu diversen Verbrüderungen, so teilten Demonstranten und Polizisten sich Mineralwasser, Beamte äußerten sich auch dahingehend, dass sie das Anliegen richtig fänden, nur Ort und Zeit nicht passend seien.

 

Gegen 21.00 Uhr begann die Polizei mit der gewaltsamen Räumung des Platzes, auch Jobbik-Chef Vona wurde unsanft abgeführt (siehe 2. Video) und musste einige Stunden im Untersuchungsgefängnis verbringen. Insgesamt gab es bis zum Abend 216 Festnahmen, 17 Menschen wurden wegen leichterer Verletzungen in Krankenhäusern behandelt.

red.

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