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(c) Pester Lloyd / 28 - 2009
KULTUR 11.07.2009
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Die Serafinade zu Mörbisch
oder: “My far Lady”
Die Seefestspiele in Mörbisch eröffneten am Donnerstag nicht so sehr mit „My fair Lady“, sondern - wie jedes Jahr - mit der unvermeidlichen "Serafinade zu
Mörbisch". Das ist in Österreich zwar anerkannte VIP-Folklore, nervt aber trotzdem. Auch, ob das immer lustige Kammerspiel wirklich großbühnentauglich
ist, bleibt fraglich. Ein unverwüstlicher Selbstläufer ist es allemal.
Der Alte lies es sich auch diesmal wieder nicht nehmen, das Theater vor dem Musical
zu beginnen. Mit antrainiertem österreichischem Schmäh machte der gebürtige Litauer geladenen Gästen, „die sich für wichtig halten“, die Honneurs. So konnte
Intendant Prof. Harald Serafin am Donnerstag unter den an die 6.000 erschienenen Premieren-Besuchern auf der Seebühne in Mörbisch erstmalig auch den
Staatspräsidenten der Republik Österreich, Heinz Fischer, neben anderen Persönlichkeiten aus der Liga „Adabei“ (Auch dabei) umständlich und mit
operettiger Heiterkeit im Parkett begrüßen. „Wunderbarrrr, dass Sie gekommen sind!“ war dabei die wohl gängigste Floskel, mit der er nahezu die gesamte erste
Reihe umarmte – darunter auch seinen Freund den Schauspieler Peter Weck und den Schlagersänger Peter Kraus.
“Es grünt so grün...”, nur wo? - Foto: Pester Lloyd
Eliza aus Oberösterreich
Mit kaum verändertem Tonfall gab dann der „Walter Matthau der Wiener Operette“
(New York Times) im von ihm gewünschten Musical „My fair Lady“ den Oberst Pickering. Als solcher steht er nicht nur ansehnlich und gut verständlich auf der
riesigen See-Bühne, sondern auch an erster Stelle im Programmheft. Ein Platz, der an anderen Häusern der Haupt- oder Titelrolle vorbehalten ist. Nicht so beim
omnipräsenten Serafin (19 mal mit Foto im Programmheft!) wenn er seine „Serafinaden“ zelebriert. Da muss sich Nadin Zeintl als Eliza Doolittle mit dem
dritten Platz hinter ihrem Sprecherzieher Prof. Henry Higgins (Michael Maertens) zufrieden geben. Da hier die Eliza bis zu ihrer sprachlichen Erweckung beim „Es
grünt so grün...“ im ihr vertrauten oberösterreichischen Dialekt agieren muss, waren manche Passagen der temporeichen Dialoge selbst für Einheimische nicht
immer verständlich. In den Gesangsnummern konnte sie sowohl spielerisch wie gesanglich überzeugen.
Nichts für feingliedrige Burgschauspieler
Nicht überzeugen konnte dagegen der mehrfach preisgekrönte Mime, der „Beste
Schauspieler des Jahres 2001“, Burgschauspieler und derzeit am Züricher Schauspielhaus engagierte Michael Maertnes als Prof. Higgins. Bei aller sprachlichen
Stärke, die diese Rolle erfordert, fehlt es der von Maertens gezeichneten Figur an Reife, Eleganz sowie differenzierter Spiel- und Singweise („Ich lass kein Weib an
mich heran...!“ - einfach langweilig interpretiert). Aber vor allen Dingen scheint es dem Darsteller an Erfahrung im Umgang mit einer derart großen Bühne zu mangeln.
Da aber stellt sich die Frage nicht nur an die Regie, sondern auch an die Dramaturgie und an die Intendanz, ob ein solches Kammerspiel (abgesehen vom
Ascot- und Ballbild) überhaupt für diese Seebühnen-Dimensionen geeignet ist. My "far" Lady. Helmuth Lohner hat diese z.B. mit seiner großartigen Inszenierung vom
„Graf von Luxemburg“ 2008 in Mörbisch beherrschen können, bei der „Lady“ stieß dieser ansonsten großartige Künstler an seine Grenzen. Darstellerisch und gesanglich
begrenzt war auch seine Mitwirkung als Vater Doolittle. Dem feingliedrigen Burgschauspieler und hervorragende Wedekind-Interpreten fehlt die für diese Partie
notwendige Derbheit in Figur, Gestik und Stimme.
Leider war am Premierenabend auch die Synchronität zwischen Orchester (Caspar
Richter) und Lohner im Auftritts-Lied („Mit einem kleinen Stückchen Glück...“) etwas gestört. Die Tempi waren dort generell zu schnell genommen, was noch
weniger zur trunkenen Schwerfälligkeit der Figur beitrug und damit auch unter Textverständlichkeit litt. Großartig-klassisch inszeniert das Pferderennen oder das
Ball-Bild sowie auch all die übrigen Massenszenen in denen der Chor, das Ballett und auch die vielen Statisten (Choreographie: Giorgio Madia) sowie das kongeniale,
mehrfach wandelbare Bühnenbild von Rolf Langfass wesentlich zum selbstverständlichen Erfolg dieses unverwüstlichen Selbstläufers beitrugen.
Für das kommende Jahr soll dann Lehars schwülstiges Spätwerk „Der Zarewitsch“
ausgegraben werden. „Allein, wieder allein...“ werden wir Harald Serafin dann wieder vor der See-Bühne sicherlich beim Handkussdefilé und seinen
Wunderbar-Ausrufen erleben dürfen. Zum vorletzten Mal vielleicht, denn 2011 läuft der Vertrag mit ihm aus, den er auch wirklich nicht mehr verlängern will – vielleicht!?
G.B.S.
Seefestspiele Mörbisch/Burgenland,
9. Juli bis 23. August, täglich 20.30 „My fair Lady“, www.seefestspiele-moerbisch.at
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(c) Pester Lloyd
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