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(c) Pester Lloyd / 29 - 2009
WIRTSCHAFT 16.07.2009 _______________________________________________________
Gestatten, Bond. Eurobond.
Ungarn will zurück ins "System"
Ein Vierteljahr früher als ursprünglich geplant, will Ungarn versuchen auf den internationalen Finanzierungsmarkt für Staatsanleihen zurückzukehren.
Ungarn geht damit kein geringes Wagnis ein. Genügt der "Turnaround" der Staatsfinanzen und des Steuersystems schon, um wieder ein "normaler
Schuldner zu werden" oder ist die Lage nicht doch noch zu fragil? Die erste Anleihenbegebung Ende des Monats wird solche Fragen beantworten.
Die Regierungsagentur für die Verwaltung der Staatsschulden (ÁKK) erteilte
heute, mit Segen von Finanzminister Péter Oszkó, überraschend der Citigroup und der ING Bank das Mandat zum Verkauf von Euroanleihen. Die Ankündigung,
sich wieder auf dem internationalen Bonds-Markt zu tummeln, markiert, zumindest finanzpolitisch, einen Meilenstein bei den Bemühungen der ungarischen
Regierung im Kampf gegen die Auswirkungen der Finanzkrise, die Ungarn bekanntlich besonders hart getroffen hat.
Gestatten, Bond. Eurobond. Ungarns Finanzminister Péter Oszkó freut sich,
Ungarn wieder an die internationalen Anleihemärkte zu bringen
Ursprünglich war dieser Schritt für den Herbst geplant, ein Jahr, nachdem man
durch die fehlende Kaufbereitschaft für Staatsanleihen auf Eurobasis kurz vor der Zahlungsunfähigkeit stand. Damals konnte nur eine Rettungsaktion von EU, IWF
und Weltbank durch einen 20 Milliarden-Notkredit das Land vor schlimmerem bewahren. Ungarn hat bisher drei Tranchen davon abgerufen, insgesamt ca. 14,6 Mrd. EUR und rund 11,5 Mrd. EUR eingesetzt.
Die ÁKK will über die beiden internationalen Großbanken bis 28. Juli 5jährige, auf
Euro lautende, Staatsanleihen zeichnen lassen. Man machte jedoch vorsichtshalber noch keine Angaben darüber wie hoch die erhoffte Kapitalzufuhr sein wird.
Üblicherweise wurden bisher bei solchen Begebungen zwischen 1 und 1,5 Mrd. EUR generiert, 500 Mio EUR gelten jedoch als Minimalziel. Die Ausgabe der
Anleihen ist zum einen ein Test, ob das Vertrauen in den "Turnaround" der Staatsfinanzen und damit die Zahlungsfähigkeit Ungarns international gestiegen
ist. Dieses wird nicht nur an der Höhe der Einnahmen ablesbar sein, sondern auch an der Höhe der Zinssätze, die der Staat für diese Anleihen bei Fälligkeit zahlen
werden muss. Ein Ergebnis von 6,5-7% könnte schon als Erfolg gelten. Ende 2008 bekam Ungarn seine Anleihen nicht einmal mehr für Zinssätze von über 11% an den Mann.
Ausschlaggebend für den jetzigen Schritt der Regierung waren die relative
Stabilität der Defizit-, Inflations- und Einnahmevoraussagen für die kommenden Monate. Die zu erwartenden 3,4% Haushaltsdefizit für 2009 stellen europaweit
einen recht guten Wert dar. Auch sieht sich Ungarn sich durch seinen strikten Sparkurs und die zwei großen Steuerreformen für 2009 und 2010 gegenüber
anderen Ländern in einer besseren fiskalischen Position für die erhoffte Wachstumsphase.
Hinzu kam, dass der Risikoaufschlag (CDS spread) binnen Tagen um 324 auf einen
60tägigen Tiefststand gesunken ist. Im August und Oktober laufen zudem einige fünfjährige Forintanleihen aus, die zusammen umgerechnet rund 2,5 Mrd. EUR
kosten. Durch die neuen Anleihen könnte man sich einen weiteren Zugriff auf die IWF-Kredite ersparen, was vor allem psychologisch positiv auf die Märkte wirken
soll und die Rückkehr in "das System" markieren könnte. Ein Scheitern hieße das Aushandeln einer weiteren Kreditlinie mit IWF und EU.
Internationale Analysten sprechen von einem mutigen Schritt, der aber dennoch
Risiken beinhalte. Es sei ein Balanceakt zwischen Timing, Umfang und Einpreisung. Der Erfolg oder Misserfolg wäre ein Indikator dafür, ob man die
Situation in Ungarn wirklich als stabil einschätzt oder die ganze Aktion nur eine kosmetische wäre. Andere Finanzexperten verwiesen auf ein Beispiel aus Polen,
dass für eine 2 Milliarden-Anleihe Nachfragen von fast 8 Mrd. registrierte, auch wenn dort die Ausgangsbedingungen andere gewesen seien, scheint die Marktstimmung derzeit gut für solche Anleihen zu sein.
Ebensowichtig und ein viel deutlicheres Zeichen der Erholung wäre jedoch endlich
die Senkung der exorbitanten Leitzinsen im Forintmarkt (derzeit 9,5%). Diese müssten bis Jahresende noch mindestens um 2 Prozentpunkte nach unten, was
zwangsläufig das Schutzschild für den Forint ausdünnen würde. Der Zustand Ungarns ist also nach wie vor eine fragile Angelegenheit, geben sich die
Finanzanalysten, bei allem Optimismus über diesen Schritt, vorsichtig.
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(c) Pester Lloyd
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