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(c) Pester Lloyd / 31 - 2009 WIRTSCHAFT 27.07.2009
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Finanzkrise - Zweite Welle

EBRD-Präsident: Die Banken in Osteuropa sind längst nicht über den Berg
716.000 Menschen in Ungarn liegen mit ihren Ratenzahlungen hinter dem Plan
Sorge um Solvenz slowakischer Unternehmen steigt

Der Präsident der EBRD, Thomas Mirow, warnte vor "weiteren bösen Überraschungen", die den Kreditinstituten in Osteuropa in Bälde bevorstehen könnten. "Der spürbare Anstieg von kritischen Krediten und Firmenpleiten könnte das Bankensystem weiter destabilisieren.", mahnte er eindringlich und nicht von ungefähr in Wien. Die von den Banken gern unter dem Teppich gehaltene Debatte über die Kreditpolitik und ausreichende Maßnahmen gegen die Finanzkrise im Osten wird damit wieder angeheizt.

Einer, der es wissen muss, wenn es um die Situation osteuropäischer Banken geht, ist der Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD). Schließlich ist dies jene Bank, die seit Beginn, trotz und wegen der Krise bereits Milliarden in Unternehmen, aber vor allem auch in Banken im Osten steckte. Letzteres vor allem, um den Kreditfluss an kleine und mittlere Unternehmen zu gewährleisten.

Das schien auch nötig, denn selbst sonst so krisenfest kommunizierende Töchter der Bank Austria (zu Unicredit) und der Erste Gruppe, z.B. in Ungarn, nahmen gerne einige hundert Millionen oder auch eine mehr. Die EBRD übernahm u.a. auch 25% an der vom lettischen Staat notprivatisierten Parex-Bank. Sonderkreditprogramme für erneuerbare Energien und andere zukunftsfähige aber unterfinanzierte Branchen summierten die Kreditausgaben auf 30% über Normal für 2009. 61 Nationen, von Ägypten bis Zypern fungieren als Teilhaber und damit Kreditgeber des Instituts.

Der Präsident der EBRD, Thomas Mirow, warnte nun vor "weiteren bösen Überraschungen", die den Kreditinstituten in Osteuropa in Bälde bevorstehen könnten. "Der spürbare Anstieg von kritischen Krediten und Firmenpleiten könnte das Bankensystem weiter destabilisieren.", mahnte er eindringlich und nicht von ungefähr in Wien. Österreichische Banken, bzw. ihre Töchter hatte Ende des ersten Quartals in Osteuropa ein Kreditvolumen in der Höhe von 187 Milliarden EUR.

Die Osteuropäer müssten ihre Privatverschuldung in den Griff bekommen, Fremdwährungskredite bereinigen und ihre Banken mit ausreichend Kapital ausstatten, um eine "zweite Welle der Finanzkrise" zu verhindern, sagte Mirow, was insofern eine nette Aufforderung ist, da alle diese Faktoren ja durch eben jene Banken bis an die kritische Grenze gefahren wurden. Nun die Länder dafür in die Haftung zu nehmen, ist sicher eine der Merkwürdigkeiten dieser eigenen Art von Staatskapitalismus.

Die Kreditklemme gibt es doch

Es gäbe zwar die gute Nachricht, dass man im Finanzsektor eine breite Stabilisierung beobachten könne, dennoch hat sich die Verfügbarkeit von Krediten stark verringert, was vor allem kleine und mittelständische Unternehmen zu spüren bekämen. Mirow widerspricht mit dieser, sicher nicht aus der Luft gegriffenen Feststellung, den ständigen Beteuerungen der Banken, dass die Kreditvergabe ja ungefähr stabil geblieben sei. Das mag zwar auf die Gesamtvolumina zutreffen, bestimmt nicht aber auf die Streuung zwischen Groß- und Kleinbetrieben. Allein die hohen Zinsen würden KMU abschrecken, den Schritt zur Bank noch zu gehen, selbst wenn diese prinzipiell bereit ist, Geld zu verleihen.

Schon zu Beginn des Monats warnten sowohl Internationaler Währungsfonds als auch die OECD die österreichischen Banken, dass weitere Kapitalzufuhr durch den Staat notwendig werden könnte. Doch in Österreich verbitten sich die Bankchefs jedwede Einmischung von staatlicher Seite, wiewohl in Österreich ohnehin ein mächtiger Filz zwischen Wirtschaft und Parteien herrscht. Die EBRD forderte für Österreich und die Region einen aussagekräftigen Stress-Test, möglichst einen, den nicht die eigenen Nationalbanken durchführen.

716.000 Menschen in Ungarn liegen mit
ihren Ratenzahlungen hinter dem Plan

"Die Tiefe der Krise bedeutet auch, von den zum Teil zweistelligen Wachstumsraten der Vergangenheit Abschied zu nehmen." Ebenso von den Rekordinvestitionen und dem Glauben daran, dass alles finanzierbar sei. Die CEE-Länder werden in diesem Jahr mit einem rund 5%igen BIP-Rückgang konfrontiert, Russland und die früheren Sowjetrepubliken mit bis zu -6%. Die Höhe der faulen Kredite bei den Banken in Osteuropa wird ganz unterschiedlich angegeben. Für die CEE-Region, also Ungarn, Tschechien, Slowakei werden zwischn 3-6% kommuniziert, für den Balkan, Ukraine etc. 7-12%. Fakt ist, dass die gesamte Region am seidenen Faden hängt.

Eine Zahl aus Ungarn: die von der Kreditaufsicht geführte "schwarze Liste" über die Schuldner, die mehr als 90 Tage hinter ihren Verpflichtungen her sind, ist von Ende 2008, als also die Krise bereits im vollen Gange war, bis Ende Juni 2009 um fast 100.000 Personen auf jetzt 716.000 angewachsen. Ungarn hat 10 Mio Einwohner, zieht man Kinder ab, ist jeder Zehnte praktisch zahlungsunfähig. So klar und brutal müsste man das benennen, die Banken machen das aber nicht. Die Liste zeigt alle an, die mit ihren Zahlungen mehr als ein 90 Tage um ein monatliches ungarisches Mindestgehalt von 71.500 HUF (nach heutigem Kurs 267 EUR) zurückliegen. Auch die Anzahl von Firmen, die ihre Kredite nicht mehr zahlen können, stieg in der gleichen Zeit um rund 10%.

Sorge um Solvenz slowakischer Unternehmen

Ab Herbst ist mit einer "signifkanten Verschlechterung der Zahlungsdisziplin" slowakischer Unternehmen zu rechnen, sagt der Direktor der Kreditauskunft Coface Slovakia, Tomas Jurik gegenüber der Nachrichtenagentur TASR. Entsprechende Indizies seien auf Jahresbasis um 27% gefallen, beunruhigend sei aber, dass sich dieser Abwärtstrend seit Anfang 2009 nicht verlangsamt hat. Noch stehen Ungarn und Tschechien schlechter da als die Slowakei, doch könnte sich das ändern, meint Jurik. Denn der slowakische Markt hat die Tendenz den tschechischen zu kopieren, mit einer Zeitverzögerung. In der Slowakei herrschte nur die Ruhe vor dem Sturm, der anderswo schon tobte, die Cash-Probleme vieler Firmen dürften zur Mitte des zweiten Halbjahres stark ansteigen. Im Herbst laufe zudem für viele erste Krisenopfer das reguläre Arbeitslosengeld aus, was Konsum und Zahlungsfähigkeit weiter verschlechtern wird. Privat- und Unternehmensinsolvenzen werden sprunghaft steigen.

red.

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