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(c) Pester Lloyd / 31 - 2009 WIRTSCHAFT 28.07.2009
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Staatsgeld für Finanzalchemisten

BorsodChem erhält einen 100 Mio EUR-Kredit von Ungarn

Als hätte der ungarische Staat nicht genug damit zu tun, sich selbst zu finanzieren, springt das Land jetzt auch noch bei BorsodChem ein und unterstützt die Chemiefabrik mit einem Kredit von beachtlichen 100 Mio EUR, weil die Banken wohl nicht mehr so recht wollen. Das große ungarische Chemieunternehmen BorsodChem ist ein Beispiel dafür, wie ein laufender Betrieb durch die falschen Eigentümer in Schwierigkeiten kommen kann.

Foto: borsodchem.hu

2006 übernahm der Finanzinvestor Permira für rund 1,6 Mrd. EUR den führenden Hersteller von Kunststoffen (Vinyle, PVC) und anderen synthetischen Produkten in Mittelosteuropa. Allerdings nicht aus anlagesuchenden "Eigenmitteln", sondern überwiegend aus Fremdmitteln, sprich Krediten. 2006 das war die Hochzeit der "Heuschrecken", die wahrlich alles fraßen, was ihnen in den Weg kam und irgendwie Gewinne versprach. Sogar Dividenden zahlte man zum Teil aus Krediten, alles Versprechen auf die Zukunft. Damit haben sich viele übernommen und etliche Beteiligungen wurden kritisch, erst recht als durch die Finanzkrise die Geldbeschaffung schwieriger wurde und sich kurz danach auch die Lage der Unternehmen aufgrund der Konjunkturrückgänge verschärfte. Gerade in der Krise hätte es einen Eigentümer gebraucht, der in der Branche verwurzelt ist und keinen Gemischtwarenladen. Permira ist bzw. war u.a. am Fernsehsender ProSiebenSat.1 Media, Hugo Boss, Kameralegende Leica und Brillenmacher Rodenstock beteiligt, auch einen Flugzeughersteller hatte man schon im Portfolio.

Als hätte der ungarische Staat nicht genug damit zu tun, sich selbst zu finanzieren, springt das Land jetzt auch noch bei Permira / BorsodChem ein und unterstützt das Unternehmen vermutlich in den nächsten Tagen mit einem Kredit von beachtlichen 100 Mio EUR, meldt die Financial Times. Der Staat springt ein, weil die Banken vorsichtiger geworden sind. Dieses Geld, für Ungarn ein riesiger Betrag, kommt von der staatlich kontrollierten Ung. Entwicklungsbank und ist an ein Abkommen mit den Gläubigern des Unternehmens über eine Umschuldung gebunden, die es BorsodChem ermöglichen soll, weiter zu existieren. Und das Geld soll dafür sorgen, die Fertigstellung eines neuen Werksteils abzuschließen.

Der Staat rettet also ein Unternehmen, das von einer Private Equity Unternehmung in Schwierigkeiten gebracht wurde. Das ist sogar in Krisenzeiten ein - bisher - seltener Vorgang, der bisher nur Unternehmen zu Teil wurde, die "systemischen Charakter" haben, wie Chrysler oder die Hypo Real Estate. Mit welcher Begründung wollen Ungarn weitere Anfragen notleidender Beteiligungen der großen Anlagehäuser ablehnen? Noch dazu, da auch ein Großteil der Produkte aus dem Hause BorsodChem in der Autoindustrie eingesetzt werden, eine langfristige Auftragsprognose also kaum möglich scheint.

Bemerkenswert ist, dass es bereits im März eine Art Umschuldung von Verbindlichkeiten bei BorsodChem gegeben hatte. Damals drohte das Mangement mit der Entlassung einiger hundert Mitarbeiter, wenn der Staat nicht einspringt. Die Lage scheint sich seit dem zumindest nicht verbessert zu haben. Die Erpressung mit den Kündigungen scheint aber immernoch blendend zu funktionieren. Derzeit beschäftigt das Unternehmen rund 3.500 Menschen. Permira ist an allen Fronten tätig, Gläubiger hinzuhalten und neue Überbrückungsfinanzierungen hinzubekommen, auch die anderen Teilhaber werden wahrscheinlich wieder angepumpt, entsprechende Verhandlungen wurden, laut Financial Times, bestätigt. Kolportiert werden Gesamtaußenstände von über 1 Mrd. EUR, u.a. bei der Royal Bank of Scotland, aber auch bei Erste Bank, Raiffeisen und UniCredit (Bank Austria), die in Osteuropa praktisch immer mit dabei sind. Daneben versucht das Permira Management weiter die Kosten zu senken, immerhin sollen im Juni die Umsätze wieder spürbar gesteigen sein. Außerdem holten sich die Finanzalchemisten von Permira einen ehemaligen BASF-Manager als Generaldirektor, der den Geheimtipp der Budapester Börse in eine Zukunft führen soll.

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(c) Pester Lloyd

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