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(c) Pester Lloyd / 33 - 2009 GESELLSCHAFT 15.08.2009
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Kein Bedarf an Widerstand

Selbsthilfegruppen statt Gegendemo in Ungarn

Bis zum frühen Abend blieben - entgegen Befürchtungen - größere Ansammlungen von Neonazis und anderen Rechtsradikalen in Budapest weitgehend aus. Die Verbote der Polizei zeigten Wirkung. Die genehmigte Gegenveranstaltungen, die mit nicht viel mehr als vielleicht vierhundert Personen im Rathauspark abgehalten wurde, war dennoch eine eindeutige Niederlage für das antifaschistische Ungarn.

Die Polizei war in erhöhter Alarmbereitschaft, nach dem ein Netzwerk von Neonazigruppen zu einem Dutzend Gedenkveransaltungen und -konzerten aus Anlass des Todestages des Kriegsverbrechers und Naziführers Rudolf Hess aufgerufen hatte. Alle angemeldeten Veranstaltungen wurden verboten (unser Beitrag). Der Justizminister und die Polizeiführung hatten angekündigt, jeden Versuch von illegalen Veranstaltungen im Keim zu ersticken, was offenbar abschreckte.

“Ungarn gegen Nazis”, Transparent im Rathauspark,
die Mehrzahl ist schon fast geschmeichelt

Gleichzeitig fanden Gegenveranstaltungen statt, die mit nicht viel mehr als vielleicht vierhundert Personen im Rathauspark, nicht als die große humanistische Gegenbewegung bezeichnet werden können, die man sich im Aufruf dazu erhoffte. Einige Politiker, wie die MSZP-Chefin Lendvai und Vertreter der Liberalen wurden auch gesichtet, am präsentesten war jedoch die Polizei, die Störungen von anderer Seite schnell abdrehte.

Eigentlich sollte ein breites Bündnis von links über grün bis bürgerlich Stärke gegen Rassisten und Rechtsradikale zeigen, die in Ungarn immer mehr die Medien und die öffentliche Meinung bestimmen und längst eine Bewegung mit breiter Akzeptanz geworden sind. In Wirklichkeit war die groß angekündigte Gegendemo mehr ein Treffen von ideologischen Selbsthilfegruppen. Es gab fast mehr Veranstalter als Teilnehmer.

Ungarns moralischer Status ist derzeit desolat

Die Kommunikation mit dem "normalen Volk" scheint den politisch Engagierten sichtbar abhanden gekommen zu sein, ganz im Gegensatz zur Rechten, die kein Mobilisierungsproblem in Ungarn hat. Viele richtige Parolen, ob von "Vereinigter Linke", einer feministischen Bewegung und verschiedenen Antifa-Grüppchen, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass "die Ungarn" offenbar keinen Bedarf sehen, die Rechtsextremen in die Schranken zu weisen und sei es nur, um ein Zeichen in Richtung europäische Öffentlichkeit zu senden, geschweige denn, sich mit ihren Mitbürgern, den Roma zu solidarisieren. Ungarns moralischer Status ist derzeit desolat.

Bei den Veranstaltungen beherrschten die Mordanschläge auf Roma die Reden, lediglich der Philosoph Miklós Tamás Gáspár, hielt in sehr engagierter Weise eine Rede, welche die tiefer liegenden Ursachen für die Entstehung faschistischer Bewegungen und des Chauvinismus` erklärte und die er mit der Mahnung verband, dass sich die Gesellschaft insgesamt erneuern, ja umwandeln muss, um Ärgeres zu verhindern. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Zusammensetzung des nächsten Parlamentes diskriminierende Gesetze gegen Minderheiten ermögliche und alles noch viel schlimmer kommen könnte als heute. Andere Schriftsteller sind lieber auf Lesereise als in Budapest.

Noch bis in die späten Abendstunden sollten Konzerte und Ansprachen stattfinden, die Polizei versucht indes Zusammenstösse zwischen Rechten und Linken so früh wie möglich zu unterbinden, was ihr bis zur Stunde gelang.

red.

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