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(c) Pester Lloyd / 36 - 2009  POLITIK 04.09.09
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Zankende Bengel im Buddelkasten

Ungarn und Slowakei vor dem Versöhnungsgespräch

Es kann nur noch bergauf gehen, meint Ungarns Premier Bajnai zu den Beziehungen mit der Slowakei und räumt ein, dass beide Länder derzeit ein lächerliches Bild abgeben würden. Auch der slowakische Außenminister glaubt, man habe in der EU jeden Kredit verspielt, warnt aber vor "schwierigen Gesprächen". Ungarns Präsident hat sich offenbar vorerst gegen Versöhnungsgesten entschieden und spielt das beleidigte Opfer, was der nationalkonservativen Oppostion sehr entgegenkommt.

Es sieht schon fast aus wie ein Ringkampf. Fico links und Bajnai rechts,
Tusk und Topolanek in der Mitte bei einem Treffen der Visegrád Vier.

Obwohl seit dem Inkraftreten des, wahrlich nutz- wie sonnlosen und von Ungarn wild befehdeten, Sprachengesetztes in der Slowakei noch nichts von Verhaftungen oder der Verhängung von Bußgeldern wegen unbotmäßiger Verwendung des Ungarischen in der Südslowakei bekannt geworden ist, bestimmt diese Novelle des Grauens weiter die bilateralen Beziehungen beider Länder. Um den Boden für ein gutes Gespräch mit seinem Amtskollegen Robert Fico am 10. September zu bereiten, sendete Ungarns Regierungschef nochmals Zeichen der Normalität über die Donau.

Beide Seiten würden von einer Normalisierung der Beziehungen profitieren, man müsse die Politik aus den Händen der Extremisten beider Länder nehmen, so die Grundaussagen eines Interviews, dass er am Donnerstag der ungarischen Nachrichtenagentur MTI gab. Etwas Gutes habe die Sache immerhin, die Beziehungen mit der Slowakei seien derart am Tiefpunkt, "dass es von hier aus nur noch bergauf gehen kann." Freilich betonte er auch die Ablehnung des "völlig unnötigen" Sprachengesetzes, räumte aber ein, dass die Ereignisse der letzten Wochen ein eher peinliches Bild beider Länder zeichneten.

"Ich weiß, dass es von außerhalb, aus europäischer Perspektive, aussehen muss, als wenn zwei Kinder sich im Buddelkasten balgen." Andererseits kann die Regierung nicht nichts tun, wenn die ethnischen Ungarn in der Slowakei "eine große Ungerechtigkeit fürchten". "Jedes Land würde an unserer Stelle genauso handeln." sagt Bajnai, ob er es auch glaubt, sagte er nicht. Er verstünde nicht, warum es der Stärkung der Slowakei nutzen sollte, wenn Leute dafür bestraft werden, wenn sie beim Arzt oder bei Kundgebungen Ungarisch redeten. Er werde Ungarn bei seinem Gespräch mit Fico konstruktiv vertreten und positive Vorschläge unterbreiten, welche die Situation verbessern könnten. Nähere Angaben dazu wollte er aber heute noch nicht machen.

Ungarns Staatspräsident László Sólyom hingegen gefällt sich immer mehr in der Rolle des Opfers völkerrechtswidriger Handlungen. Seine erwünschte politische Neutralität als Staatsoberhaupt hat er längst aufgegeben, heute versandte das Präsidialamt nochmals eine Stellungnahme wie das Verhalten der Slowakei gegen das Schengen-Abkommen etc. verstossen habe. Zuletzt wurde seine eher kontraproduktive Haltung gegenüber den Nachbarn beim Treffen mit Oppositionschef Viktor Orbán vom nationalkonservativen Fidesz deutlich, das als politischer Schulterschluss und klare Wahlkampfhilfe gewertet werden muss.

Gereizte Erwartung in der Slowakei

Der slowakische Außenminister Miroslav Lajcák erklärte gegenüber TASR, der slowakischen Agentur, dass das Treffen der beiden Regierungschefs "nicht einfach werden wird, weil beiden Seiten viel auf dem Herzen" haben. "Aber wichtig ist, ob sie Dinge diskutieren oder jemandem schaden wollen. In diesem Fall denke und sehe ich, dass eine positive Herangehensweise dominierend ist", sagte Lajcák. "Das, was wir brauchen, ist sprechen, kommunizieren und Dinge benennen, die uns gefallen und auch jene, die uns nicht gefallen. Aber es ist absolut klar, dass es kein Weg nach vorne ist, wenn man die Reaktionen über die Medien austauscht", erklärte er. Beide Länder hätten in letzter Zeit jeden Kredit bei der EU verspielt.

Lajcák hat auch kein Problem damit über die Verweigerung der Einreise für den ungarischen Staatspräsidenten László Sólyom zu sprechen. "Wir sollten uns mit Ungarn aber nicht auf einer Paragraphen-Ebene unterhalten, sondern als zwei Nachbarn - zwei verantwortungsvolle Länder, die auf eine gute Atmosphäre der gegenseitigen Beziehungen Wert legen. Es ist aber notwendig, nach vorne und nicht nach hinten zu schauen", unterstrich der slowakische Außenminister.

Ein wenig andere Töne schlug der Kulturminister des Slowakischen Republik an. Marek Madaric bezeichnete die Demonstration der Slowakenungarn am Dienstag in Dunajska Streda (unser Bericht) als "antislowakische Provokation". Die Redner und Organisatoren seien von ungarischen Medien aufgestachelt gewesen und hätten Lügen verbreitet. So sei im Gesetz mit keinem Wort davon die Rede, dass es einem Arzt nicht gestattet sei mit seinen Patienten in einer anderen Sprache als Slowakisch zu sprechen und er bei Zuwiderhandlung gar bestraft würde.

Er beschuldigte vor allem den Chef der Ungarnpartei SMK, Pál Csáky der bewussten Hetze. Noch am Vortag hatte Madaric angekündigt, dass sein Ministerium derzeit an Durchführungsbestimmungen für das Sprachengesetz arbeite, bis zu deren Fertigstellung ohnehin keine Bestrafungen erfolgten. Diese "Es wird nicht so heiß gegessen wie es gekocht wurde"-Äußerung brachte ihm umgehend Lob aus Ungarn und harsche Kredit aus nationalen Kreisen der Slowakei ein, was die Heftigkeit seiner heutigen Bemerkungen erklären hilft.

red.

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