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(c) Pester Lloyd / 38 - 2009  WIRTSCHAFT 14.09.2009
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Schöne neue Bankenwelt...

Die Banken in Ungarn definieren selbst, was sie für ethisch halten

Der lange verschleppte Ethikcode zum Umgang mit Kreditnehmern scheint jetzt unter Dach und Fach, aber keineswegs im Konsens erreicht zu sein. Denn der Chefverhandler der Banken trat am Tag der Verkündigung von seinem Amt zurück. Sein Stellvertreter fabuliert von einer "neuen Welt der Banken", in der Kunden sogar Geschäftspartner werden sollen dürfen. Das Notprogramm der Regierung gegen Zwangsräumungen greift indes kaum, es ist zu streng.

Nach Angaben der Banken, bedürfen nur wenige Kunden der vom Staat angebotenen Nothilfe, sollten sie ihren Hypothekenkrediten nicht nachkommen können. Bisher greifen hauptsächlich die "internen Schutzprogramme" für Kunden in Schwierigkeiten. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur MTI unter den führenden Kreditinstituten des Landes. Danach hätten rund 3.000 Kunden nach dem Notprogramm angefragt, erheblich weniger werden es aber wohl in Anspruch nehmen. Rund 10.000 Kunden habe man bisher mit geringeren Raten und / oder Laufzeitverlängerungen entgegenkommen können. Wieviele Kunden man zuvor mit einseitigen Maßnahmen in Schwierigkeiten gebracht hat, wurde nicht gefragt.

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Vor zwei Monaten setzte die Regierung ein Notprogramm in Gang, dass mit Hilfe von Staatsbürgschaften Menschen vor der Delogierung bewahren soll, die aufgrund von Arbeitslosigkeit zahlungsunfähig geworden sind. Nach Angaben von Zivilorganisationen soll es in Ungarn 2009 bisher schon über 45.000 Zwangsräumungen gegeben haben, weshalb das Regierungsprogramm auch als viel zu spät kritisiert wurde. Die Banken erläutern, dass die Bedingungen für die Brückenfinanzierungen durch den Staat so strikt formuliert sind, dass nur wenige Bürger tatsächlich dafür in Frage kommen. 80% der Anfragenden könnten sich mit der Bank selbst über neue Bedingungen einigen, so MTI.

Ethicode für Banken unterschriftsreif

Die Banken waren heftig in die öffentliche Kritik geraten, weil sie sich nicht an Absprachen gehalten hätten, die einseitige Konditionsänderungen an Kreditverträgen verhindern sollten. Für viele Schuldner hatten sich aufgrund der Währungsverluste des Forint ihre Fremdwährungskrediten verteuert, zum Teil um über 30%. Dazu sollte schon vor einem halben Jahr eine Art Ethikcode vorliegen, der klare Richtlinien für den Umgang mit solchen Kunden enthält. Die Banken mauerten lange, angeblich weil nicht klar war, wer die Regelungen kontrolliert. Außerdem machten sie klar, dass die bisherigen Entwürfe das Kreditgeschäft in Ungarn "beerdigen" würden, ihnen also faktisch die Geschäftsgrundlage entzogen würde. Die Regierung hingegen besteht auf einem Kodex, der auch von der Finanzmarktaufsicht PSZÁF kontrolliert und sanktioniert werden kann.

Vor einigen Tagen legte der Bankenverband den nun eingeforderten eigenen Entwurf vor, sowohl aus Sicht des Bankenverbandes als auch der Finanzaufsicht, sei dieser nun endlich unterschriftsreif. Er kam jedoch nur zu Stande, weil Regierungschef Bajnai ultimativ mit einem eigenen Gesetz gedroht hatte. Nun wird in der "sanktionierbaren Selbstverpflichtung" nicht nur der Umgang mit in Turbulenzen geratenen Kunden beschrieben, sondern auch ein Grundrahmen für die zukünftige Kreditvergabe gesetzt. Festgelgt wird u.a. auch, dass Bearbeitungsbeühren nicht über der Infaltionsrate wachsen dürfen. Das Gesetz über die Finanzwirtschaft wird entsprechend angepasst, damit es da keine Widersprüche gibt, kündigte die Staatssekretärin im Finanzministerium Erika Marsi an. Kritiker meinen, da sei ein sehr eigenartiges Konstrukt entstanden. Eine Selbstverpflichtung mit der Möglichkeit des Staates Strafen zu verhängen. Einfacher wäre es gewesen, ein klares Gesetz zu erlassen. So sieht es nun aus wie ein Quasi-Gesetz, dass sich die Banken unter sehr sanftem Druck selbst geschrieben haben. Die Ethik hatte keine eigene Verhandlungsdelegation entsenden dürfen.

Chefverhandler tritt zurück

Der Vizepräsident der Ungarischen Bankenvereinigung, Mihály Patai, sagte, dass es im besten Interesse des Finanzsystems ist, wenn die ungarischen Banken dieses Papier unterzeichneten. "Eine neue Welt im Bankenleben entsteht", fabulierte der Managerfunktionär. "In dieser Welt wird für die Kunden alles durschaubar sein, eine neue Partnerschaft wird entstehen zwischen Banken und Kunden." Eine Aussage, die zwangsweise impliziert, dass Banken vorher für Kunden weder transparent, noch wirkliche Partner waren... Patai ist übrigens Chef der UniCredit in Ungarn und gleichzeitig Präsident der Börse.

Mit der Verkündigung der Einigung über Ethikcode, erklärte der Präsident der Ungarischen Bankenvereinigung, Péter Felcsuti (gleichzeitig Chef der Raiffeisen Bank Ungarn) seinen Rücktritt "auf eigenen Wunsch" an. Er nannte am Mnatg "Uneinigkeit" mit "verschiedenen Schlüsselfiguren der Bankenvereinigung" als Grund, ohne dabei auf weitere Details einzugehen. Gerüchte aus dem Umfeld des Managers besagen, dass er den Ethikcode als zu sehr gegen die Interessen der Banken gerichtet, ablehnt und nicht mittragen will. Man kann also wieder nur ahnen, was hinter den Kulissen vor sich ging. Sein Unternehmen, die Raiffeisen Ungarn, entließ bereits Dutzende Mitarbeiter und wird 20 Filialen schließen.

red.

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