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(c) Pester Lloyd / 38 - 2009  WIRTSCHAFT 16.09.2009
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Gastkommentar

Füchse geloben Besserung

Im südungarischen Bugacpusztaháza haben Vertreter der Füchse des benachbarten Nationalparks Kiskúnság im September einen freiwilligen Verhaltenskodex unterzeichnet. Danach werden die Füchse bei ihren Exkursionen auf die Gehöfte der Umgebung in Zukunft auf unsittliche Praktiken verzichten, und ihre Ernährungspolitik auf transparente Weise dokumentieren.

Den Kodex hatte die örtliche Gemeindeverwaltung gefordert, nachdem immer mehr Landwirte der Umgebung über hohe Verluste durch die Ernährungspraktiken der Füchse geklagt hatten. Bürgermeister Csirke István sprach bei der Unterzeichnung des Kodex von einem großen Erfolg für das Gemeinwesen und für das friedliche Nebeneinander der verschiedenen Populationen der Region.

Mit dem neuen Kodex verpflichten sich die Füchse, Hühner in Zukunft nur bei dringendem Nahrungsbedarf zu reißen. Küken sollten im allgemeinen möglichst geschont werden, soweit dies keine unzumutbare Einschränkung ihrer Lebensweise bedeuten würde. In Zweifelsfällen wird eine ehrenamtliche Ethik-Kommission aus fünf Füchsen über die Zulässigkeit eines Zugriffs entscheiden.

Kritiker bemängelten, dass z.B. Vertreter der Ungarischen Geflügel-Partei (Magyar Szárnyas Párt - MSZP) nicht an den Beratungen über den Kodex beteiligt waren. Diese hatte z.B. die Errichtung von fuchssicheren Zäunen gefordert. Dies wurde von der Gemeindeverwaltung jedoch mit Hinblick auf die hohen Kosten abgelehnt. „Außerdem würde dies eine radikale Einschränkung der Freizügigkeit in der Region und damit der persönlichen Freiheit bedeuten“, so Bürgermeister Csirke.

Ferenc Szelíd vom Landesverband der Füchse (Országos Rókaegyesület– ORE) erklärte, dass die Interessen der anderen Seite angemessen berücksichtigt worden seien. „Es ist ein großer Fortschritt, dass die Auswahl der zur Ernährung der Füchse erforderlichen Hühner in Zukunft nach transparenten Kriterien erfolgen wird, die jeder Fuchs bei seinen Exkursionen nach Möglichkeit berücksichtigen soll. Diese Kriterien können Vertreter der gefiederten Zunft jederzeit einsehen, und sich gegebenenfalls mit Beschwerden an die Öffentlichkeit wenden. Die Gemeinde stellt dafür eine gesonderte Anschlagsäule zur Verfügung”, so Szelíd.

Kritik kam allerdings auch vom örtlichen Förster László Rendes. Er hatte beanstandet, dass im Verhaltenskodex keine Sanktionen im Falle der Nichteinhaltung vorgesehen seien. Rendes forderte eine gesetzliche Regelung durch den Gemeinderat, die bei Verletzung auch den Abschuss des Delinquenten ermöglichen sollte. „Eine solche drastische Lösung ist weder erforderlich noch im Einklang mit den freiheitlichen Grundrechten, die auch Füchsen zustehen“, so die Reaktion von Bürgermeister Csirke. Er sicherte jedoch zu, den Erfolg des Kodex nach einer angemessenen Frist von unabhängigen Experten der Vegetarier-Kammer prüfen zu lassen, und gegebenenfalls Nachbesserungen anzumahnen. Förster Rendes wurde zwischenzeitlich entlassen, die Stelle soll bis auf weiteres nicht wieder besetzt werden – aus Kostengründen, wie es dazu aus dem Bürgermeisteramt hieß.

Manfred Reineke

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