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(c) Pester Lloyd / 40 - 2009  FORSCHUNG 02.10.2009
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Ein bisschen weniger quälen...?

Ein Fachkongress in Budapest soll Alternativen zu Tierversuchen aufzeigen

300.000 Tiere werden in Ungarn jedes Jahr zu Versuchszwecken "verbraucht". Europäisches Mittelfeld. Ein Fachkongress will nun Tierversuche eindämmen und "verfeinern", wo sie - aus Sicht der Industrie - nicht abzuschaffen sind. "Perfekte Modelle statt fühlende Tiere" heißt das liebreizende Motto. Manche halten das ganze für eine Alibi-Veranstaltung, andere für einen wichtigen Fortschritt. Dabei liegt der Tierschutz in Ungarn sowieso im Argen.

Unter dem Motto: "Perfekte Modelle statt fühlende Tiere" werden Forscher, Pharmakologen, Ärzte und Chemie-Experten an diesem Wochenende bei einem sogenannten „3R-replacement”-Kongress in Budapest tagen. Das internationale Treffen basiert auf dem in der Fachwelt als 3R bezeichneten (replacement, reduction, refinement) Grundsatz. Der erste „R”-Buchstabe (replacement) steht für das Ersetzen von Tieren durch andere Versuchsmodelle, das zweite „R” (reducement) deutet auf die Reduktion der Anzahl von den „verwendeten” Tieren bei den Versuchen hin, falls diese in dieser Form unumgänglich sind. Die dritte „R” (refinement) bedeutet die Verfeinerung, die Erhöhung der Spezifität sowie die gründlichere Planung von den Experimenten, damit aus den als unbedingt notwendig erachteten Tierversuchen noch qualitativ und quantitativ höhere Ergebnisse erzielt werden können. Dabei ist es ein Ziel, die dem Tier verursachten Schmerzen und Leiden zu verkürzen sowie zu mildern.

Nach Angaben der Veranstalter besteht das Hauptanliegen der Konferenz in Budapest darin, den Experten die Möglichkeit zu bieten, sich über den neuesten Stand der – tierversuchslosen - Alternativmethoden in der pharmezeutischen Forschung zu informieren und gemeinsam neue Wege zu erarbeiten. Auf der Gästeliste findet man fast jedes namhafte Chemie- sowie Pharmaunternehmen Europas. Das heimische Publikum umfasst nicht nur Ärzte, Forscher und Professoren, sondern auch die Vertreter der Behörde sowie des Tierschutzes. Obwohl die Interessen und die Sichtweisen oft ganz verschieden sind, können die vier Plattformen langfristig doch nur gemeinsam Ergebnisse erreichen. Vor allem Tierschützer bezeichnen diese Art von Fachtreffen jedoch eher als eine Art Beratung, wie man Tierversuche in Zukunft besser verkaufen kann, also negative Presse verhindert.

Interessant ist immerhin der Ansatz, der sich nicht nur auf ethische Argumente gründet, sondern die forschenden Unternehmen finanziell zu einem tierfreundlicheren Verhalten stimulieren will. So können die alternativen Methoden für die Forschungs- und Lehrinstitute, sowie für die Industrie aus Budgetüberlegungen her interessant werden. Eine validierte, also genehmigte und bewährte Alternativmethode kann nämlich auch aus finanziellen Gründen gegenüber den Versuchen am lebenden Tier anziehend wirken. Da diese Methoden meistens nur einmalige Investition mit sich bringen, entstehender Haltung und Züchtung von Tieren keine langfristigen Kosten mehr.

Jährlich werden allein in Ungarn 300.000 Tiere "verbraucht"

Im Hinblick auf die Anzahl der jährlich auf dem Altar der Forschung geopferten Tiere befindet sich Ungarn im europäischen Mittelfeld. Anhand der offiziellen Quellen werden in Ungarn – ähnlich zu Österreich - jährlich durchschnittlich 300.000 Tiere in der Forschung "verbraucht". Von einer hohen Dunkelziffer ist auszugehen. Den EU-Vorschriften entsprechend können in Ungarn Experimente für kosmetische-, Tabak- und Rüstungszwecke nicht genehmigt werden. Nach einer Regelung aus dem Jahr 2002 können seit 2004 keine eingefangenen Streunertiere für Versuchszwecke herangezogen werden, was früher gängige und für viele auch lohnende Praxis war.

Dass die Tierschutzstandards in Ungarn ohnehin noch im Argen liegen, ja Tiere oft noch wie leblose Gegenstände benutzt und behandelt, vernachlässigt, gequält und abgeschlachtet werden, wie zahlreiche empörte Zuschriften unserer Leser belegen, ist zwar kein Thema dieses Kongresses, sollte aber an anderer Stelle dringendst behandelt werden.

Éva Hercsuth / red.

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