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(c) Pester Lloyd / 40 - 2009
WIRTSCHAFT 07.10.2009
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Rallye oder Irrfahrt
Die Börsen in Osteuropa hatten ein traumhaftes 3. Quartal. Ein Anlass zur Sorge.
Nicht wenige werden wohl den "richtigen" Einstieg in die Hausse verpasst haben, die vor allem die Ostbörsen im letzten halben Jahr hingelegt haben
und fragen sich nun, ob der Einstieg jetzt noch lohnt. Befragen wir die CEE-Experten der Erste Group in Wien, ob der Aufwärtstrend so weitergeht,
gar eine neue Blase entsteht, bekommen wir ein fachlich untermauertes Sowohl-als-Auch. Fachlich untermauert sind hingegen die Vorgänge an den Ostbörsen längst nicht mehr.
Das ist wieder typisch, wird sich der Laie gedacht haben. In der Krise brechen die
Kurse ein, der Kleinanleger verliert sein Geld, die Experten raten, ja vorsichtig mit Aktien zu sein und dann steigen diese Sch...papiere ausgerechnet um 50%.
Und wer ist wieder der Dumme? Eben. Trösten kann man sich höchstens damit, dass man durch den Verzicht auf eine Mitwirkung bei dieser irrwitzigen
Abkopplung der Finanz- von der Realwirtschaft moralisch auf der richtigen Seite steht, wenn auch zur Zeit ärmer als die andere. Nun steht die Frage im Raum:
geht das munter so weiter? Platzt eine neue Blase? Gewinnmitnahmen? Immer noch Einstiegskurse? Hallo? Eine Quartalsanalyse der ERSTE Group gibt zwar
Aufschlüsse, warum alles so kam, wie es kam, kann aber - naturgemäß - auch nicht hell sehen.
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Die Zahlen des dritten Quartals sind beeindruckend. Sogar das größte Sorgenkind
der Region, Ungarn, konnte mit seinem BUX-Index um beachtliche 37,4% zulegen. Doch ehrlich, wer traute sich vor 6 Monaten diese Prognose? Und hat sie
überhaupt etwas mit der realen Entwicklung zu tun? Die Aussichten für Ungarns Wirtschaft sind auch für 2010 noch nebelig bis negativ. Was an den Börsen
Osteuropas derzeit passiert, ist also zum Teil eine Korrektur, zu einem anderen Teil aber auch wildeste Zockerei.
Wenn man die Risiken auf allen Seiten betrachtet, die privater Kreditausfälle im
zweistelligen Prozentbereich, jene von Währungsschwankungen (die ja auch nicht vom Himmel fallen), die ganze Staaten in die Pleite treiben können bis hin zur
Unvorhersagbarkeit der mittelfristigen Konjunktur und der Investitionsentwicklung, wäre eine Suspendierung der Handelstätigkeit für die
nächsten zwei bis drei Jahre der einzig vernünftige Schritt. Als Kapitalquelle für Unternehmen hat die Börse längst ausgedient, sie wird also nur jenen fehlen,
denen der kurzfristige Profit, auch auf Kosten anderer, über allem steht. Jenen also, die wir gerade nicht brauchen.
Beeindruckt haben die Börsen schon, vor allem jene der Balkanstaaten, vor allem
Serbien und Bulgarien haben mit 43 und fast 40% einige Leute reicher gemacht, wenn es sich um welche handelte, die vor dem Krisencrash rechtzeitig
abgesprungen sind. Das müssen jedoch wertmäßig weniger als die Hälfte der Aktieninhaber gewesen sein, sonst hätte es ja eben keinen Crash gegeben. Aber wie auch immer.
Die Erste empfiehlt für die, "die drin sind", nur wenig Korrekturen am Portfolio.
Österreich, Polen und Tschechien bleiben neutral bis übergewichtet, wir hatten an anderer Stelle schon darauf hingewiesen, dass dies auch im eigenen Interesse der
Bank ist, aber momentan auch objektiv zutreffen sollte. Ungarn wird angefasst wie ein rohes Ei bzw. ein faules, Russland und Türkei ist nur in bestimmten Branchen interessant.
Die Charts geben einen interessanten Überblick dazu. Die beiden hier über die
enormen Branchenunterschiede in der Performance und deren Entwicklung und Verschiebung vom 1. auf das 3. Quartal, der Chart oben im Text berichtet über
die Länderergebnisse an den CEE-Börsen. Anlagetipps bekommen Sie von uns keine, mit Bedacht.
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(c) Pester Lloyd
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