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(c) Pester Lloyd / 41 - 2009
KULTUR 08.10.2009 _______________________________________________________
Schuld ohne Sühne
Jelinek-Stück zu Rechnitz-Massaker in Budapest
Die Münchner Kammerspiele bereichern das Budapester Herbstfestival mit einem kontroversiellen Stück, einer neuen Arbeit von Elfriede Jelinek.
Rechnitz (Der Würgeengel) erzählt von einer wahren Geschichte, vor allem aber auch von fehlender Gerechtigkeit. Der Auftritt am 17. Oktober im
Thalia Theater in der Nagymezö Straße ist in deutscher Sprache, mit ungarischen Untertiteln, was auch irgendwie zur Geschichte passt.
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Was sich im März 1945 im burgenländischen Rechnitz abspielte, wurde erst vor
einigen Jahren aufgedeckt: Auf einer eleganten Party greift man zu fortgeschrittener Stunde zum Gewehr und ermordet aus einer Laune heraus fast
200 Menschen. In der Nacht zum Palmsonntag am 25. März 1945 feiert Gräfin Margit von Batthyány, eine Enkelin des Stahlmagnaten August Thyssen, auf ihrem
Schloss in Rechnitz an der österreichisch-ungarischen Grenze ein Fest mit "Getreuen": SS-Offizieren, Gestapo-Führern und einheimischen
Nazi-Kollaborateuren. Gegen Mitternacht werden an die 200 jüdische Zwangsarbeiter zusammengetrieben und von einer Schar Angetrunkener
erschossen. Die Täter fliehen kurz darauf ins Ausland, Schloss Rechnitz geht in Flammen auf, die Russen marschieren ein. Nach dem Krieg verschwinden Zeugen
des Massakers, Strafverfahren enden im Nichts. Die 200 Leichen hat man bis heute nicht entdeckt – aber wollte man das überhaupt?
Elfriede Jelinek macht sich in ihrem neuen Stück auf Spurensuche, allerdings nicht
als Historikerin. Auf der Folie von Luis Buñuels Filmklassiker Der Würgeengel drängen in Rechnitz Boten in einen Raum, den keiner mehr verlassen wird. Sie
berichten, in Wiederholungen, Variationen und Widersprüchen, von der grausamen Tat, versuchen, das Unsagbare in Worte zu fassen, umkreisen das Ungeheuerliche, ohne sein Zentrum zu erreichen. Ein dichtes,
übereinandergeschichtetes Bild der Ereignisse entsteht, verharrend in seiner Unschärfe, die umso bohrendere Fragen provoziert.
Regie: Joss Wieler; Darsteller: Katja Bürkle, André Jung, Hans Kremer, Steven Scharf, Hildegard Schmahl www.thalia.hu
Zum Thema: Das Mordfest auf Schloss Batthyány
In Kooperation mit kultura.hu
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