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(c) Pester Lloyd / 43 - 2009  WIRTSCHAFT 22.10.2009
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1000 km Abstellgleis

Die ungarische Bahn stellt den Verkehr auf 33 Strecken ein

Der Verkehrsminister des Landes, Péter Honig, verkündete auf einer Pressekonferenz am Dienstag in Budapest die Einstellung von insgesamt 33 Strecken der Staatsbahnen MÁV. Auf den rund 1.000 Kilometern fahren jetzt noch täglich rund 6.400 Passagiere. Die Ankündigung kommt in einem heiklen Moment, die allein gelassenen Bahner sind ohnehin auf Streik eingestellt. Auch das Sanierungskonzept des Ministers klingt wenig überzeugend.

Der Betrieb dieser 33 Strecken bringe ein jährliches Defizit von 7 Milliarden Forint (ca. 26 Mio EUR), Geld, dass die Bahn an anderer Stelle dringend benötige. Die 33 Strecken umfassen insgesamt immerhin fast 1.000 km Weg und betreffen täglich 6.400 Passagiere. Die Infrastruktur bleibe aber erhalten, um sie für Frachtfahrten weiter nutzen zu können. Man habe sorgfältig aus 46 überprüften Strecken ausgewählt, um die negativen Einflüsse für Pendler und andere Nutzer so gering wie möglich zu halten. Der Minister wolle sich zudem dafür einsetzen, dass in einigen Fällen, Busse an die Stelle früherer Bahnverbindungen zwischen Orten eingesetzt werden. Bereits im Winterfahrplan, also Anfang Dezember, sollen die Änderungen enthalten sein. In den nächsten Tagen wird darüber informiert, um welche Verbindungen genau es sich handeln wird.

Dreijähriges Sanierungsprogramm
mit zu wenig Geld und zweifelhaften Zielen

Nach der Streckenkürzung wird die ungarische Bahn im neuen Fahrplan noch 124 Verbindungen auf insgesamt 6.858 anbieten. 60% der Züge fahren jedoch auf lediglich 2.880 der meistgenutzten Strecken. 40% der Züge teilen sich also 4.000. Man erhofft sich durch den neuen Fahrplan übrigens ein 5%iges Umsatzplus, erklärte aber nicht, woher das kommen soll. Für die Restrukturierung der maroden Bahn werden in den nächsten drei Jahren 48 Milliarden Forint (ca. 182 Mio EUR) benötigt. Diese sollen durch Kredite aufgebracht werden.

Experten halten diese Zahl für lächerlich, wenn man die Bahn wirklich zukunftsfähig durchsanieren will. Dazu bräuchte man bis zu einer Milliarde EUR. Personalabbau wird es vor allem für Zeitarbeiter geben, die bei der Bahn tätig sind. 2010 könnten 1.000 solcher Verträge gekündigt werden. Alles in allem umfasst die dreijährige Restrukturierungsmassnahme der Bahn, nach ministerieller Kalkulation ein Einsparpotential von 70 Milliarden Forint, ca. 270 Mio EUR. Dies gelinge jedoch nur, wenn die Bahn "effizienter" handele, das Tarif- und Rabattsystem "umbaue" und insgesamt schlanker werde, meinte Minister Honig.

Kampfeslustige Bahngewerkschaft

Der Zeitpunkt der Verkündigung der Streckenstillegungen ist ein heikler. Am Montag begann eine einflussreiche Bahngewerkschaft mit vereinzelten Protestaktionen und Streiks, die bisher zwar noch glimpflich abliefen, die aber durchaus weiter ausgedehnt werden könnten, bis zur Lahmlegung des Personenverkehrs in, von und nach Ungarn. Die Proteste richteten sich gegen ein "Kaputtsparen" der Bahn und eben befürchtete Streckenstillegungen. Diese fielen nun zwar deutlich milder aus als von der, der Opposition nahestehenden, Gewerkschaft befürchtet (sie mutmaßte 3.000 km Stillegungen), dennoch könnte die ministerielle Ankündigung Wasser auf die Mühlen der durchaus auch politisch motivierten Streikleitung sein. Auch sind ihrer Forderungen nach einer Beteiligung am Verkaufserlös der Cargosparte (man will knapp 1000 EUR pro Bahner) und jene nach der Rücknahme der Subventionskürzung um ca. 40 Mrd. Forint im Haushalt 2010 noch nicht erfüllt, aber auch kaum mehr verhandelbar.

Interessant ist, dass in dieser Lage nicht etwa der Bahnchef selbst die schlechte Nachricht überbrachte, sondern der Minister. Der Bahnchef ist nämlich bereits ein Fidesz-Mann, der, von Premier Bajnai eingesetzt, für personelle Kontinuität sorgen soll, wenn im nächsten Frühjahr seine Partei die Macht übernimmt. Dass dieser einen Schrotthaufen übernimmt, wusste er, dennoch war es ihm wohl lieber, dass ein Mitglied der sozialistischen Regierung die unangenehme, aber wohl notwendige Sparmaßnahme verkündete.

Zum Thema:

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