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(c) Pester Lloyd / 43 - 2009  POLITIK 20.10.2009
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Warum die Eile?

Streit um H1N1-Impfstoff auch in Ungarn

In Ungarn hat man ein ähnliches Problem mit dem Impfstoff für das A/H1N1-Virus wie in Deutschland. Führende Experten und auch Politiker halten ihn schlicht für nicht ausreichend getestet, um ihn auch an Schwangeren und Kleinkindern einzusetzen. Der Gesundheitsminister unterdrückt die Meinung von Experten und stützt sich auf zweifelhafte Empfehlungen.

Das im eigenen Lande von der Firma Omnivest hergestellte Mittel wird bereits seit Wochen in Massenproduktion hergestellt, einer der führenden Impfexperten des Landes sieht jedoch erhebliche Risiken und kritisiert sowohl die Testreihe des Herstellers als ungenügend als auch die hektische Zulassungspraxis der Behörden. Während in Deutschland die Information hohe Wellen schlug, dass die Regierung, Militärs und andere Staats-VIP´s ein besseres Impfmittel erhalten, dass ohne Wirkstoffverstärker auskommt, machen in Ungarn immer neue Horrormeldungen über mögliche Nebenwirkungen die Runde. Auch hierzulande kursieren die Schlagworte von einem groß angelegten Menschenexperiment für die Pharmaindustrie.

Nun fordert auch noch der "Seuchenrat", ein Beratungsgremium des ungarischen Gesundheitsministeriums, dass sich der Produzent schnell um eine Zulassung bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMEA kümmern soll, "um verloren gegangenes Vertrauen" wieder herzustellen. Die Berater der Regierung stellen sich ebenso auf den Standpunkt, dass man nach dem derzeitigen Prüfstand eine Ausgabe an Schwangere und Kleinstkinder nicht gutheißen könne. Alternative Impfstoffe seien derzeit aber nicht ausreichend im Lande verfügbar, sagte András Szalka, ein Mitglied des Seuchenrates.

Er kritisierte auch, dass die offiziellen ungarischen Gesundheitsbehörden weder genug Mittel noch Laborkapazitäten hätten, um schnell und umfassend selbst solche Tests durchzuführen. Ärzte und Pharmakologen führender Kliniken kritisierten die unvorsichtige Eile bei den medizinisch zweifelhaften Bemühungen um einen flächendeckenden Impfschutz für die Bevölkerung.

Der Gesundheitsminister Tamás Szekely reagierte genervt auf die Ratschläge seiner Experten und disqualifizierte sie bei einer Sitzung am gestrigen Montagabend als "private Meinung" ab. Er äußerte, "der ungarische Impfstoff ist auch nicht schlechter als andere Produkte, die man derzeit auf dem Markt" habe. Eine Formulierung, die nicht unbedingt beruhigen wird. Er fügte hinzu, dass auch die US-Behörde für Katastrophenschutz eine Impfung für Schwangere empfohlen hat, verschwieg aber, dass die Zulassungsstelle für Medikamente, dies ausdrücklich (noch) nicht empfohlen hat.

Ungarn hat bisher 283 Fälle der neuen Grippe gemeldet, am letzten Donnerstag gab es den vierten Todesfall, womit Ungarn eine relativ hohe Sterberate hat, allerdings schon beim ersten Todesfall wurde von Experten in Zweifel gezogen, dass die Schweinegrippe wirklich die Todesursache war.

H1N1: Ungarn testet und produziert schon Impfstoff

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