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(c) Pester Lloyd / 44 - 2009
BILDUNG 28.10.2009
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Kluge Köpfer gegen die Krisen des Kapitalismus
George Soros gründet in Ungarn ein Institut, quasi gegen sich selbst
50 Millionen US-Dollar, verteilt über zehn Jahre, spendet der aus Ungarn stammende Milliardär Georg Soros für die Einrichtung eines "Institutes für
neue Denkansätze in der Wirtschaft", kurz INET. Es wird angesiedelt bei "seiner" Central European University, CEU, einer Kaderschmiede für die
Wirtschaft. Damit stiftet Soros ein Institut, das Mittel gegen ein System finden soll, das den Stifter selbst reich gemacht hat. In Ungarn hat man auch
noch nicht vergessen, dass einer seiner Fonds die OTP-Bank spekulativ angegriffen hat.
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Soros sprach in Budapest an der Central European University, CEU, über die das
INET-Institut finanziert wird und die auch auf seine Gelder und Initiative zurückgeht. "Das gesamte Gebäude der weltweiten Finanzmärkte wurde auf der
falschen Annahmen aufgebaut, man könne Märkte einfach sich selbst überlassen. Nun müssen wir ein neues Paradigma finden und das Ganze von Grund auf neu
aufbauen. Ich habe mich entschlossen, das INET-Institut zu unterstützen, um einen Beitrag zu diesem Prozess zu leisten. Ich hoffe sehr, andere werden mich dabei begleiten".
In einem Grundsatzpapier zur Gründung des INET-Instituts schrieb Professor
Stiglitz: "Die Finanzkrise hat in den Wirtschaftswissenschaften einen Moment des tiefen Nachdenkens ausgelöst, denn sie hat viele langjährige Vorstellungen in
Frage gestellt. Falls Wissenschaft sich dadurch auszeichnet, die Zukunft vorhersagen zu können, so sollte die Unfähigkeit eines Grossteils der
Wirtschaftswissenschaften, die Krise vorherzusagen, Grund genug dafür sein, dies zu einem grossen Anliegen zu machen."
"Innovative Denker kommen zusammen, um den Herausforderungen der
weltweiten Wirtschaftskrise entgegenzutreten", so beschreibt sich die Neugründung in einer Aussendung selbst. Man will Antworten auf die politischen
Herausforderungen durch die Wirtschaftskrise geben. Vorherrschende Dogmen sollten durch neue Theorieansätze hinterfragt werden. Zu den Mitgliedern des
Gründungsbeirates des INET-Instituts gehören etliche Nobelpreisträger.
Das Institut wird Forschungsstipendien vergeben, Symposien veranstalten und eine
eigene Zeitschrift herausgegeben. Eine erste Konferenz findet vom 9. bis zum 11. April am King's College in Cambridge statt. Dabei "wollen die Gelehrten die
Bedeutung der Finanzkrise für die Regulierungspolitik" eruieren, heißt es. Die ersten Forschungsstipendien werden noch vor Jahresende an vielversprechende
Stipendiaten an führenden Universitäten vergeben. Geschäftsführer des INET-Instituts wird der "im staatlichen, akademischen und privaten Bereich
erfahrene" Wirtschaftswissenschaftler Robert Johnson.
Eindrucksvolle Persönlichkeit mit zwiespältigem Handeln
Die Person und das Handeln von George Soros ist mit illuster nur sehr
zurückhaltend beschrieben. Der 1930 in Budapest Geborene und 1946 von dort in die USA Geflohene, ist der Guru der Finanzjongleure, einer der mächtigsten
Fondsmanager und geschicktesten Hedgefondsartisten der Welt und dabei erfolgreich, also unermesslich reich. Auf der einen Seite ist er treibender Teil der
Abkopplung der Finanz- von der Realwirtschaft, also wenn man so will, einer der Mitauslöser der Finanzkrise, auch wenn er immer das Gegenteil behauptet (was ja Teil des "Spiels" ist).
Auf der anderen Seite ist er einer der größten Bildungsmäzene und Wohltäter der
heutigen Zeit und engagiert sich vor allem im ehemaligen Ostblock mit zahlreichen Initiativen von Charity über Unis bis hin zu erneuerbaren Energien.
Auf Konferenzen tritt er als Kritiker des Turbofinanzkapitalimus der "Neocons" auf, gibt sich als weitsichtiger Philanthrop, aber eines seiner Unternehmen wurde
in Ungarn kürzlich verurteilt, weil es am Beginn der Finanzkrise mit illegalen Methoden gegen die OTP-Aktie spekuliert hat und damit die wichtigste Bank des
eigenen Heimatlandes gefährdete. Soros sagte, er habe das persönlich nicht gewollt und bedauerte. Ein Grund mehr über die Kontrolle der Finanzsysteme die
klügsten Köpfe nachdenken zu lassen, oder doch nur ein Schachzug, um neue Entwicklungen schon im frühen Stadium im eigenen Sinne beeinflussen zu können?
Webseite des neuen Institutes: www.ineteconomics.org
Zum Thema:
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(c) Pester Lloyd
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