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(c) Pester Lloyd / 45 - 2009  WIRTSCHAFT 05.11.2009
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Katastrophen "im Rahmen der Erwartungen"

Wie sich Banken und Banker in Ungarn ihre Welt schönreden

Die ungarische Nationalbank, die EBRD und der Chef der Bankenvereinigung äußerten sich, getrennt voneinander, doch in gleichlautendem Schönsprech über die Lage der ungarischen Banken. Einige Probleme werden zwar angetippt, doch der Berufsoptimismus der Profis übertüncht die wirklichen Probleme. Stabilität, so lehren die Lageeinschätzungen, ist ein dehnbarer Begriff und hat für die Banken am wenigsten mit der Kundschaft zu tun.

Der neueste Stabilitästbericht der ungarischen Nationalbank NBH spricht von einer wachsenden Verbesserung der Lage und der "Fähigkeit, die Herausforderungen der neuen wirtschaftlichen Umgebung zu meistern." Das machen die Zentralbanker in erster Linie an dem "höheren Kapitalpuffer" aus, den sich die Kreditinstitute auf Befehl angefressen haben. Die Eigenkapitalquote soll demnach bei über 11%, fast 12% liegen und würde die Empfehlung der "Stresstests" damit also um mehr als einen Prozentpunkt übertreffen. Gleichzeitig habe man das Kredit-Einlage-Verhältnis verbessert und die Liquidität gesteigert - freilich im Vergleich zum April 2009.

Leere Pracht und hohle Worte - Im Inneren der Ungarischen Nationalbank

Dass Banken "wachsende Kreditausfälle in 2009 und 2010, wegen des rezessiven Umfeldes" abzuschreiben haben, stimmt. Man könnte noch ergänzen: wegen des auch von ihnen mit verschuldeten rezessiven Umfeldes. Optimismus á la Nemzeti Bank liest sich so: "Der Qualitätseinbruch bei den Kreditportfolios gestaltet sich weitestgehend im Rahmen der Erwartungen." Das klingt wirklich beruhigend. Und weiter: Stresstests der Zentralbanker hätten gezeigt, dass selbst bei "einer sich weiter verschlechternden Wirtschaftssituation, sich der Refinanzierungsbedarf der Banken auf einem zu managenden Level bewegt." Eigentlich dachten wir ja, das schlimmste sei sicher vorbei und von den Managementqualitäten gestresster Banker in einem sich verschlechternden Umfeld bekam die Welt im letzten Herbst eigentlich genug Kostproben. Dieser Stresstest ging von einem Worst-Case-Szenario von -4,7% beim Wachstum aus, einer Forintrate zum EUR von 315, Kreditausfällen von 5,6%. Soweit von einer denkbaren Möglichkeit lag man also gar nicht. Konkret erwartet man eine Verdreifachung der Kreditverluste ungarischer Banken, die aber dennoch dieses Jahr Gewinne von insgesamt bis zu 200 Milliarden Forint (ca. 800 Mio EUR) abwerfen werden, für 2010 tippt man auf ca. 150-250 Milliarden.

Keine wirksamen Kontrollinstrumente

Die Nationalbank verweist weiterhin auf die hoffentlich segensreiche Wirkung des "freiwilligen" Ethikcodes im Hinblick auf den Umgang mit Fremdwährungskrediten und vor allem denjenigen, die sie zu bezahlen haben. Von dem, zuerst boykottierten, dann zerredeten und schließlich geschmeidig gemachten, Ethikcode, über den sogar der Chef der Bankenvereingung stolperte, hörte man eigentlich seit seiner Verabschiedung nichts weiter als das er existiert. Die NBH weist klugerweise darauf hin, dass sie, obwohl das immer mal wieder anklang, bisher über keine wirksamen Instrumente verfügt, um einer erneuten exzessiven Vergabe von Fremdwährungskrediten an Privatkunden einen Riegel vorzuschieben. Die ewig durch die Institutionen geisternde Neuregelung der Finanzaufsicht muss irgendwo auf den Fluren der Nationalbank, des Finanzministeriums oder der Finanzaufsicht PSZÁF verloren gegangen sein. Die von NBH-Gouverneur András Simor geforderte Begrenzung von Raten nach Einkommen scheint vorerst vom Tisch.

Auch der neu gewählte Chef der ungarischen Bankenvereinigung Tamás Erdei (Chef der Ungarischen Außenhandelsbank MKB, eine Tochter der Bayern LB, die aufgrund der krisenbedingten Neuausrichtung der Mutter bald zum Verkauf stehen wird) betont die wieder wachsende Stabilität des ungarischen Finanzmarktes und vor allem der Banken. Das ist auch sein Job. Das, und dafür zu sorgen, dass der Staat sich möglichst weiter aus den Geschäften raushält. Immerhin sieht er die Kreditausfallrate in Ungarn etwas realistischer, nämlich bei 7-10% zum Jahresende, was die Eigenkapitalquote auf 10% senken würde, aber immer noch mehr als ausreichend sei.

Wie ein Kaninchen auf die Schlange

10%, das ist heute schon die Quote derjenigen Bankkunden, die mehr als 90 Tage hinter ihren Bankforderungen zurückliegen, de facto also verschuldet sind. (nicht ganz zufälligerweise läuft diese Zahl im Gleichschritt mit der der Arbeitslosen). Besonders beängstigend ist zudem, dass immernoch 70% aller Privatkredite auf Fremdwährungen lauten, womit erklärt ist, warum "Analysten" wie Hausfrauen den halben Tag damit verbringen auf den Forintkurs zu starren wie das Kaninchen auf die Schlange. Weiter im Text: Die Summe aller von Privatpersonen gehaltenen Fremdwährungskredite in Ungarn macht 25% des BIP also der offiziellen Wirtschaftsleistung des Landes aus. Diese Erhebungen wurden nun noch einmal von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung EBRD aufgelistet. Gleichzeitig hält man dort aber die ungefähren Maßnahmen zur Stabilisierung für ausreichend und macht sich wenig Sorgen um den Markt.

Das größte Gift, da sind sich alle einig, wäre ein Rückgang der Kredittäigkeit, denn damit verdienen die Banken ihr Geld und die Unternehmer investieren. Doch eben dies ist für 2010 als zweites Schreckensszenario ausgemachte Sache. Der Nettokapitalabzug der Mutterhäuser oder eine einfache Anfrage als "kleiner Selbständiger" beweist dies. Hinzu kommt der weitere Anstieg der Arbeitslosigkeit auf mindestens 11,5%. Allein die Behauptung, die Kreditportfolios erholten sich Ende 2010, müsste zur strafbaren Handlung erklärt werden.

Zusammengefasst heißt das: die Banken werden Gewinne machen, die von Leuten bezahlt werden, die sich das eigentlich nicht leisten können. Davon haben die Aktionäre und die Manager (Boni) was, die Kunden nicht. Verschuldete Kunden sind aber besser als gar keine und der Rest liegt ohnehin in Gottes Hand und am Wechselkurs. Im Zweifel springt der Staat ein. Hat der kein Geld, kann er sich ja welches leihen, muss sich aber raushalten, weil er von Geldverleih sowieso keine Ahnung hat, wie man ja sieht. Bis dahin hören wir auf die Presseaussendungen der ungarischen Nationalbank, bei der noch jede Katastrophe "im Rahmen der Erwartungen" stattfindet.

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