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(c) Pester Lloyd / 45 - 2009
BILDUNG 03.11.2009 _______________________________________________________
Experten am laufenden Band...
Kann man Bildung produzieren? Ungarn baut "Wissensfabriken".
I
mmerhin 55,5 Milliarden Forint, etwa 200 Mio EUR, werden in den nächsten Jahren in 13 ungarische Bildungs- und Forschungsstandorte investiert, um
diese "weltmarktfähig" zu machen. In Györ wurde gerade der Grundstein für eine solche praxis- bzw. unternehmensnahe Wissensfabrik, ein Forschungs-
und Ausbildungszentrum für die Motoren- und Fahrzeugindustrie an der Széchényi István Universität, gelegt. Die Gelder sind eine Kofinanzierung
von EU und Staat. Audi, das Unternehmen, das vor Ort am meisten davon profitieren dürfte, wird das freuen.
6,5 Milliarden Forint werden allein hier in Györ in eine solche
Wissensfabrik der Zukunft investiert. Sowohl Csaba Molnár, "Kanzleramtsminister", als auch József Pálinkás, Präsident der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, nahmen an der
Grundsteinlegungszeremonie auf dem Campus der Universität am vergangenen Freitag teil.
Molnár erklärte in ziemlich wirren Sätzen und Gleichnissen den vermeintlichen
Anspruch der Einrichtung: "... Ausbildung kann nicht länger nur mit einfachen Seminarräumen und Büchern gemacht werden..., Bildung heißt heute Investition
in die Gegenwart und Zukunft, heißt auch Wettbewerb und die Initiative zu ergreifen." - In Györ habe man das verstanden, in dem man hier eine
"Forschungsakropolis, ja eine Festung der Forschung errichtet, deren Bewohner die Möglichkeit einer Entwicklungsstrategie bekommen, die sie selbst erneuern
und an die nächste Generation weitergeben können...". Das Wissen, dass an dieser Universität "produziert" wird, wird global sein, der daraus resultierende
Erfolg aber auch lokale Auswirkung haben. Ziel der dreijährigen Entwicklungsperiode ist die Schaffung einer auf hohem europäischen Niveau
befindlichen "serviceorientierten" Ausbildungsstätte, die sich in effizienter Kooperation "mit den industriellen und ökonomischen Players" befindet. Ab 2011
soll der neue Komplex voll nutzbar sein.
Kommentar: Nur unabhängige Bildung macht krisenfest
Ausländische Investoren loben immer wieder die hohe theoretische "Ausstattung"
von Absolventen ungarischer Universitäten, Hoch- und Fachschulen, bemängeln aber regelmäßig den fehlenden Praxisbezug. Audi in Györ hat, auch dank seiner
konzernweiten Möglichkeiten, die Dinge weitgehend selbst in die Hand genommen und betreibt in Györ praktisch schon einen eigenen Campus, in dem die
Unterrichtsinhalte auf die Anforderungen in der Motoren- und Fahrzeugfertigung angepasst werden. Nun bekommt die Uni also noch eine EU- und staatsfinanzierte Wissensfabrik hinzu.
Die Entwicklung der Lehr- und Forschungsstandorte in Ungarn ist sicherlich
wichtig, auch die Vernetzung mit dem Ausland, vor allem aber mit Unternehmen, die später Arbeit geben. Bildung und Studium sind natürlich kein Selbstzweck.
Doch allzu schnell sind Politiker bereit, einer praxisnahen Ausbildung, ausgerichtet auf maximal mittelfristige Bedürfnisse der Unternehmen in der Gegend das Wort
zu reden. Damit dienen sie den Unternehmen, aber nur vordergründig dem Land und der Bildung. (die Studentenproteste beim Nachbarn Österreich, haben u.a. auch das zum Thema).
Nur die Entwicklung eines universellen Studienangebotes und die "Ausfinanzierung"
unabhängiger Bildungs- und Forschungseinrichtungen "produziert" langfristig einen wirklichen Austausch zwischen Akademikern und Unternehmern und macht
letztlich krisenfest. Die Fokussierung auf ein Fachgebiet, dessen Anfälligkeit aller Welt vor Augen steht, wird nur eine gesteigerte Abhängigkeit von konjunkturellen
Schwankungen produzieren, - davon hat das Land aber wahrlich schon genug.
Ungarn sucht das Superhirn
Begabtenförderung in Ungarn als erster Schritt zur Zweiklassengesellschaft?
Kluge Köpfer gegen die Krisen des Kapitalismus George Soros gründet in Ungarn ein Institut, quasi gegen sich selbst
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(c) Pester Lloyd
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