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(c) Pester Lloyd / 45 - 2009 POLITIK 04.11.2009
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Liebesbrief für einen Hassprediger
Die polnische Minderheit in Ungarn unterstützt einen rassistischen Bürgermeister
Die polnische Minderheit in Ungarn, einige Hundert Menschen in einem Dutzend Orte in und um das nordostungarische Edelény, unterstützt
öffentlich den dortigen Bürgermeister Oszkár Molnár, der sich mittlerweile im ganzen Land einen Ruf als hartnäckiger Rassist und Chauvinist erarbeitet
hat. In einem Brief wird er als hilfsbereiter Kumpeltyp geehrt. Warum?
Die Medienkarriere des Oszkár Molnár, Bürgermeister von Edelény, war rasant.
Zuerst beschimpfte Molnár die Romafrauen in der Gegend, in dem er ihnen pauschal unterstellte, sie würden sogar ihre ungeborenen Kinder schänden, nur um an staatliche Hilfe zu kommen, danach
räsonnierte er darüber, wie das "globale Kapital, jüdisches Kapital, wenn Sie so wollen, die ganze Welt" erobern wolle, "vor allem Ungarn". Bereits zuvor machte er auf
seinen Intellekt aufmerksam, als er einen schwulen Parlamentsabgeordneten beleidigte.
Molnár ist ebenfalls Mandatsträger im
höchsten Haus des Landes und sitzt in der Fraktion des Fidesz, jener nationalkonservativen Partei, die im kommenden Jahr die Macht in Ungarn
übernehmen wird. Etliche seiner Parteikollegen haben sich zwar öffentlich, aber doch eher formal von seinen Äußerungen distanziert, von Kollegen aus der Provinz
bekam er aber auch lautstarke Zustimmung, von der rechtsextremen Jobbik ohnehin. Die Sozialisten empfahlen ihm, doch gleich zur Ungarischen Garde
überzulaufen, er habe sich ja die bürgerliche Maske selbst vom Kopf gerissen. Die Medien spekulieren indes eher auf eine plötzlich ausgebrochene Persönlichkeitsstörung, denn politisches Kalkül.
Während der Gemeinderat von Edelény, doch ein wenig über seinen Ruf besorgt,
darüber nachdenkt ihn abzusetzen bzw. sonstwie zu sanktionieren, organisierte Molnár sich eine Unterstützungsdemonstration mit immerhin rund 500
Teilnehmern, darunter auch einschlägige Symbole und Uniformen der Ultrarechten, aber eben auch ganz normale Kollegen und Bewohner aus den umliegenden Orten.
Die neueste Entwicklung bringt nun die winzige polnische Minderheit ins Spiel, die
in der Gegend siedelt und - dem Minderheitengesetz gemäß - über eine eigene Selbstverwaltung verfügt. In einem Solidaritätsbrief bitten die Vertreter der
ungarischen Polen, keine Sanktionen gegen Molnár einzuleiten, der seit Jahren "ein Vorbild an Kollegialität und Freundschaft zu den Minderheiten" sei. Vielleicht
habe er die unschönen Äußerungen ja in einer verzweifelten Lage getätigt, wird in dem Schreiben gemutmaßt, die polnische Selbstverwaltung jedenfalls könne
nichts Schlechtes über den Mann berichten, im Gegenteil, man konnte immer auf seine Hilfe und Unterstützung zählen.
Über die Motivation der braven Hungaro-Polen kann man nur spekulieren.
Freilich, Homophobie ist in ihrer alten Heimat auch kein Vergehen, dafür gibt es dort sogar einen eigenen, "heiligen" Radiosender und mehrere Parteien. Auch
Juden und Zigeuner hält man sich nicht in den eigenen Reihen, warum also nicht versuchen, sich für die strahlende Zukunft des Fidesz ab April nächsten Jahres in
eine günstige Ausgangsposition bei der Verteilung von Fördergeldern zu bringen? Oder gibt es einen ganz anderen Grund für diesen Liebesbrief an einen Hetzer im Amt?!
Rotierende Bürgermeister
Nachrichten aus der ungarischen Provinz
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(c) Pester Lloyd
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