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(c) Pester Lloyd / 46 - 2009  WIRTSCHAFT 09.11.2009
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Abkehr von der Klärgrube

Das Abwassersystem in Ungarn ist teilweise noch sintflutlich - das soll sich ändern

Nur rund 70% der ungarischen Haushalte sind an die Kanalisation angeschlossen. Doch auch was abfließt, wird nicht immer gut behandelt. Mit EU-Hilfe soll dieser Anteil nicht nur wachsen, sondern auch die Qualität des aufbereiteten Wassers deutlich erhöht werden. Die Entsorgung via Klärgrube ist vielerorts noch an der Tagesordnung, mit teils abenteuerlichen und schädlichen Begleiterscheinungen.

"Das Ziel unseres Ministeriums ist die Schaffung einer sicheren und sauberen Umwelt und eines gesünderen Lebensumfeldes für Ungarn. Um das zu erreichen, wurde der Anteil der Haushalte, die an das Abwassersystem angeschlossen sind, in den vergangenen sieben Jahren kontinuierlich von 56 auf 70% gesteigert." Damit erreicht das Abwassersystem nun "nahezu 3 Millionen Haushalte". Das sagte am Freitag vergangener Woche Imre Szabó, Minister für Umwelt und Wasserwirtschaft bei der Grundsteinlegung einer neuen Klär- und Abwasseranlage in Dunakeszi, einem Vorort der ungarischen Hauptstadt.

Das hier federführende Unternehmen, die Donau-Wasserwerke AG (DMRV) erhält für dieses Porjekt 600 Millionen Forint (ca. 2,2 Mio EUR) Beihilfen von der Europäischen Union, vor allem deswegen, weil mit der Anlage eine Wasserqualität nach  europäischem Standard erreicht werden kann (zweite und dritte Abwasserbehandlung). Das Gesamprojekt wird ca. 1,1 Milliarden, also mehr 4 Mio EUR kosten, rund 70 Mio EUR (250.000 EUR) schiesst das Ministerium zu, den Rest, also rund 2 Mio EUR muss das Unternehmen selbst finanzieren. Die neue Kläranlage wird mit einer speziellen De-Nitrierungs-Technologie arbeiten, es werden standardisierte Restmülltanks mit Dehydrierungseinrichtungen und verschiede moderne Vorfilteranlagen installiert werden.

Neben großen Kläranlagen fürdie Städte, ist vor allem das Ziel, die Errichtung solcher eu-normierten, dezentralen Kläranlagen, die kleinen Gemeinden eine unabhängige aber flächendeckende Abwasserwirtschaft ermöglichen.

Der Minister erläuterte, dass seit 2002 rund 10.000 km neuer Abwasserleitungen gelegt worden seien, womit man das Gesamtnetz um ein Viertel auf nun rund 40.000 km ausgebaut habe, "das entspricht der Länge des Äquators". Im Finanzierungsrahmenplan von 2007-2013 sind insgesamt 380 Milliarden Forint (knapp 1,4 Mrd.) EUR an Fördermitteln für solche Projekte ausgwiesen und abrufbar. Der mit der EU vereinbarte Plan hat ein ehrgeiziges Ziel. Bis 2015 sollen 90% aller ungarischen Haushalte am Abwassersystem angeschlossen sein und 100%, des durch Klärung freigesetzten Wassers soll die EU-Normen erfüllen.

Etwa 2.500 Gemeinden in Ungarn haben nach EU-Schätzungen weder Kanalisation noch eine Kläranlage. Für sie ist eine solche Investition nur durch massive EU-Förderung zu realisieren. Rund 30% der ungarischen Haushalte sind noch nicht an das Abwassersystem angeschlossen. (Eu-weit sind es nur noch 14%, in der Slowakei aber z.B. noch fast 50%, in Frankreich 16%, in Deutschland ca. 4-5%). In den meisten Dörfern, aber durchaus auch in den Eigenheimen der Vororte Budapests und den Randbezirken anderer Großstädte regiert noch häufig die vorsintflutliche Klärgrube, teils in abenteuerlichen Bauformen. Je nach Bedarf rücken dann private Entsorger an, um diese leer zu pumpen.

Um Geld für diese nicht sonderlich sparsame Entsorgungsmethode zu sparen, sind die Ungarn sehr einfallsreich. Manche stellen ihre Waschmaschine in den Garten und lassen das Abwasser in den Rasen sickern. Andere Bewohner sieht man häufiger mit Eimern und Schüsseln Richtung Strasse entschwinden. Einige ersparen sich auch die Toilettenspülung, in dem sie ihre kleineren Geschäfte gleich am öffentlichen Wegesrand an einem Baum erledigen. Auch die Geruchsbelästigung und die mitunter sogar gesundheitsgefährdenden Dämpfe beim Leerpumpen sind, neben diesen Umweltverschmutzungen, Gründe genug, die flächendeckende Einführung eines geschlossenen Abwasserkreislaufs voran zu bringen.

Zum Thema:

Höhere Müllgebühren nicht machbar

Es gibt großen Bedarf für Müllsortierung und Vorbehandlung in Ungarn...

...doch die Abfallwirtschaft und die Kunden zeigen wenig Begeisterung für die neuen großen Entsorgungssysteme, die mit EU-Hilfen entstehen sollen. Die ersten werden derzeit bei Györ und Pecs gebaut. An neue Müllverbrennungsanlagen glaubt in der Branche inzwischen keiner mehr. Nur Budapest stellt eine Ausnahme dar. Hier soll eine zweite Großanlage entstehen, um Klärschlamm in Fernwärme umzuwandeln.

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Schutz vor dem Unvermeidlichen

Hochwasserschutz: zwei neue Überflutungsgebiete sollen Mensch und Felder an der Theiss schützen

Die Überflutungsreservoirs werden dazu an der mittleren Theiß / Tisza, unweit der Nagykunság sowie bei Hanyi-Tiszasüly geschaffen. 600.000 Hektar Land und 570.000 Menschen sollen damit besser vor den kommenden Hochwassern geschützt sein, die mit grausamer Regelmäßigkeit über die Theiß-Region herfallen.

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