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(c) Pester Lloyd / 46 - 2009  GESELLSCHAFT 13.11.2009
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Zentais letzte Reise?

Die Familie des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Zentai versucht seine Auslieferung aus Australien an Ungarn mit allen Mitteln zu verhindern

Die Auslieferung des 88jährigen mutmaßlichen Kriegsverbrechers Charles Zentai (Foto) durch die australischen Behörden an Ungarn ist bestätigt. Eigentlich. Der Innenminister gab gestern sein letztinstanzliches O.K., doch die Familie des aus Ungarn Stammenden sieht noch Möglichkeiten gegen die Überstellung anzukämpfen. Mit perfiden Argumenten: Ungarn könne kein faires Verfahren gewähren, behauptet der Sohn, "da es keine lebenden Zeugen mehr gibt."

Die Stimmung in Australien gegenüber der nun beschlossenen Auslieferung des alten Mannes ist nicht die, die man sich eigentlich vorstellt, wenn ein mutmaßlicher Mörder dingfest gemacht und seiner Strafe zugeführt wird. Der Innenminister des Landes, Brendan O'Connor, bei dem die eigentlich letzte Entscheidung lag, wiederholte mehrmals, dass sein Edikt nichts damit zu tun hat, ob er oder Australien den Mann für schuldig halte, man erfülle mit der Überstellung lediglich internationale Rechtsverpflichtungen. Auch die Medien des Landes zeichnen ein etwas eigenartiges Bild von der Angelegenheit. Eine große Lokalzeitung der Region um Perth, in der Zental lebte, sprach u.a. vom "Sohn von Perth", dem "Bürger Australiens" und gab der lamoryanten Familie breiten Raum für ihre Einwände. Der Tat widmete man meist nur eine Zeile.

Der Sohn von Zentai, Ernie Steiner, sieht durchaus immer noch Möglichkeiten eine Auslieferung zu verhindern. Konkret wird wohl ein Einspruch beim "Federal Court" dem höchsten Gericht ins Auge gefasst. Dabei geht es jedoch nicht um die Frage der Auslieferung an sich, sondern lediglich um die Überprüfung der Richtigkeit des seit fünf Jahren andauernden Verfahrens. Steiner griff den Innenminister direkt an. "Er gibt sich mehr Mühe, die internationalen Verpflichtungen Australiens zu erfüllen, als die Bürger Australiens zu beschützen. Daran sieht man, dass es sich um eine politische Entscheidung handelt." - "Außerdem könne Ungarn überhaupt kein faires Verfahren durchführen, da es keine lebenden Zeugen mehr gibt."

Ein Denkmal für ermorderte Juden in Budapest, unweit der Kettenbrücke. Ungarns Faschisten, die Pfeilkreuzler, nahmen seit 1943/44 regelmäßig Erschießungen an jüdischen Einwohnern vor, die Leichen warfen sie in die Donau.

Zentai sitzt seit 23. Oktober in Auslieferungshaft, er war aber bereits 2004 aufgespürt und mit dem Verbrechen konfrontiert worden. Die Ermittlungen waren Teil der "Operation letzte Chance", einer Initiative des Wiesenthal-Zentrums zur Verfolgung der noch lebenden Nazikriegsverbrecher. Zentai wird ein Mord an einem jungen Juden 1944 in Budapest vorgeworfen. Nach den Ermittlungsakten war Zentai 1944 regulärer Soldat der ungarischen Armee. Auf einer Zugfahrt traf er den Jungen bei einer Passkontrolle an und erkannte, dass dieser seinen Judenstern nicht trug. Daraufhin prügelte er ihn in einer Baracke zu Tode, sein Leichnam wurde in die Donau geworfen. Seit seiner ersten Einvernahme in Australien versuchten Zentais Anwälte vor allem durch ärztliche Attests seine Auslieferung zu verhindern, gerne wird auch mit dem hohen Alter des Beschuldigten argumentiert. Der Junge aus Budapest wäre sicher auch gern so alt geworden und hätte genauso glückliche Jahrzehnte im Kreise der eigenen Familie verlebt...

-red

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