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(c) Pester Lloyd / 47 - 2009
OSTEUROPA 20.11.2009 _______________________________________________________
Balkanblues und EU-Vorfreude
Balkan-Monitor: Europa als Hoffnung gegen korrupte Nationalregierungen
Das Meinungsforschungsinstitut Gallup und der European Fund for the Balkans der Erste Bank Stiftung präsentierten diese Woche in Brüssel die Ergebnisse einer
Umfrage mit dem schönen Titel Gallup Balkan Monitor. Die wesentlichsten Aussagen, die man aus den Zahlen treffen kann, sind: den Menschen geht es
immer schlechter, sie setzen daher ihre Hoffnungen stark auf einen baldigen Beitritt zur EU. Wenn sie dann einmal drin sind, wird sich das Barometer umkehren, aber so weit ist es noch nicht.
Trotz der Krise, in der sich die Balkanregion derzeit befindet, hat sich in den Ländern
des Balkan "eine starke, proeuropäische Stimmung erhalten.", resümiert die Erste Stiftung in einer Aussendung. Führte man heute eine Volksbefragung über einen
Beitritt zur EU durch, so würden alle westlichen Balkanstaaten mit „Ja“ stimmen (in allen Ländern geben mindestens 70 % ihre Zustimmung), allerdings mit einer
Ausnahme: Kroatien, das Land, das auf der Liste der Staaten, die sich der Europäischen Union anschließen wollen, ganz oben steht.
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In allen Balkanländern vertrauen die Menschen den Institutionen der EU weitaus mehr
als ihrer jeweiligen Landesregierung. In Albanien beispielsweise setzen 34 % „großes Vertrauen“ in die EU-Institutionen, ein derart ausgeprägtes Vertrauen in die eigene
Landesregierung bekunden hingegen nur 13 %. In Montenegro wuchs die Zustimmung zum EU-Beitritt seit 2008 von 57 % auf 67 % an. Im Hinblick auf die meisten
gesellschaftlichen Bereiche wie Reisefreiheit, Beschäftigung, politische Stabilität, Rechtsstaatlichkeit und Sicherheit sind die Menschen überzeugt, dass ein EU-Beitritt
ihrem Land Verbesserungen bescheren würde. So sind 72 % der Befragten aus Serbien der Ansicht, dass die Wirtschaftsentwicklung davon profitieren würde, und 93 % der
Kosovo-Albaner geben an, dass sich die Beschäftigungsmöglichkeiten verbessern würden. Dagegen befürchtet jedoch nahezu die Hälfte der Kroaten, dass sie einen Verlust an Souveränität hinnehmen müssten.
Die materielle Situation der Menschen in der Region "scheint sich zu verschlechtern",
und die Bürgerinnen und Bürger in den Balkanstaaten kritisieren Probleme in verschiedenen Bereichen: Der Prozentsatz der Befragten in Kroatien, der mit dem
Lebensstandard zufrieden ist, fiel von 59 % im Jahr 2006 auf 40 % im Jahr 2009. Auch mit den Leistungen ihrer Regierung sind die Kroaten nicht zufrieden: 2006 waren dies
noch 30 %, 2009 hingegen hat sich die Zahl der Unzufriedenen mehr als verdoppelt und beträgt nun 64 %. 63 % der Serben haben den Eindruck, dass sich ihr Lebensstandard verschlechtert.
In den letzten zwölf Monaten hatten 20 % der Bürger Mazedoniens große
Schwierigkeiten, die Rechnungen der Versorgungsunternehmen (Gas, Wasser, Strom etc.) zu begleichen. Die schwierige politische Situation in Bosnien und Herzegowina
spiegelt sich in den Umfrageergebnisse wider: Nur 17 %, der niedrigste Prozentsatz in der Region, fühlen sich von einem Politiker oder einer Partei vertreten, und 60 %
geben an, dass die Landesregierung „schlechte Arbeit“ leistet. In Montenegro sind etwa zwei Fünftel (42 %) der Menschen täglich oder gelegentlich vom organisierten
Verbrechen beeinträchtigt. In allen westlichen Balkanstaaten gibt mehr als die Hälfte der Befragten an, dass in ihrer Landesregierung Korruption verbreitet ist.
Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger der Balkanstaaten sehen die Notwendigkeit einer
engeren regionalen Zusammenarbeit. So sind 51 % der Befragten überzeugt, dass ihr Land engere Beziehungen zu seinen Nachbarn knüpfen sollte, und nur 6 % sind der
Meinung, dass die nachbarschaftlichen Beziehungen bereits zu eng sind. Das ist bemerkenswert in einer Region, die sich noch vor wenigen Jahren im Krieg befand.
Quelle und Weiteres: www.erstestiftung.org
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(c) Pester Lloyd
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